Der Festsaal des Nikolaus-Lenau-Lyzeums in Temeswar/ Timișoara war vergangenen Donnerstag voll. Schüler, Lehrkräfte, Eltern, Ehrengäste und Mitglieder des Vereins der Freunde der Lenauschule hatten sich versammelt, um jene Jugendlichen zu feiern, die in diesem Schuljahr durch besondere Leistungen in deutscher Sprache und Naturwissenschaften hervorgestochen sind. Die Verleihung des Elsa-Lucia-Kappler-Preises sowie des Carmen-und-Jakob-Walbert-Preises gehört inzwischen zu den bedeutendsten Momenten im Jahreskalender der traditionsreichen deutschen Schule in Temeswar. Zwischen Applaus, Blumensträußen und angeregten Gesprächen wurde im Festsaal deutlich: An der Lenau-Schule ist Leistung keine trockene Pflichtübung, sondern Teil einer lebendigen Schulkultur.
Schulleiterin Gabriela Simona Mateiu eröffnete die Veranstaltung. Mit einem Lächeln sagte sie einen Satz, den man an der Lenau-Schule oft hört: „Bei uns ist immer etwas los.“ Tatsächlich reiht sich an der Schule ein Projekt an das nächste – Wettbewerbe, Theateraufführungen, Debatten, Austauschprogramme und wissenschaftliche Projekte prägen den Alltag der Lenau-Schüler.
Unter den Anwesenden befand sich auch die ehemalige Schulleiterin und Physiklehrerin Helene Wolf, die erst wenige Stunden zuvor vom Abschlussball der zwölften Klassen nach Hause gekommen war. Bis in die frühen Morgenstunden hatte sie dort mit Schülern und Kollegen getanzt – und dennoch ließ sie es sich nicht nehmen, bei der Preisverleihung dabei zu sein.
Besonders aufmerksam lauschte das Publikum den Worten von Prof. Dr.-Ing. Franz Quint, dem Vorsitzenden des Vereins der Freunde der Lenauschule. Er erinnerte zunächst an die Persönlichkeit, deren Namen einer der wichtigsten Schulpreise trägt: Elsa Lucia Kappler. Sie war Absolventin des Nikolaus-Lenau-Lyzeums und später selbst Deutschlehrerin an der Schule. Ihr Sohn, der international anerkannte Luft- und Raumfahrtwissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Günter Kappler, stiftete den Preis im Gedenken an seine Mutter. Seit 2009 wird der Elsa-Lucia-Kappler-Preis jährlich vergeben, um besondere Leistungen im Fach Deutsch auszuzeichnen. „Wie ihr merkt ist dieser Preis älter als einige von euch“, sagte Franz Quint, der zugleich Prorektor der Hochschule Karlsruhe ist, lächelnd.
Quint erinnerte daran, dass Prof. Kappler der Schule stets eng verbunden geblieben sei. Ein Teil des Preisgeldes kommt jedes Jahr direkt den Schüle- rinnen und Schülern zugute, ein weiterer Teil fließt in die Ausstattung der Schule. Auf diese Weise wurden im Laufe der Jahre technische Geräte, Tonanlagen oder Unterrichtsmaterialien angeschafft.
Der Elsa-Lucia-Kappler-Wettbewerb besteht traditionell aus zwei Teilen: einem schriftlichen und einem mündlichen. Die Teilnehmer mussten diesmal einen Aufsatz zum Zitat „Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen“ (Matthias Claudius) verfassen. Im mündlichen Teil stand eine Debatte auf dem Programm. Diskutiert wurde die Frage, ob Zoos oder Tierparks abgeschafft werden sollten. Bewertet wurden sprachliche Ausdruckskraft, Argumentationsfähigkeit, Kreativität und rhetorisches Geschick.
Die diesjährigen Gewinner überzeugten die Jury auf ganzer Linie. In der 10. Klasse ging der dritte Preis an Iulia Trandafir, den zweiten Preis erhielt Daria Moți, während Lara Rotar den ersten Preis gewann. Besonders hervorgehoben wurde dabei, dass Lara Rotar kürzlich auch den ersten Preis bei der Landesphase der Deutscholympiade errungen hatte.
