Neustadt – Das Prestigeprojekt „Aquapark Neustadt/Baia Mare“ steht plötzlich auf wackeligen Beinen. Obwohl der Vertrag bereits unterschrieben wurde und die Arbeiten begonnen haben, sorgt eine Gerichtsentscheidung nun für erhebliche Unsicherheit rund um das Millionenprojekt.
Der geplante Wasserfreizeitkomplex, der mit rund 152 Millionen Lei zu den größten kommunalen Investitionen der vergangenen Jahre in der Region zählt, sollte eigentlich ein neues Freizeit- und Tourismuszentrum für die Stadt werden. Nun drohen Verzögerungen, neue Ausschreibungen – und möglicherweise deutlich höhere Kosten.
Auslöser der aktuellen Krise ist eine Entscheidung des Berufungsgerichts Klausenburg/Cluj. Dieses hob Teile des Vergabeverfahrens auf, obwohl die Stadtverwaltung den Bauvertrag bereits Anfang Februar unterzeichnet hatte.
Den Zuschlag hatte eine Bietergemeinschaft rund um das Unternehmen Oberhauser Invest erhalten. Der Vertrag über Planung und Bau wurde auf rund 122 Millionen Lei festgelegt – deutlich unter der ursprünglich kalkulierten Summe.
Doch ein unterlegener Mitbewerber, die MBS Group, zog erneut vor Gericht und bekam teilweise recht. Das Gericht erklärte die Mitteilung über das Ausschreibungsergebnis für ungültig. Damit steht die gesamte Vergabe plötzlich wieder infrage.
Besonders ungewöhnlich: Trotz des laufenden Rechtsstreits wird weiter am Projekt gearbeitet. Nach Angaben der Stadt befindet sich das Vorhaben derzeit noch in der Planungsphase. Rechnungen seien bislang nicht bezahlt worden, die Arbeiten würden jedoch fortgesetzt.
Bürgermeister Ioan Doru Dăncuș bestätigte, dass zusätzliche geologische Untersuchungen und technische Anpassungen notwendig geworden seien. Deshalb habe das Unternehmen eine Fristverlängerung beantragt.
Inzwischen ist die Situation komplizierter geworden. Mitte April leitete die MBS Group ein weiteres Verfahren ein und fordert nun sogar die Aufhebung des bestehenden Vertrags.
Die Stadtverwaltung zeigte sich zunächst kämpferisch, änderte später jedoch ihre Strategie. Um mögliche finanzielle Sanktionen durch Förderstellen zu vermeiden, erklärte sie sich grundsätzlich bereit, den Vertrag aufzulösen und eine neue Ausschreibung zu starten.
Doch genau das lehnt die MBS Group ab. Sie fordert stattdessen, direkt zum Sieger erklärt zu werden – ohne neues Vergabeverfahren.
Für die Stadt wäre das problematisch. Denn ein neues juristisches Tauziehen könnte das Projekt erneut um Jahre verzögern.
Sollte das Gericht letztlich zugunsten der MBS Group entscheiden, könnte das Projekt für die Stadt erheblich teurer werden. Das Angebot der unterlegenen Firma lag um mehr als sieben Millionen Lei über dem der Gewinnerfirma. Hinzu kommt: Bereits erbrachte Planungsleistungen müssten vermutlich bezahlt werden, selbst wenn der Vertrag später aufgehoben wird.
Am größten ist jedoch die Sorge vor einem kompletten Neustart der Ausschreibung. Schon das bisherige Verfahren hatte sich über anderthalb Jahre hingezogen und war von zahlreichen Einsprüchen begleitet.
Dabei gilt der geplante Aquapark als eines der wichtigsten Entwicklungsprojekte der Stadt. Auf dem Gelände des ehemaligen Freibads soll ein moderner Freizeitkomplex mit Innen- und Außenbecken, Wasserrutschen, Sportanlagen, Gastronomie und weitläufigen Grünflächen entstehen.
Geplant ist eine Kapazität von bis zu 1500 Besuchern im Sommer und rund 400 Gästen im Winter. Finanziert wird das Projekt aus regionalen Fördermitteln sowie dem Haushalt der Stadt.




