Temeswar – Die geplante Verlagerung nahezu aller Glücksspielbetriebe Temeswars in ein Industriegebiet an der Sulina-Straße (wir berichteten) hat bei einer öffentlichen Anhörung der Stadtverwaltung eine Debatte ausgelöst. Mehr als zweieinhalb Stunden diskutierten Anwohner, Vertreter der Glücksspielbranche, Experten und Verwaltungsmitarbeiter über den Verordnungsentwurf, der Spielhallen und Wettbüros künftig ausschließlich in einem begrenzten Abschnitt der Sulina-Straße zulassen soll. Das Interesse war ungewöhnlich groß, der Sitzungssaal des Bürgermeisteramts Temeswar/Timișoara bis auf den letzten Platz gefüllt.
Vor allem Bewohner des Stadtteils Freidorf wandten sich gegen die Pläne. Sie widersprachen der Darstellung der Stadtverwaltung, wonach es sich um ein abgelegenes Industriegebiet handle. Entlang der Sulina-Straße gebe es Wohnhäuser, Mehrfamilienhäuser und Familien mit Kindern. Mehrere Redner warnten davor, ihr Viertel werde zur „Müllhalde der Stadt“ gemacht und befürchteten einen Anstieg von Kriminalität, Lärm und sozialen Problemen. Einige Teilnehmer forderten, die sogenannten „păcănele“ vollständig aus Temeswar zu verbannen oder zumindest einen anderen Standort für die Konzentration der Betriebe zu wählen.
Kritik kam jedoch auch von der Glücksspielbranche. Beschäftigte sorgten sich um ihre Arbeitsplätze, während Unternehmensvertreter auf rechtliche Unsicherheiten und wirtschaftliche Folgen hinwiesen. Eine starke Einschränkung stationärer Angebote werde das Glücksspiel nicht beseitigen, sondern lediglich ins Internet verlagern, argumentierten sie. Zudem verlangten sie eine Übergangsfrist, damit Genehmigungen eingeholt und neue Standorte eingerichtet werden könnten. Die Stadtverwaltung entgegnete, das geltende Recht lasse eine solche Übergangsregelung nicht zu.
Vizebürgermeisterin Paula Romocean räumte ein, dass der Vorschlag „keine glückliche Lösung“ sei und keine der beteiligten Seiten zufriedenstelle. Die Sulina-Straße sei nach Prüfung mehrerer Varianten ausgewählt worden, weil der betreffende Abschnitt überwiegend industriell geprägt und insbesondere für Kinder und Jugendliche schwer erreichbar sei. Eine vollständige Untersagung des Glücksspiels sei zwar naheliegend erschienen, habe sich aber mit Blick auf internationale Erfahrungen – etwa in Albanien – als problematisch erwiesen, da ein Totalverbot illegale Angebote fördern könne.
Der Verordnungsentwurf sieht außerdem vor, dass lediglich Annahmestellen der staatlichen Lotterie an ihren bisherigen Standorten verbleiben dürfen. Über die endgültige Fassung des Regelwerks entscheidet in den kommenden Wochen der Temeswarer Stadtrat.





