Reschitza/Slatina – Gestützt auf informelle Quellen melden die Medien des Banater Berglands, dass das Doppelwerk ARTROM (Elektro-Stahlwerk in Reschitza, Walzwerk für nahtlose Rohre im südrumänischen Slatina, plus kleines Stahlwerk ebendort) in Lauf dieses Jahres in den Besitz des den Weltmarkt beherrschenden italienischen Rohreherstellers Tenaris SA übergehen wird. Das Unternehmen wurde 2002 gegründet, die Ursprünge der Firma reichen jedoch bis 1901 zurück. Der
heutige Firmensitz ist in Luxemburg, wo Tenaris SA nach der in indischer Hand befindlichen Acelor Mittal die zweitwichtigste von sieben Stahlfirmen ist.
Auf der Leitungsebene des Elektrostahlwerks Reschitza soll man sich freuen: „Wir kommen in die Hände der Einzigen, die wirklich wissen, was weiterhin zu tun ist!“ Die Tenaris SA hat den Ruf, der weltgrößte Hersteller von Stahlrohren für Erdölförderungen an Land und auf den Weltmeeren (Festlandsockel und Tiefseeförderung) zu sein, gleichzeitig einer der größten Zulieferer für Gas-Pipelines.
Die Firma erwirbt 100 Prozent der Gesellschaftsanteile an der ARTROM Steel Tubes SA, dem wichtigsten rumänischen Hersteller von nahtlosen Stahlrohren für die Förder- und energetische Industrie (Erdöl- und Gaspipelines). Zur Stunde hat ARTROM Steel Tubes SA einen Jahresumsatz von rund zwei Milliarden Lei (rund 400 Millionen Euro), während die Tenaris SA, die in Rumänien bereits das Rohrewalzwerk Silcotub Tenaris Zalău und das Stahl- und Rohrewalzwerk Tenaris Călărași besitzt, schon vor mehreren Jahren auf einen Jahresumsatz von rund 17 Milliarden Dollar kam (aktuelle Daten waren nicht aufzutreiben). Tenaris SA hat mehr als 25.000 Arbeitnehmer weltweit („aus 99 Nationen“, so die Firmenpräsentation), Reschitza und Slatina zusammen rund 2000 Arbeitnehmer (Reschitza stellt Leute weiterhin an …).
Reschitza und Slatina haben einen Jahresausstoß von um die 450.000 Tonnen Stahl in Reschitza und 200.000 Tonnen in Slatina, beides angegeben nach dem Gewicht der daraus fabrizierten Rohre. Tenaris zielt angeblich mit dem Kauf von ARTROM Steel Tubes SA auf eine bessere Bedienung seiner europäischen Kundschaft ab, auch durch kürzere Lieferwege, indem es seinen Standort Europa ausbaut und konsolidiert. Zudem sollen Tenaris-spezifische Produkte in die Fertigung aufgenommen werden, heißt es bereits unter den Fachleuten in Reschitza.
ARTROM Steel Tubes SA gehörte seit Anfang 2025 dem US-Investmentfonds Great Lakes Global Holdings (als GLGH Steel, LLC), war vorher im Besitz der serbischen Investmentgesellschaft Hefestos Capital, spezialisiert auf Eisen- und Stahlindustrie, hinter der (zu gleichen Teilen) die serbischen Magnaten Milutin Nikolic und Pavle Kavran stecken. Diese hatten 2023 ARTROM Steel Tubes SA unter dem Namen TMK vom Putin nahestehenden russischen Magnaten Dmytry Alexandrowitsch Pumpyanskij gekauft, der nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine (Februar 2021) auf die Sanktionsliste der EU kam und dringend verkaufen musste. Kein Zufall, dass er den Verkauf an serbische Freunde und Bekannte tätigte.
Fakt ist, dass TMK unter russischer Führung (und mit dem aus Hundeoara stammenden rumänischen Generaldirektor Romulus Vasile Ioan) zu einem gut funktionierenden und auch gute Löhne zahlenden Stahlwerk wurde. Fakt ist auch, dass das ehemalige Stahl- und Walzwerk Reschitza bereits einmal auch unter einer US-amerikanischen Führung stand („Affäre Noble Ventures“ – die in Maryland registrierte Firma Noble Ventures wurde damals, zur Jahrtausendwende, von der Politik als „strategischer Investor“präsentiert). In jener Zeit musste Reschitza die schlimmsten Protestbewegungen und wilde Streiks mitmachen, so dass die Nachricht der Übernahme des Werks vor zwei Jahren durch die US-Investmentkompanie Great Lakes Global Holdings (als GLGH Steel, LLC) keine helle Freude ausgelöst hatte.
Die jetzige Übernahme durch die Italiener von Tenaris SA wird mit Vorsicht genossen, denn im Banater Bergland gab es auch schon eine skandalträchtige italienische Übernahme – die des Stahl- und Walzwerks von Ferdinandsberg/O]elu Ro{u durch die Brüder Marco und Stefano Gavazzi. Ihr „Regime“ (1999-2018) führte zur Pleite des ursprünglich modernsten Stahlwerks Rumäniens und zu endlosen Prozessen mit dem rumänischen Staat.




