Mit unbändiger Fröhlichkeit und tiefer Wehmut

Buchvorstellung im Spiegelsaal des Forums

V.l.n.r.: Raluca Iani, Emöke Boldizsár, Alexandru Cistelecan (Literaturkritiker), Ioan Radu Văcărescu (Leiter des Hermannstädter Ablegers des rumänischen Schriftstellerverbands), Luminița Mihai Cioabă und Beatrice Ungar anlässlich der Buchvorstellung am Dienstag, den 28. April, im Spiegelsaal des Forums in Hermannstadt

Auftritt der Gruppe „Cindrelul – Junii Sibiului“ Fotos: Aurelia Brecht

Hermannstadt – Einen besonderen Nachmittag konnte man Ende April in Hermannstadt erleben: Die Roma-Autorin Luminița Mihai Cioabă stellte ihren dreisprachigen Gedichtband „Dincolo de cer“/„Înteal o cerii“/„Jenseits des Himmels“ im Spiegelsaal des Forums vor.

Die Einführung von Gabriel Tischer, Vorsitzender des Demokratischen Forums des Deutschen in Hermannstadt/Sibiu, machte gleich zu Anfang deutlich, worum es bei der Veranstaltung ging: „An diesem Nachmittag wird der Spiegelsaal zu mehr als einem Raum. Er wird zur Metapher einer Interkulturalität, in dem sich jeder von uns in seinem Nächsten spiegelt und dabei neue Perspektiven entdeckt.“ So wie die Spiegel im Saal das Licht und die Bilder reflektierten, so verändere das Zusammentreffen von Kulturen Ideen, Sensibilität und gegenseitiges Verständnis, so Tischer weiter. Interkulturalität sei nicht nur ein Aufeinandertreffen von Traditionen, sondern eine lebendige Brücke zwischen Menschen, die helfe, sich besser kennen zu lernen und eine lebendigere und solidarische Gemeinschaft zu formen: „Mit einer Veranstaltung wie der heutigen feiern wir die Vielfalt, aber nicht nur diese, sondern auch gemeinsame Werte, die uns einen und die uns Vertrauen in die Zukunft geben, schloss der Vorsitzende des DFDH.

Ganz im Zeichen dieser Interkulturalität stand dann auch gleich der erste Beitrag: Als musikalischen Auftakt brachte das Folklore-Tanzensemble „Cindrelul – Junii Sibiului“ beschwingte Roma-Tänze zur Aufführung.

Musik, Tanz, Sprache und die interkulturelle Begegnung standen an diesem Nachmittag im Mittelpunkt. Das betonte auch die Dichterin Luminița Mihai Cioabă gleich zu Beginn: „Am heutigen Tag haben sich Poesie, Liebe, Gesang, Tanz und Musik die Hand gereicht, um ihnen, lieben Hermannstädtern, einzigartige Momente zu bescheren. Weil Poesie schreiben bedeutet, sich mit dem Herzen dem Himmel, der Schöpfung Gottes zu nähern.“

In drei Gedicht-Lesungen nahmen Luminița Mihai Cioabă sowie die Schauspiele-rinnen Raluca Iani und Emöke Boldizsár vom Radu-Stanca-Theater die Zuschauerinnen und Zuschauer mit in eine besondere Erzählwelt: Auf Romani, Rumänisch und Deutsch präsentierten die drei Frauen die Gedichte, die die Vielschichtigkeit der Sprache Cioab²s deutlich machten.

Unter der Leitung ihres Musiklehrers Mircea Pârcălabu trugen die jungen Musikerinnen und Musiker des Vereins „Elijah“ mehrere Stücke ihres Repertoires vor: Auf Romani und Rumänisch erklang so beispielsweise das berühmte Roma-Lied „Ederlezi“ in einer Abwandlung.

Für die deutsche Übersetzung des neuen Gedichtbands zeichnet HZ-Chefredakteurin Beatrice Ungar verantwortlich. Sie betonte abschließend, dass es allgemein schwierig sei, Gedichte zu übersetzen, dass aber die Gedichte von Luminița Cioabă eine besondere Herausforderung darstellten: „Weil sie mit wunderschönen Bildern arbeitet und mit Worten, die schon als Wort an sich etwas aussagen.“

Der neue Gedichtband ist in Hermannstadt in der Schiller-Buchhandlung am Großen Ring sowie im Erasmus-Büchercafé erhältlich.