Werden in Bukarest Wohnungen in einsturzgefährdeten Häusern an Touristen vermietet?

Ein rotes Warnschild in Bukarest. Damit soll gezeigt werden, welche Häuser bei einem stärkeren Erdbeben wahrscheinlich einstürzen würden. | Foto: Göran Ladewig

Bukarest – Ende Mai wurden in Bukarest mindestens 207 illegale touristische Mietobjekte (vor allem Wohnungen) auf Airbnb und Booking.com angeboten, die zusammen eine Kapazität von mehr als 1000 Besuchern pro Nacht hatten, so berichtet die britische Zeitung „The Guardian“. Dies gehe laut der Zeitung aus „exklusiven Daten, die dem Guardian vorliegen“, hervor. Dazu beruft sich das Blatt auf die rumänische Organisation „Re:Rise“, die sich mit der Erdbebenthematik in der Stadt auseinandersetzt.

Das Problem: Bukarest ist die erdbebengefährdetste Hauptstadt der EU. Im vergangenem Jahrhundert ereigneten sich hier, wie sicher bekannt ist, zwei schwere Erdbeben, das jüngste davon im Jahr 1977, bei dem mehr als 1500 Menschen starben, mehr als 10.000 verletzt wurden und 32 Gebäude in weniger als einer Minute einstürzten.

„Experten halten ein weiteres Erdbeben dieser Art für unvermeidlich und warnen davor, dass der Schaden den Schaden früherer Katastrophen deutlich übertreffen könnte, da ein Großteil des Gebäudebestands der Stadt in den letzten Jahrzehnten baulich instabil geworden ist“, so der Guardian weiter. Deswegen wurde das Vermieten von Wohnungen in erdbebengefährdeten Häusern auch verboten. Die Häuser werden zusätzlich mit einem roten Schild markiert.

Gerade deshalb sei es so verantwortungslos, Wohnungen in genau solchen Häusern an ahnungslose Touristen zu vermieten. Das funktioniere, da die Besucher oft nicht Rumänisch sprechen und die roten Schilder an der Häusern nicht verstehen.

Wahrscheinlich ist das Problem aber insgesamt viel größer: „Da nur ein Bruchteil des Wohnungsbestands der Stadt formell auf Risiken hin untersucht wurde, gehen Experten davon aus, dass das tatsächliche Ausmaß unsicherer Unterkünfte wahrscheinlich größer ist“, so der Guardian weiter.

Die Zeitung hat natürlich auch bei der Stadt und den beiden Internetplattformen angefragt. Die Stadt teilte daraufhin dem Guardian mit, dass die örtliche Polizei nur auf Beschwerde hin Inspektionen durchführe und dass sie das Tourismusministerium im Januar darüber informiert habe, das Gesetz, das die Vermietung von Wohnungen in erdbebengefährdeten Gebäuden verbietet, in ihren Genehmigungsprozess einzubeziehen.

Ein Sprecher von Airbnb erklärte: „Sicherheit hat für Airbnb höchste Priorität, und wir nehmen solche Vorfälle sehr ernst. Wir untersuchen den Fall derzeit auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen, um die entsprechenden Maßnahmen ergreifen zu können.“ Ein Sprecher von Booking.com sagte: „Unsere Unterkunftspartner sollten sicherstellen, dass sie ihre Verpflichtungen kennen und in Übereinstimmung mit allen lokalen Gesetzen handeln. Wir haben ein solides Verfahren eingerichtet, über das Behörden alle Einträge melden können, die ihnen Sorgen bereiten.“