Auf den Spuren von James Krüss

Internationale Kulturveranstaltungsreihe in Klausenburg

Die Organisatoren und die Jury des Rezitationswettbewerbs

Der Workshop des deutschen Musikers, Musikpädagogen und Songwriters Fabian Wege im Februar

Im Mittelpunkt der IV. Lyrikfest-Veranstaltungsreihe am Apáczai-Gymnasium in Klausenburg stand der deutsche Schriftsteller und Dichter James Krüss. Im Laufe des Schuljahres beteiligten sich nahezu fünfhundert Schülerinnen und Schüler aus dem In- und Ausland aktiv an den Programmen.

James Krüss ist vor hundert Jahren, am 31. Mai 1926, auf der winzigen Nordseeinsel Helgoland geboren, die kaum einen Quadratkilometer groß ist. Im Laufe ihrer Geschichte gehörte die Insel zunächst zu Dänemark, später zu England und wurde ab 1890 Teil Deutschlands. Da die Inselbewohner lange Zeit englische Vornamen verwendeten, lässt sich auch der Vorname des Dichters dadurch erklären. Seine Muttersprache war Friesisch; Deutsch lernte er erst in der Schule. Später verfasste er jedoch seine Gedichte und Prosawerke überwiegend auf Deutsch, schrieb daneben aber weiterhin auch in seiner Muttersprache. Mit zehn Jahren betrat er zum ersten Mal das Festland und erkannte dabei die Winzigkeit seiner Heimatinsel.

Während des Zweiten Weltkriegs diente Helgoland als Militärstützpunkt, weshalb die Bevölkerung die Insel verlassen musste. Nach dem Krieg wollten die britischen Besatzer Helgoland mitsamt seines Bunkersystems sprengen; dieses Ereignis gilt bis heute als die größte nichtnukleare Explosion der Geschichte. Der Plan wurde jedoch nur teilweise umgesetzt, sodass die Bewohner einige Jahre später zurückkehren und ihre Häuser wiederaufbauen konnten. James Krüss selbst kehrte später nur noch als Besucher auf seine Heimatinsel zurück; nach seinem Tod wurde dort auch seine Asche beigesetzt

Gegen Ende des Krieges diente er bei der deutschen Luftwaffe und zog danach nach München. Obwohl er ursprünglich Lehrer werden wollte, widmete er sein Leben schließlich ganz der Literatur. Er schrieb Gedichte, Romane, Bilderbücher, Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke und gab zudem Anthologien heraus. Darüber hi-naus moderierte er eine beliebte Fernsehsendung, in der er einen direkten Zugang zu seinem jungen Publikum fand. Später lebte er auf den Kanarischen Inseln, wo er sich vollständig dem Schreiben widmete. Für sein literarisches Schaffen wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Er hinterließ rund 160 Werke, die in 41 Sprachen übersetzt und weltweit in mehr als 30 Millionen Exemplaren verkauft wurden.

Eines der wichtigsten Ziele der von den Deutschlehrerinnen Viola Szabó und Éva-Ildikó Lokodi organisierten Veranstaltungsreihe bestand darin, den Schülerinnen und Schülern diesen außergewöhnlichen Autor näherzubringen und sie für sein Werk zu begeistern. In Zusammenarbeit mit den Kunstlehrern Katalin Szántó und András Koncz-Münich wurden zwei Gedichte zur Bearbeitung und Popularisierung ausgewählt: „Der Zauberer Korinthe“ und „Im Garten des Herrn Ming“. Beide Werke entführen die Leserinnen und Leser in märchenhafte Welten: Der in der Tinte lebende Zauberer Korinthe verwandelt spielerisch zornige Texte in liebevolle und ernste Botschaften in humorvolle; die Geschichte von Herrn Ming wiederum erzählt in einer fernen chinesischen Gartenwelt von einem unerwiderten Liebesviereck – zugleich humorvoll und melancholisch.

Die erste Station der Veranstaltungsreihe war der musikalische Workshop Krüss in Beats, geleitet von dem deutschen Musiker, Musikpädagogen und Songwriter Fabian Wege für Schülerinnen und Schüler aus Klausenburg. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops im Februar vertonten die beiden ausgewählten Gedichte von James Krüss und präsentierten sie anschließend musikalisch. Der beliebte Workshopleiter brachte den Jugendlichen nicht nur Literatur und Musik näher, sondern machte auch die deutsche Sprache lebendig und leichter zugänglich.

Am 22. April fand die zweite Veranstaltung statt: der deutsche Rezitationswettbewerb, an dem rund siebzig Jugendliche der Klassen 5 bis 8 teilnahmen. Unter den vorgetragenen Gedichten befanden sich zahlreiche Gedichte von James Krüss. Für die Jury war es eine große Herausforderung, aus den vielen talentierten Schülerinnen und Schülern die besten Vorträge auszuwählen. Ein besonders bewegender Moment war die Ehrung jener Achtklässler, die seit der fünften Klasse jedes Jahr treu am Wettbewerb teilgenommen hatten. Alle Beteiligten konnten mit wertvollen Preisen nach Hause zurückkehren.

Bereits einen Tag später fand die Abschlussveranstaltung statt: die Eröffnung der internationalen Ausstellung sowie die Preisverleihung des Zeichenwettbewerbs, die mit fachlicher Unterstützung unserer Kunstpädagogen organisiert wurde. Der Wettbewerb richtete sich an alle Altersgruppen: Schülerinnen und Schüler der Vorbereitungsklassen bis zur 8. Klasse illustrierten „Der Zauberer Korinthe“, während die Klassen 9 bis 12 Illustrationen zu „Im Garten des Herrn Ming“ anfertigten. Fast vierhundert Werke gingen sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland, darunter auch aus Deutschland, ein – Grafiken, Aquarelle, Collagen, Arbeiten in Mischtechnik sowie keramische Kunstwerke. Bei der Eröffnung konnte man zudem einen Tanzauftritt von Schülerinnen und Schülern aus dem Dorf Geist/Apața im Kreis Kronstadt/Brașov bewundern, außerdem erklangen erneut die im musikalischen Workshop vertonten Gedichte. 

Die Lyrikfest-Veranstaltungsreihe hat erneut bewiesen, dass Literatur, Musik und bildende Kunst gemeinsam dazu beitragen können, jungen Menschen Kultur sowie muttersprachliche und fremdsprachliche Erfahrungen näherzubringen. Die spielerische und zugleich tief menschliche Welt von James Krüss vermittelte den Teilnehmenden nicht nur die Freude am kreativen Schaffen, sondern auch die Botschaft, dass Kunst Brücken zwischen Generationen, Ländern und Sprachen bauen kann.