Bukarest – „Eine neue Sprache weitet unseren Geist und öffnet unsere Augen.“ Sie verhelfe zu mehr Toleranz und Perspektivenvielfalt, sagte die verantwortliche ZfA-Fachberaterin für Deutsch Sabine Maya Schlattner in Bukarest von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen zu Beginn der Feierstunde. Mehr als 100 Schüler erhielten das Deutsche Sprachdiplom Stufe II in der Aula der Wirtschaftsakademie Bukarest.
Insgesamt hätten 244 Schüler im Bereich Süd- und Ostrumänien in diesem Jahr die Prüfung bestanden – eine Bestehensquote von 86 Prozent der Teilnehmer und Teilnehmerinnen, so Schlattner. In ganz Rumänien seien es im vergangenen Jahr fast 900 gewesen. Das Diplom entspricht den Kompetenzstufen B2 und C1 und berechtigt zum Studium an einer deutschen Hochschule.
Genau das hat die Elftklässlerin Marta Stefania Caranfil vor. Die Schülerin des Deutschen Goethe-Kollegs hat gerade ihr Diplom bekommen und überlegt, in Wien oder einer deutschen Stadt zu studieren. Von ihrem Cousin habe sie gehört, wie hilfreich Sprachkenntnisse bei der Jobsuche und im Privatleben seien, sagt die 17-Jährige in flüssigem Deutsch. Schon mit zweieinhalb Jahren habe sie einen deutschen Kindergarten besucht.
Ștefan Teodor Vladimir ist ebenfalls Schüler des Goethe-Kollegs. Der 18-Jährige plant, nach dem Abschluss an der Polytechnischen Universität Bukarest zu studieren und im zweiten Jahr wahrscheinlich ein Semester oder Praktikum in Deutschland über das Erasmus-Plus-Programm zu absolvieren. Es sei eben „ein schönes Land, es hat mehr Möglichkeiten für den Anfang der Karriere als Rumänien“, so der Elftklässler.
Wirtschaftswissenschaftler Tănase Stamule stimmt dem in Teilen zu. Der Dekan der „Fakultät für Business-Administration in ausländischen Sprachen“ der Wirtschaftsakademie hielt als Gastgeber der Veranstaltung ein Grußwort. Er hält deutsche Sprachkenntnisse durchaus für einen Türöffner, da Rumänien und Deutschland wichtige Wirtschaftspartner seien. Daran ändere auch die Krise der deutschen Wirtschaft nichts. In vielen Familienunternehmen wie Siemens oder Kaufland werde Deutsch vorausgesetzt, um Karriere machen zu können, berichtet Stamule.
Es sei aber heute nicht mehr so attraktiv wie vor zehn Jahren, nach Deutschland zu ziehen. Der Grund: Mittlerweile böten die Niederlassungen der deutschen Unternehmen in Bukarest genug Möglichkeiten, um hier an gut bezahlte Positionen zu gelangen. Wer ein Deutschdiplom nachweisen kann, verdiene bis zu 50 Prozent mehr als der Durchschnitt, so der Wissenschaftler.
Auch der Leiter des Goethe-Kollegs Sebastian Stoica attestiert der deutschen Sprache eine ungebrochene Attraktivität. Während wirtschaftliche Chancen erst in den letzten Schuljahren eine größere Rolle spielten, falle die Entscheidung für seine Schule oft aus einer Familientradition. Viele Schüler besuchten das Kolleg bereits in der zweiten oder dritten Generation. Schließlich das Diplom zu erhalten, bestätige „nicht nur sprachliche Kompetenz, sondern auch Ausdauer und eine gewisse persönliche Reife“, findet der Schulleiter. Am Goethe-Kolleg wird fast ausschließlich auf Deutsch unterrichtet.
Ebenfalls vertreten waren bei der Diplomübergabe Schüler des Colegiul National de Informatica sowie erstmals des Liceul Teoretic German IDEES. Weitere Bukarester Schulen verleihen das Diplom in anderem Rahmen.





