Bei Dunkelheit keine Safari in Nationalparks gestattet

Sechs Erwachsene waren mit Teleobjektiven in Kenia unterwegs

Wedelt ein Elefant mit seinen Ohren, um nur Insekten zu vertreiben und sich abzukühlen, oder gibt er dadurch Safari-Reisenden klar zu verstehen, nicht mehr beobachtet werden zu wollen? Einschließlich unter Erfahrenen ein und dersel ben Fotoreise können Meinungen dazu unterschiedlich sein. Foto: Klaus Philippi

Hermannstadt – Nicht eine einzige Plastiktüte fände sich auf den Straßen Kenias, raunen Florentina Tîlvic, Mircea Sasu, Gabi Rusu, Roxana Badea, Costel Agache und Remus Munteanu vom zentralafrikanischen Land am Indischen Ozean, am Victoria-See und mitten am Äquator. Das jedoch sei nicht immer so gewesen, wie einige der sechs erwachsenen Kennerinnen und Kenner des artenreichen Staates Ende vergangenen Monats auf der Eröffnung ihrer Wanderausstellung im Naturhistorischen Museum im zentralen Hermannstadt/Sibiu erklärten. Vier von ihnen waren anwesend und schwärmten vom Kenya Wildlife Service, der seit 2018 in Schulterschluss mit der landeseigenen Armee sehr genau darauf achtet, dass die Besucherrouten durch die Nationalparks abends nach Abfahrt letzter touristischer Geländewagen in der gleichen Sauberkeit zurückbleiben, mit der die Tagesgäste morgens zuvor begrüßt wurden. Nicht nur das Verbot des Wilderns herrscht in Kenias Nationalparks, sondern selbstredend auch manch andere Verhaltensregel, und Biologe Silviu Giorgian Țicu vom Experten-Team des Brukenthalmuseums kam vergleichsweise auf das von Autofahrern und Passagieren überaus lax gehandhabte Problem überhaupt nicht ungefährlicher Begegnungen mit Braunbären an der Transfogarascher Hochstraße zu sprechen – in Kenia dagegen wagt es auch bei größter Abenteuerlust kein Safari-Reisender, den von einem Einheimischen gefahrenen Geländewagen unterwegs zu verlassen. Fotografiert und gefilmt werden darf nur aus dem bis zu sechs Gäste gleichzeitig aufnehmenden Fahrzeug. Solange die Tiere bloß ein bewegliches oder haltendes Auto sehen, sind Menschen für sie weder Störung noch Gefahr. Im natürlichen Lebensraum größter Säuger wie dem echt zu fürchtenden Flusspferd – dem am Äquator zweittödlichsten Tier nach den Malaria bringenden Mücken – oder dem Gepard, der es in drei Sekunden aus seinem Stillstand auf bis zu 120 Kilometer Laufgeschwindigkeit pro Stunde schafft, klar ein guter Grund, den Anweisungen kenianischer Gästeführer kritiklos Folge zu leisten.

Den sechs Hobby-Fotografen aus Rumänien, die nach mehrmaligen Kenia-Reisen ihre Bilderauswahl publik gemacht haben, ist somit in freier Wildbahn auch schon einmal ein Gepard begegnet, der für seinen Teil Deckung hinter einem Safari-Geländewagen bezog, um anschließend seine Beute nur umso letaler überraschen zu können. „Niemand von uns ist Profi-Fotograf”, entschlüsselte ein Herr aus den Reihen jener sechs, die auch exponierend gemeinsames Reisen pflegen, doch „alle sind von der Leidenschaft dazu befallen.” Bloß 50 bis höchstens 60 Kilometer pro Stunde schnell würden die Safari-Wagen schaffen, und sogar einheimische Gästeführer am Lenkrad wären darauf angewiesen, beim Tippen auf anzufahrende Orte für das Fotografieren vorhandener Tiere Glück zu haben. Tunlichst zu unterlassen ist unterwegs übrigens jeder Austausch von Objektiven an ein und demselben Grundgerät: andern-falls würde auf der Stelle Sand eindringen können und das weitere Aufnehmen von Fotos jäh beeinträchtigen. Täglich abends nach der Rückkunft ins Nachtlager außerdem sei es erst recht nötig gewesen, alles Gerät gründlich von Staub zu reinigen.

Hausherr Silviu Giorgian Țicu vom Naturhistorischen Museum in Hermannstadt hat auch für das Ausstellen einiger Kenia-Trophäen von August Roland von Spiess gesorgt, der seinerzeit 1936 zur Jagd nach Zentralafrika gereist war. Wobei auch die genau 90 Jahre nach ihm von sich reden machenden Fotografinnen und Fotografen nicht verheimlichten, dass es einschließlich noch in ihrem Treiben auf das „Schießen“ ankäme. Țicu schließlich brachte das Vergleichsbild des Uhrwerks ein: „Fehlt ein Teil daraus und bald der nächste, hört die Uhr irgendwann auf, zu schlagen. Wir aber möchten, dass sie nicht zu schlagen aufhört.” Eine Megafauna wie zur Eiszeit ist zwar auch in Kenia vorbei, aber dennoch leben dort bis heute die größten Tiere weltweit. Hermannstadt zeigt die Fotoausstellung bis zum 12. Juli.