Reschitza – Zwischen dem 23. und 25. April ist Reschitza Veranstaltungsort der internationalen Konferenz „Regenerating Places, Reimagining Futures“, bei der es um die Wiederbelebung alter Industriegebiete und ein in die Praxis umsetzbares Um- und Neudenken betreffs ihrer Zukunft geht. Das Ereignis bezieht sich hauptsächlich auf Fragen der Wiederbelebung tradierter Industrieräume in der Donauregion sowie auf Chancen und Möglichkeiten von deren Reindustrialisierung bzw. sonstartiger Neu-Inwertsetzung. Die Teilnehmer an der Konferenz kommen aus mehr als einem halben Dutzend Staaten. Es geht bei der Konferenz vorrangig um die Vorstellung erfolgreicher Vorbildunterfangen in Polen, dem Kärntner Teil Sloweniens (oder dem heute slowenischen Teil Kärntens) und aus Rumänien. Die Konferenz fokussiert sich also auf Ideenaustausch und die Vorstellung von guten Praktiken.
Die internationale Konferenz ist im neuen Multifunktionalen Zentrum von Reschitza, im entstehenden Stadtteil Mociur anberaumt, eine ehemalige Industriebrache. Neben Entscheidungsträgern auf lokaler und regionaler Ebene aus den drei Ländern, sowie aus Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Bulgarien, werden nachahmenswerte Beispiele erfolgreicher Umwandlungen von Industrieräumen auch Finanzierungs- und Investmentexperten, Fachleuten der Industriearchäologie und für industrielles Erbe, NGOs der Zivilgesellschaft nahegebracht.
Auch Reschitza wird seine seit fast zehn Jahren andauernde Anstrengung zur Umwandlung der gesamten Stadt – auch praktisch, durch eine Stadtbegehung – bekanntmachen. Die offizielle Eröffnung übernimmt der Reschitzaer Bürgermeister Ioan Popa. Er hat vor, über den Werdegang der Stadt in den vergangenen zehn Jahren, über Hürden und Hilfen in dieser Zeit, über Herausforderungen und auch Rückschläge zu sprechen. Vor allem aber will er auf konkrete, messbare Ergebnisse hinweisen, etwa den massiven Anstieg der Fahrgäste in Reschitzaer Nahverkehr – implizite der freiwillige Verzicht auf den PKW im innerstädtischen Verkehr und die Folgen für die Sauberkeit der Luft. Reschitza hat sich binnen der letzten Jahrzehnte tatsächlich von einer der luftverschmutztesten Städte zu einer Stadt entwickelt, die im rumänienweiten Vergleich wiederholt als Stadt mit der besten Luftqualität gelobt wird. Bürgermeister Popa will aber auch auf die Chancen gut geführter und energetisch gut versogter Gewerbegebiete hinweisen, die wirtschaftlichen Ausgleich schaffen nach dem brutalen Auflassen alter Schwerindustriekomplexe.
Den Gästen wird eingehend die Transformation der Industriebrache Mociur vor Ort erklärt, wo sie tagen, sodann die gestarteten Umwandlungsprozesse der benachbarten Industriebrachen Rangierbahnhof und Țerova-Tal, aber auch die Projekte rund um die Industrieseilbahn, die Halle in der Minda und die ehemaligen Protokollvillen auf dem Gelände des pleitegegangenen Maschinenbauwerks UCMR (über all diese Objekte hat die ADZ bereits berichtet).
Die Gäste werden auf der Tagung Transformationen in der Region Schlesien/Polen vorstellen, ebenso im slowenischen Teil Kärntens. Vorgesehen ist im Banater Bergland, dem ehemaligen Kerngebiet der Schwerindustrie und des Bergbaus jenes Rumäniens, das nach 1918 entstanden ist, auch ein Ausflug ins ehemalige Kohlenrevier Anina, südlich von Reschitza.
2026 feiert Reschitza 255 Jahre Industrietradition und 100 Jahre seit seiner offiziellen administrativen Rangerhöhung zur Stadt. Das soll genutzt werden als Anlass zum Nachdenken über die industrielle Identität einer Stadt und die künftigen Entwicklungsrichtungen des gesamten Raums.
Die Hauptfinanzierung der Veranstaltung kommt von der EU im Rahmen des ReInd-BBG-Projekts. Ko-Finanziererin ist die Regierung Rumäniens, die dazu das InterReg-Programm Donaustrategie nutzt. Die Reschitzaer internationale Konferenz vom Ende dieses Monats ist auch Ausdruck eines in den beteiligten Ländern verspürten Bedürfnisses nach der Identifizierung nachhaltiger Lösungen für die bestmögliche Nutzung aufgelassener Industriestandorte.




