Literarische Ausflüge nach Chișinău

Autoren sowie Herausgeberinnen und Herausgeber bei der Buchvorstellung am Freitag, den 8. Mai: V.l.n.r. Emilian Galaicu-Păun (Dichter, Prosaautor, Essayist und Chefredakteur des Cartier-Verlags), George V. Precup (Dichter), Diana Vrabie (Literaturkritikerin und -historikerin am Nationalmuseum für Literatur Jassy/Iași sowie Herausgeberin des Buchs), Alexandru Corduneanu (Dichter und Geschäftsführer der Stiftung Heritage 21 und Herausgeber des Buches) sowie Daniela-Maria Stanciu-Păscărița (Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Lucian-Blaga-Universität) Foto: Aurelia Brecht

Hermannstadt – In die Zwischenkriegszeit reisen konnte man in Hermannstadt/Sibiu anlässlich der Vorstellung des Buchs „Chișinău in der Zwischenkriegszeit in Bildern“/„Chișinăul interbelic cu pretext fotografic“. In der Zentralbibliothek der Lucian-Blaga-Universität hatten sich zu diesem Zweck die Macher des Buchs versammelt. Herausgegeben hat es der Cartier-Verlag in Kooperation mit der Chișinauer Stiftung „Heritage 21“, dem Nationalmuseum für rumänische Literatur Jassy/Iași sowie dem Schriftstellerverband der Republik Moldau.

Das Buch erschien im Oktober 2025 und wurde bereits in Chișinău, Bukarest und Jassy/Iași präsentiert: Es vereint 21 Fotos und Dokumente aus der Zwischenkriegszeit in Chișinau. Die Abbildungen werden begleitet durch 16 literarische Beiträge von Autorinnen und Autoren aus der Republik Moldau und Rumänien.

Alexandru Corduneanu, Dichter und Geschäftsführer der Stiftung Heritage 21 und Herausgeber des Buches umschrieb das Buchprojekt als „manchmal verzweifelten Versuch, Chișinau in die rumänische Kulturlandschaft zu integrieren“. Das Buch enthalte eine multiperspektivische Sichtweise auf die Stadt und eine Mischung aus Fiktion und Dokumentation. Diana Vrabie, Herausgeberin des Buches, erläuterte die Zielsetzung: „Unser Chișinau der Zwischenkriegszeit ist uns gestohlen worden.

Es ist ein Stück unserer Geschichte, das uns genommen wurde.“ Auch für die Generation, der sie selbst angehöre, habe die Geschichte erst ab 1940 begonnen, sagte sie. Die Zwischenkriegszeit mit ihrem „europäischen Rhythmus und der Öffnung“ sei nicht bekannt gewesen. Bis heute sei Chișinău auf dem internationalen Parkett insgesamt wenig bekannt: Die Stadt sei „eine unbekannte, die aufgedeckt und entdeckt“ werden müsse. Nicht zuletzt habe die Stadt im Laufe der Geschichte immer viele Identitäten gehabt.

Wer das Buch aufschlägt, erfährt mehr über die verborgenen Geschichten der Stadt: Von berühmten Persönlichkeiten wie der Sopranistin Maria Cerbotari oder Carol II., König von Rumänien, am Bahnhof von Chișinău. Auch Orte wie das Nationaltheater von Chișinău, die Kathedrale von der Geburt des Herrn und dem ihr gegenüberliegenden Glockenturm oder der „Bulevard Alexandrovskaia“, der heute „Bulevard Ștefan cel Mare“ heißt, lassen Liebhaber der Stadt in eine andere Epoche eintauchen. Literatur, Geschichte, Fotografie und Stadtforschung greifen hier Hand in Hand.

Ein Fortsetzungsprojekt ist bereits in Arbeit: „Das Chișinau der Zwischenkriegszeit in Porträts“/„Chișinaul interbelic din portrete“ soll dem ersten Band insofern treu bleiben, als auch hier eine literarisch-dokumentarische Herangehensweise an Chișinauer Persönlichkeiten der Zwischenkriegszeit gewählt werden wird.