Hermannstadt – Zum Thema „Für eine bessere Zukunft namens Europa – 150 Jahre Konrad Adenauer“ war am Samstag, den 16. Mai, der Enkel des ersten Kanzlers der Bundesrepu-blik Deutschland, Konrad Adenauer, zu Gast. Stephan Werhan, seines Zeichens Jurist, Unternehmer, Autor und politischer Kommentator, engagiert sich seit vielen Jahren für die Zukunft Europas.
Organisiert war der Abend vom Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt sowie dem Demokratischen Forum der Deutschen in Hermannstadt (DFDH) – unterstützt vom Goethe-Institut Bukarest, der Konrad-Adenauer-Stiftung Bukarest sowie dem Konsulat der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt.
Ana-Maria Daneș, Leiterin des Deutschen Kulturzentrums Hermannstadt, sprach das Grußwort: „Es freut mich sehr, Sie heute im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen begrüßen zu dürfen. Zu einem Vortrag, der nicht nur an eine große historische Persönlichkeit erinnert, sondern zugleich auf die Herausforderungen unserer Gegenwart gerichtet ist.“ Konrad Adenauer habe zu einer Generation gehört, die nach den Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs den Mut hatte, neu zu denken – über Grenzen hinweg und über nationale Interessen hinaus. Seine Version eines geeinten Europas sei damals alles andere als selbstverständlich gewesen und sei heute aktueller denn je, so Ana-Maria Daneș weiter.
Auch Sven Kunert, Vizekonsul der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt, betonte, wie aktuell die Frage nach der Verantwortung und der Rolle Europas, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Weltlage sei. Johanna Kézdi, die neugewählte Vorsitzende der Jugend Europäischer Volksgruppen (YEN/JEV) unterstrich, dass Europa ein Beispiel dafür sei, wie Menschen zusammenleben und auch verschiedene Ethnien zusammenleben könnten.
Grundlage für Stephan Werhans Vortrag bildete sein Buch „Europas Resilienz. Für Frieden, Freiheit und Wohlstand“, das 2025 erschienen ist und in dem er seine wichtigsten Thesen zusammenfasst. Hier zeigt er konkrete Impulse auf, damit die Handlungsfähigkeit Europas in Zukunft gewährleistet bleibt. Entstanden ist das Buch vor dem Hintergrund der Angriffe von außen, wie beispielsweise dem Ukraine-Krieg und dem Erstarken verschiedener Mächte in den letzten Jahren und Jahrzehnten. All dies ruft nach einem stärkeren Zusammenhalt innerhalb der Europäischen Union und deren Partnern.
Er werde oft nach den Parallelen aus der Zeit Adenauers und dem Heute gefragt, sagte Werhan. Für ihn komme es sehr stark auf die Haltung der führenden Politiker an: „Wenn die Haltung von damals erfolgreich war, auch in der Strategie gegenüber einem aggressiven Diktator im östlichen Teil von Europa, dann können wir davon lernen.“
In einer globalen Welt, die von Migrationsbewegungen und dem Klimawandel geprägt ist, braucht es für Stephan Werhan neue, verbesserte Strukturen, um ein künftiges Europa bauen zu können. Veränderung könne immer nur von unten nach oben erfolgen – mit Hilfe des Subsidiaritätsprinzips.
Fast das wichtigste Thema ist für Werhan das Thema Sicherheit. Die Verteidigung solle so organisiert werden, dass Einsparungen möglich würden: Die gemeinsame Beschaffung von dringend benötigten Rüstungssystemen, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, müsse in der Folge zwangsläufig zu einer politischen Einheit führen, so Werhan. Es brauche zudem ein neues Verteidigungsbündnis. So wie die EU heute gestaltet sei, stünden Wirtschaft, Handel und Agrarthemen im Vordergrund. Eine Variante ist für Werhan der auch durch den Ökonomen Hans-Werner Sinn vertretene „Europäische Verteidigungsbund“, der neben der EU existieren und nach eigenen Regeln und unabhängig von ihr agieren könne. Auf diese Weise könnten Boykottstrategien, wie die des ehemaligen ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán, vermieden werden. Auch plädiert Werhan für eine Europäische Verfassung anstelle des Lissabonner Vertrags, um eine größere Verbindlichkeit zwischen den Mitgliedsstaaten zu schaffen.
Thematisiert wurden auch verschiedene aktuelle, auf Deutschland bezogene Problemfelder: Unter anderem erwähnte Stephan Werhan die Überalterung der Bevölkerung, die schwächelnde Wirtschaft, die schleichende Desindustrialisierung, die zerfallende Infrastruktur und die Probleme im Bildungssektor.
Dem in Hermannstadt versammelten Publikum sagte er: „Sie sind für mich ein Leuchtturm in Europa für die Diversität. Wenn Sie es schaffen würden vorzuleben, wie das geht, diversifiziert zu kooperieren, Frieden und Wohlstand herbeizuführen, dann können sich andere eine Scheibe davon abschneiden.“ Im Anschluss an den Vortrag fand ein offenes Publikumsgespräch mit Stephan Werhan statt.
„Die Einheit Europas war ein Traum von wenigen. Sie wurde eine Hoffnung für viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für uns alle“, sagte Konrad Adenauer 1954. Das Weiterdenken des Projekts „Europa“ ist heute mehr als lohnenswert. Stephan Werhan leistet seinen Beitrag dazu.
Ein weiterer Vortrag mit Stephan Werhan findet am Freitag, den 22. Mai um 12 Uhr, an der Fakultät für Europäische Studien in Klausenburg/Cluj statt. Weitere Stationen der Vortragsreihe fanden diese Woche bereits in Kronstadt/Brașov und in Temeswar/Timișoara statt.





