Neuer Gedichtband „Erntespuren“ von Hans Dama

Prof. Eleonora Ringler-Pascu sprach mit dem Dichter über sein poetisches Schaffen im Barocksaal Wien-Leopoldau

Eleonora Ringler-Pascu und Hans Dama Foto: L. M. Vosicky


„Mensch sein / schafft die Natur, / Mensch bleiben / schafft der Charakter nur …“, lauten die ersten Verszeilen von Hans Damas Gedicht „Mensch sein“ in seinem neuen Gedichtband „Erntespuren“. Damit ist Thema und Ton von Damas zutiefst humanistischem Alterswerk angeschlagen. Der kürzlich erschienene Band „Erntespuren“ umfasst 140 Gedichte allein aus dem vergangenen Jahr. Er schließt an den ebenso in der Wiener Edition Apostroph verlegten Band „Dem Leben sei Dank“ (2025) an. 

Im Alltag, den Dama mit den Zeilen „Er nagt an uns, / vergrämt anhaltend, / macht mitunter / das Leben schwer“ in dichterische Sprache fasste, bleiben stets Erinnerungsspuren zurück, ein Nachhall vergangener Ereignisse. Als „Erlebnisernten“ werden sie zu Wortkreationen und nehmen mit Rhythmus und Klang lyrische Gestalt an. Solche „Erntespuren“ finden sich in Damas neuen Gedichtband, der klug in die Abschnitte „Persönliches“, „Natur“, „Zwischenmenschliches“, „Vermischtes“ und „Reflexionen“ gegliedert ist. 

Am 27. Mai las Hans Dama aus „Erntespuren“ im Barocksaal Wien-Leopoldau, veranstaltet von den Banater Schwaben Österreichs, deren langjähriger Obmann und nunmehriger Ehrenobmann Hans Dama ist, und der Österreichisch-Rumänischen Gesellschaft. Prof. Eleonora Ringler-Pascu von der West-Universität Temeswar leitete die Lesung ein. Die Germanistin stellte Hans Dama als in Großsanktnikolaus im Banat geborenen Dichter, Übersetzer und Wissenschaftler vor, der 1974 nach Wien ausgesiedelt war und dort an der Universität bis zu seiner Pensionierung lehrte. Als Dichter konnte er erst im Westen auftreten; seither veröffentlichte Dama mehr als ein Dutzend Lyrikbände. 

Geprägt hat Hans Dama in seinem lyrischen Schaffen sein großes Vorbild Rainer Maria Rilke, ein sehr persönliches Naheverhältnis entwickelte er zu Nikolaus Lenau, der unweit seines Geburtsortes das Licht der Welt erblickte (und früh in Wien starb). Doch auch der rumänische Nationaldichter Mihai Eminescu, den Hans Dama wie Lucian Blaga, George Bacovia und andere Klassiker ins Deutsche übertragen hat, wurde ihm zum Maßstab seines Verständnisses von Poetik. 
Der aufmerksamen Zuhörerschaft wurde auf Prof. Ringler-Pascus Nachfrage ein Einblick in die Werkstatt des Dichters gewährt. Hans Dama sprach von schlaflosen Stunden in der Nacht, die er produktiv zu nutzen wisse; das Festgehaltene werde am Morgen bearbeitet und geschliffen, bis das Gedicht in Form gebracht sei. Zuweilen entstünden mehrere Gedichte pro Tag, doch werde manche Streu vom Weizen getrennt. Die Ernte dieses einsamen Schaffens jedoch ist reich – an Gehalt, aus Lebenserfahrung geschöpfter Altersweisheit und rechter Demut.

„Demütig sein, doch nicht devot, / im Leben wie im Streben / sich Lösungen ergeben, / sodass Gefahr dir kaum noch droht. // Adelt Demut Bescheidenheit / im Handeln wie im Benehmen, / wird niemand dich verfemen / befreit dein Los vor vielem Neid“, dichtet Dama in „Demut“. In dieser Geisteshaltung geschrieben, möge eine zahlreiche Leserschaft ein staunendes Sich-Finden erfahren.