Hermannstadt/Jassy – Nein, es war keine Premiere, dass einer Leihgabe des Brukenthalmuseums zu Ehren mit Begleitung eines Korps uniformierter und streng bewaffneter Gendarmen der rote Teppich in Jassy/Iași ausgerollt wurde. Im Mai 2024 hatte das Königin-Maria-Stadtmuseum dem Meisterwerk „Ecce Homo“ von Tiziano Vecellio als Heimat für die Dauer eines knappen Monats gedient, und zwei Jahre später wiederum lag es fast auf den Tag genau an Bibliothekar Alexandru Munteanu, eine Dienstfahrt in die gleiche Metropole anzutreten, wo im Braunstein-Palais noch bis Sonntag, den 24. Mai, das Hermannstädter Exemplar des erstmals 1487 im rheinländisch-pfälzischen Speyer von Heinrich Kramer zu Druck gebrachte Traktat „Malleus Maleficarum“ bestaunt werden kann. Es liegt unaufgeschlagen und darum nur umso spektakulärer auf einem hellfarbenen Pult mit hölzernen Stacheln, die den harschen Inhalt des römisch-katholischen „Hexenhammers“ in lateinischer Sprache verstärkt erahnen helfen sollen. Auf das Jahr 1574 datiert das Online-Verzeichnis der Brukenthal-Bibliothek den originalen Band in einer von seinen zig Wiederauflagen, die alle im gleichen Maße der Inquisition und besonders ihrer praktischen Bedeutung im Urteilen über Frauen geschuldet waren, die im hohen Mittelalter nicht selten mit dem Leben für das Stigma von Häresie und Hexerei zu büßen hatten. Zum Transport der Anklageschrift aus dem Gendarmerie-Auto in das Braunstein-Palais diente eine große Alubox wie neu aus dem Baufachhandel, die Bibliothekar Alexandru Munteanu persönlich an ihren Ort auf Zeit trug. Das Exponieren des „Malleus Maleficarum“ ist Kernprogrammpunkt der „Romanian Creative Week“ (RCW) vom 13. bis 25. Mai in der siebten Auflage seit 2021.




