Affäre „Dumbrava“ wirft massiv Fragezeichen auf

Bukarest (ADZ) – Die Großaktion, bei der die Staatsanwaltschaft DIICOT ein kriminelles Netz zur Ausbeutung von hilflosen Senioren zerschlagen haben will, sorgt für Aufruhr in der Gesellschaft. Im Kern gehen die Ankläger davon aus, dass der Geschäftsmann Viorel Pașca über mehrere Jahre tausende Personen illegal in unrechtmäßig geführten Heimen im Landeskreis Bihor untergebracht habe. Im Laufe von 17 Jahren sollen über 3300 Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und Obdachlose untergebracht worden sein. Pașca habe sie ausgebeutet, um Geld zu erlangen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft seien von 2006 bis dato über 1000 der 3300 von ihm ausgebeuteten Personen verstorben, die auf dem Friedhof in der Ortschaft Dumbrava beigesetzt sind.

Doch an der Schilderung des Tathergangs aus Sicht der Ermittler sind bereits erste Zweifel erschienen. Das Stadtgericht Bukarest, das mit dem Haftantrag gegen Pașca befasst wurde, konnte keine Anzeichen erkennen, dass die in den Heimen untergebrachten Menschen in irgendeiner Gefahr waren und stellte sogar fest, dass sie dort angemessen betreut wurden. Dazu kommt, dass die Arbeit des religiösen Trägervereins Dumbrava, der die Seniorenheime betrieb, gut bekannt war. Medien hatten über Jahre hinweg weitgehend positiv von Pașca als dem „guten Samariter“ berichtet, der sich um Menschen in Not kümmert und ihnen einen Standard bietet, von dem öffentliche Heime nur träumen könnten. Viele Behörden und staatliche Stellen wie Polizei, Sozialämter und Krankenhäuser hatten Pașca ihre hoffnungslosen Fälle anvertraut, so Ombudsfrau Renate Weber. 

Auch die Haftinstanz in Bukarest wies auf diese Tatsache hin, als sie den Antrag der Staatsanwaltschaft DIICOT auf Untersuchungshaft für Pașca ablehnte. Zudem rügte sie die DIICOT, die gegen die Heime mit einem Großaufgebot bewaffneter Polizisten anrückte. Kritik an den Strafverfolgern wurde auch laut, nachdem viele Heimbewohner unter viel schlechteren Zuständen in andere Einrichtungen verlegt wurden.