Hermannstadt – „Haben Sie auch Bayerisches?“, fragte Samstag, am 23. Mai, auf Rumänisch ein Einheimischer im Erdgeschoss vom einzigen Plattenbau am Zibinsmarkt. Und tatsächlich gibt es sie im neuen „Kornatelier“, die vor ihrem Ausbacken in Lauge getauchte Breze. Wer in Hermannstadt/Sibiu für sein Leben gern hineinbeißt, braucht keinen einzigen Gedanken auf die Lufthansa und das Aus der Flugstrecke von und nach München zu verschwenden: Bäcker Noah Fabini und sein Bruder Julius als geschäftsführender Partner betreiben seit wenigen Wochen ihren eigenen Laden, der allein am Sonntag und Montag geschlossen ist. Im Übrigen öffnet ihre Stube um 8 Uhr morgens, und selbst sonnabends werden Hungrige noch bis 16 Uhr bedient – allerdings nur, wenn es noch frische Semmeln, Brot und süße Schnecken gibt, die eben zuvor noch heiß aus einem Ofen geholt wurden und gerne über die Theke wandern, bevor sie auf Raumtemperatur abkühlen. Zur Feier der Eröffnung schenkten die Profis vom „Kornatelier“ Sekt und Orangensaft aus. Schampus aus Flaschen mit dem Etikett der Gaststätte „Wine Not?“ in nur drei bis vier Minuten Entfernung zu Fuß, wohlgemerkt. Wirtschaftliche Sorgen dürften die Bäckerei verschonen, wo sie freitags davor schon um 14 Uhr ausverkauft war. Wer hier einkaufen möchte, ist gut beraten, es vormittags zu tun. Für einen Kaffe jedoch, den man gemütlich draußen oder drinnen sitzend genießen kann, stehen die Bohnen-Mühle und Espresso-Maschine auch später zur Verfügung, und der Kühlschrank für Milch, Wasser und Alkoholisches stammt womöglich gar aus dem Nachbarladen für Elektro-Haushaltsgeräte, dem „Q-House“.
Preislich sind so gut wie keine Unterschiede zu den Angeboten des lokal nicht weniger geschätzten Ladens „5 Pâini și 2 Pești“ oder zur Produkt-Palette von Bäcker Virgil Bucșa aus Schellenberg/Șelimbăr zu erkennen. Außerdem pflegt das „Kornatelier“, dessen Auswahl täglich wechselt, nicht bloß deutsches und französisches Sauerteig-Knowhow, sondern auch siebenbürgisch-rumänische Hausrezepte. Den Frankenlaib dafür, ein Roggenbrot in Machart aus der Gegend um Nürnberg, bäckt das „Kornatelier“ jeden Tag. Noch etwas also, wofür man in Transsylvanien nicht auf das Abdüsen in den reichen Süden Deutschlands angewiesen ist. „Sehr nett!“, staunte gleich im Rausgehen eine der ersten Käuferinnen, die wie andere auch sicher zum Stammpublikum zählen wird.





