Radu-Stanca-Theater triumphiert bei UNITER-Gala

Bestes Stück des Jahres: „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ nach Eugene O’Neill (Regie: Timofei Kuliabin), mit Nicu Mihoc (in der Mitte) Bester Schauspieler in einer Hauptrolle | Foto: Vlad Dumitru/TNRS

Hermannstadt - Die 34. Ausgabe der Gala der UNITER-Preise, die am Montagabend im Odeon-Theater in Bukarest stattfand, brachte einen klaren Sieger – wenn man im Falle einer Gala von einem Sieger sprechen kann – hervor: Das Hermannstädter Radu-Stanca-Nationaltheater (TNRS). Mit vier Auszeichnungen in ebenso vielen Nominierungen bestätigte das Haus seine Position als eine der führenden Bühnen des Landes – und setzte zugleich ein starkes Zeichen für die künstlerische Dynamik, die Hermannstadt seit Jahren prägt.

Im Mittelpunkt des Abends stand die Produktion „Lungul drum al zilei către noapte“ (Eines langen Tages Reise in die Nacht) nach Eugene O’Neill, in der Regie des russischen Regisseurs Timo-fei Kuliabin. Die Inszenierung, die bereits im Vorfeld als Favorit gehandelt wurde, erhielt gleich zwei der wichtigsten Preise des Abends: „Bestes Stück“ sowie „Bester Schauspieler in einer Hauptrolle“ für Nicu Mihoc, der in der Rolle des Edmund Tyrone eine eindringliche, psychologisch präzise Darstellung bot. Die Jury würdigte damit nicht nur die künstlerische Handschrift Kuliabins, sondern auch die außergewöhnliche Ensembleleistung, die das Stück zu einem der meistdiskutierten Theaterereignisse des vergangenen Jahres machte.

Ein weiterer Höhepunkt für das TNRS war die Auszeichnung in der Kategorie „Beste Originalmusik und Sounddesign“, die an den Komponisten Vasile [irli ging. Seine Arbeit für die Purcărete-Inszenierung „Neasemuita poveste a lui Abul Hossein Yemenitul și a fugii lui în pustie (după 1001 de nopți)“ (Die unglaubliche Geschichte des Jemeniten Abuk Hossein und seiner Flucht in die Einöde) überzeugte die Jury durch ihre atmosphärische Dichte und die subtile Verbindung von Klang, Rhythmus und Erzählstruktur. Șirli, der seit Jahrzehnten zu den prägenden musikalischen Stimmen des rumänischen und europäischen Theaters gehört, setzte damit erneut einen künstlerischen Akzent, der weit über die Landesgrenzen hinausstrahlt.

Auch die deutsche Abteilung des TNRS konnte erneut einen bedeutenden Erfolg verbuchen: Nichita Teodorescu wurde für das Lichtdesign der Inszenierung „Winter“ von Jon Fosse ausgezeichnet. Die Produktion, inszeniert vom gewesenen Abteilungsleiter Hunor Horváth und ausgestattet von Oana Micu, überzeugte durch ihre minimalistische, fast skulpturale Lichtführung, die Fosses Textwelten in eine fragile, zugleich eindringliche Atmosphäre tauchte. Bemerkenswert ist zudem, dass Teodorescu nicht nur den Jury-Preis erhielt, sondern auch den Publikumspreis für das beste Lichtdesign – ein doppelter Erfolg, der die Resonanz des Stücks bei Fachwelt und Zuschauern gleichermaßen unterstreicht.

Für Constantin Chiriac, Generaldirektor des TNRS und Präsident des Internationalen Theaterfestivals Sibiu (FITS), ist der Erfolg kein Zufall. In seiner Reaktion auf die vier Auszeichnungen betonte er die langfristige strategische Arbeit des Hauses: „Es ist keine Überraschung – wir planen unsere künstlerischen Kooperationen viele Jahre im Voraus. Die großen Regisseure und Künstler, die nach Hermannstadt kommen, sind Teil eines kontinuierlichen Dialogs mit der internationalen Theaterwelt.“ Gleichzeitig dankte er der Stadt Hermannstadt, der Stadtverwaltung und dem Publikum, das „das Geschenk der Schauspieler“ mit Begeisterung annehme.

Die ausgezeichneten Produktionen werden im Juni im Rahmen der 33. Ausgabe des FITS erneut zu sehen sein. Damit bietet das Festival nicht nur internationalen Gästen, sondern auch dem lokalen Publikum die Gelegenheit, die prämierten Vorführungen zu erleben.