Prominente Gäste beim Jubiläum der Hermann-Oberth-Schule

Die Bildungseinrichtung zelebriert ihr 20-jähriges Bestehen mit einem umfangreichen Festakt

Florin Droc (links) überlässt Mircea C²rt²rescu (rechts) die Bühne. Fotos: Valentin Brendler

Die deutsche Botschafterin Angela Ganninger bei ihrer Rede

Bukarest – In diesem Jahr feiert die deutsche Hermann-Oberth-Schule in Voluntari ihr 20-jähriges Jubiläum. Dafür hat Schuldirektor Florin Droc absolut prominente Gäste eingeladen. Unter anderem war die deutsche Botschafterin Angela Ganninger, der österreichische Gesandter-Botschaftsrat Rudolf Schatz, der stellvertretende Vorsitzende des Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museums in Feucht, Robert Otto Adams, der Berater des Präsidenten für Bildung und Forschung, Sorin Costreie, und der weltbekannte Autor Mircea Cărtărescu in der Schule. Diese haben natürlich jeweils interessante Reden gehalten! Doch was haben sie gesagt und warum ist die deutschsprachige Schule diesen prominenten Gästen so wichtig?

Mircea Cărtărescu hat, wie er in seiner Rede berichtete, eine ganz persönliche Beziehung zur Schule. Denn sein Sohn besuchte sie, schon als dieser „noch sehr klein und süß, aber auch chaotisch war“. Er konnte seinen Sohn dann in der Schule aufwachsen und reifer werden sehen. Dabei ist er sehr zufrieden mit der deutschen Bildungseinrichtung: „Diese Schule ist ein Wunder! Ein Vorbild für viele Bildungseinrichtungen im Land!“

Denn an der Hermann-Oberth-Schule hat gehobene Bildung hohe Priorität – diese ist auch dem berühmten Autor wichtig. Dafür erzählte er eine längere Anekdote.

Cărtărescu erinnerte sich daran, wie er im Jahr 1979, als er 23 Jahre alt war, ein absoluter Rock-Fan war, wie viele in dieser Generation. Er hörte damals das Album „The Wall“ von Pink Floyd. Jedoch wird im Titeltrack die Zeile: „We don’t need no education“ (Wir brauchen keine Bildung) gesungen, die er schon damals nicht verstanden hat. „Was auf der Welt? Was meint die Band nur damit? Warum?“, hat sich der junge Cărtărescu gefragt.

Er kam zum Schluss, dass es eigentlich anders herum ist. „Die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust kam nicht von zu viel Bildung, sondern von zu wenig. Von dem Scheitern der Bildung in der Zwischenkriegszeit“, erklärte er. Heutzutage – nachdem die Worte von Pink Floyd Generationen lang gespielt und gesungen wurden – gibt es laut Cărtărescu ein ähnliches Problem: „Was nun passiert, in der Welt, der Aufstieg des Populismus, der Aufstieg von sozialen Medien, die haben eine Verbindung zu den Worten von Pink Floyd“.

Alle diese Entwicklungen passieren wegen des Scheiterns der Bildung und des Umstands, dass Bildung ihren eigentlich Sinn verloren hat: „Charaktere und tolle Menschen zu entwickeln“, so der Autor. „Bildung ist ein anderer Name für Freiheit und ohne sie werden wir schwach und einfach zu unterdrücken“.

Genau gegen fehlende Bildung möchte die Hermann-Oberth-Schule angehen, erklärt auch der Leiter, Florin Droc. Doch das ist nicht alles. Die Schule soll die Kinder auch für eine Zukunft vorbereiten, in der KI womöglich viele Fragen beantworten kann. „Es ist nicht genug, ihnen zu zeigen, wie man Technologie wie KI benutzt, sondern ihnen beizubringen, wie man dabei menschlich bleibt.“ Für Droc sind gerade auch die ethischen Fragen dabei zentral. „Die Zukunft gehört nicht denen, die KI am besten benutzen können, sondern denen, die es nutzen, ohne ihre Werte zu verlieren“, so der Schulleiter.

Diese Herangehensweise lobt auch Sorin Costreie, der Berater des Präsidenten für Bildung und Forschung. Bildung solle laut ihm nicht nur Information vermitteln, sondern aufzeigen, was die Schüler damit anstellen können. Dazu sind „Wahrheit und ethische Werte zentral“. Auch darin brilliere die Schule, so der Experte. „Wir brauchen ein größeres Vertrauen in Wissenschaft, Wahrheit und Zusammenarbeit in aktuell sehr komplizierten Zeiten.“

Ein Vorbild dafür sei nicht nur die Schule, sondern auch Hermann Oberth selbst, wie Robert Otto Adams bekräftigte. „Bildung ist mehr als das Lernen von Fakten und Formeln. Es geht um den Mut, über die Grenzen hinauszudenken“, so der stellvertretende Museumsleiter. Dafür sei der Siebenbürger Wissenschaftler Oberth „als Vater der Raumfahrt“ ein gutes Vorbild.

„Seht wie Oberth in den Himmel und greift furchtlos nach den Sternen“, ermutigte auch der österreichische Gesandter-Botschaftsrat Rudolf Schatz die an diesem Tag anwesenden Schüler.

Dafür sei die Schule der perfekte Ausgangspunkt, wie auch die deutsche Botschafterin Angela Ganninger bekräftigte. Laut ihr ist auch die Haltung, die die Schule zeigt, beeindruckend. „Leistung und Menschlichkeit werden hier nicht als Gegensätze begriffen, Internationalität bedeutet nicht, die eigenen Wurzeln zu vergessen und echte Bildung schließt immer Verantwortlichkeit und Engagement für andere mit ein“.

Deswegen wünschten sich alle Anwesenden, dass die Schule noch lange existiert. Nach den Reden gab es noch eine Diskussion über die Zukunft der Schule in der schuleigenen Bibliothek, bei der vor allem KI kritisiert und behandelt wurde. Außerdem wurde eine Ehrenplakette eingeweiht, ein neuer Image-Film vorgestellt und einige Darbietungen der Schüler präsentiert. Die Schule zeigt sich insgesamt von ihrer besten Seite.