Temeswar – Zwischen dem Temescher Kreisratsvorsitzenden Alfred Simonis (PSD) und dem Temeswarer Bürgermeister Dominic Fritz (USR) ist ein neuer öffentlicher Schlagabtausch entbrannt. Anlass waren Äußerungen von Simonis in einem Podcast, in dem er sich abfällig über das Auftreten von USR-Politikern äußerte und deren Kleidung mit dem Zustand Temeswars in Verbindung brachte.
Simonis sagte im Podcast „Conversații Fără Filtru“, man müsse sich nur ansehen, wie sich Vertreter der USR kleideten, um zu verstehen, wie die Stadt aussehe. Im Westen spiele Etikette eine wichtige Rolle, meinte der Sozialdemokrat. Wenn man USR-Politiker „mit Galoschen an den Füßen“ sehe, erkenne man daran auch den Zustand Temeswars, sagte Simonis sinngemäß. Die Stadt sei von Schlaglöchern, Schmutz, Staub und unansehnlichem Straßenbelag geprägt.
Fritz reagierte darauf mit einer ausführlichen Stellungnahme. Er habe den gesamten Wortlaut wiedergegeben, schrieb der Bürgermeister, damit nicht behauptet werde, Simonis sei falsch verstanden worden. Fritz verwies auf seine Kindheit in einer Familie mit acht Kindern. Wie viele Menschen in Rumänien habe auch er Kleidung älterer Geschwister getragen. Seine Eltern hätten früh klargemacht, dass sie ihr Geld lieber in die Ausbildung der Kinder als in teure Kleidung investieren wollten. Bis heute habe er wenig Geduld für Kleiderkäufe, schrieb Fritz weiter. Er trage in der Regel ein Paar Schuhe, bis es kaputt sei. Zugleich kritisierte er Politiker, vor allem aus der PSD, die sich mit Schuhen zum Preis mehrerer Mindestlöhne oder mit sehr teuren Uhren brüsteten. Ihn würde amüsieren, dass solche Politiker glaubten, westliche Werte hätten mit dem Wert ihrer Kleidung zu tun, schrieb Fritz. Wenn er jedoch daran denke, woher das Geld für diese demonstrative Eleganz komme, vergehe ihm die Belustigung.
Rumänische Medien hatten bereits 2023 über teure Schuhe von Simonis und dem damaligen PSD-Chef Marcel Ciolacu berichtet. Beide waren damals bei einer öffentlichen Veranstaltung mit italienischen Schuhen derselben Marke gesehen worden, deren Preis je nach Markt mit mehr als 1000 Euro beziehungsweise mehr als 1500 US-Dollar angegeben wurde.
Fritz schloss seine Replik mit der Bemerkung, Simonis habe vielleicht doch recht: Menschen könnten Politiker an ihren Schuhen unterscheiden. Die Auseinandersetzung fällt in eine Phase angespannter Beziehungen zwischen PSD und USR in Temeswar und im Kreis Temesch, in der Fragen der Stadtentwicklung, der Verwaltung und des politischen Stils immer wieder öffentlich ausgetragen werden.