Auch die Schüler der 11. Klassen zeigten beeindruckende Leistungen. Amanda Weisz erhielt den dritten Preis, David Pe]a den zweiten und Zara Chișevescu den ersten Preis. Als die Namen aufgerufen wurden, brandete immer wieder begeisterter Applaus auf – nicht nur von den Klassenkameraden, sondern auch von den Lehrkräften und Eltern.
Anwesend waren bei der Feier auch mehrere Gäste aus Deutschland und aus dem Umfeld der Schule: Karin Müller (Franzen), die erst vor einem Jahr in den Ruhestand gegangen ist und zuletzt Direktorin einer Realschule in München war, die Nürnberger Stadträtin und Lehrerin Helmine Buchsbaum (Miltenberger), Norbert Reichert, Kanzler der Hochschule Karlsruhe, sowie Gert Kleinstück, ehemaliger langjähriger Leiter der Deutschen Spezialabteilung an der Nikolaus-Lenau-Schule.
Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden die Carmen-und-Jakob-Walbert-Förderpreise verliehen. Diese Auszeichnung richtet sich an Schüler mit besonderen Leistungen in den Naturwissenschaften und im technischen Bereich. Der Preis wurde vor einigen Jahren nach dem Vorbild des Kappler-Preises eingeführt und wird in den Kategorien „Physik“, „Chemie“, „Biologie“ sowie „Informatik“ vergeben. Die Stiftung geht auf das Ärzteehepaar Carmen und Jakob Walbert zurück, zwei ehemalige Lenau-Schüler, die damit wissenschaftliche Neugier und eigenständiges Forschen fördern wollten.
Die präsentierten Projekte zeigten eindrucksvoll, wie vielseitig die Interessen der Lenau-Schüler sind. In der Kategorie „Biologie“ gewann das Projekt „Bioplastik als umweltfreundliche Alternative“, betreut von den Lehrerinnen Eva Boroș und Andreea Lăpugean, den ersten Preis. Das Team bestand aus Zara Chișevescu, Karina Cioloda und Miruna Gal.
Im Bereich „Chemie“ wurde das Projekt „Herstellung eines natürlichen Nagellacks auf Basis von Schellack“ von Doris Ruse und Marla Wenczel, unter der Betreuung von Corina Vasilescu, ausgezeichnet.
Auch in „Physik“ und „Informatik“ wurden bemerkenswerte Arbeiten vorgestellt. Der erste Preis im Bereich „Physik“ ging an das Projekt „Intergalactic Jet-Weapon“ von Cosmina Elena Grâul aus der 9. Klasse, betreut von Lumini]a Vinturi{. Im Bereich „Technik & Informatik“ erhielt das Projekt „Braille-Scanner“ von David Pe]a, Alexandru Morogoici und Albert Bîstrian den ersten Preis.
Viele der vorgestellten Projekte verbanden wissenschaftliches Denken mit gesellschaftlicher Relevanz: umweltfreundliche Materialien, Hilfsmittel für ältere oder sehbehinderte Menschen, ökologische Forschung oder technische Innovationen. Gerade darin, so mehrere Lehrkräfte, liege die besondere Stärke der Lenau-Schule: Wissen werde nicht nur gelernt, sondern angewendet.
Am Ende der Veranstaltung standen die Preisträger und die Lehrer gemeinsam auf der Bühne – sichtbar stolz, aber auch bewegt. Zwischen Urkunden, Blumen und Gruppenfotos wurde deutlich, dass diese Preise weit mehr sind als nur Auszeichnungen. Sie sind Ausdruck einer Schultradition, die junge Menschen ermutigt, über den Unterricht hinauszudenken, Verantwortung zu übernehmen und ihre Talente zu entfalten.
Auch diese Veranstaltung machte deutlich: Die Lenau-Schule versteht es weiterhin, Menschen zusammenzubringen – ehemalige und aktuelle Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Unterstützer und Freunde der Schule. Oder, wie Schulleiterin Gabriela Simona Mateiu es so gern formuliert: „Bei uns ist immer etwas los.“





