Die 75. Internationalen Filmfestspiele Berlin fanden unter neuer Leitung der US-Amerikanerin Tricia Tuttle statt. Über 240 Filme aus 26 Ländern konkurierten in acht Sektionen um die begehrten Preise wie Goldener und Silberner Berliner Bär. Der international renommierte Regisseur Radu Jude wurde für sein neuestes Werk „Kontinental`25“, das auf der Jubiläums-Berlinale seine Weltpremiere feierte, mit dem Silbernen Berliner Bären für das Beste Drehbuch ausgezeichnet. Auch die Berlinale 2025 war politisch geprägt. Die neue Intendantin mit Team zogen ein positives Resümee.
Berlinale 2025 is over. Das Logo am Berlinale Palast, der riesige rote Bär, Fixpunkt der Berlinale 2025 vom 13. bis 27. Februar, ist abgebaut. Die 75. Berlinale bot alles: Spiel- und Dokumentar-, Kurz und Langfilme sowie Unterhaltungsfilme und experimentelle Werke – und nicht zu vergessen: Der rote Teppich, auf dem Stars und Newcomer wandelten. Oft vor Kälte bibbernd und bei Schneeflocken, nicht selten leicht oder gar mit fast nichts bekleidet, stellten sich die Teppichläufer im Blitzlichtgewitter der Fotografen auf dem roten Status-Stoffläufer in Positur, erfüllten gern die Selfie-Wünsche der dicht am Sperrgitter vor dem roten Teppich drängelnden Berlinale-Fans. Die Berlinale zählt neben Cannes und Venedig zu den größten Festivals. Dort allerdings sind Glanz und Glamour noch ein paar Grade höher.
Hoher politischer Anspruch der 1951 gegründeten Berlinale
Gäste aus über 150 Ländern zog die 75. Berlinale in ihren Bann. Besonders der repräsentative Berlinale Palast, wo die 19 Filme in der Hauptsektion Wettbewerb aufgeführt wurden, war bei den Besuchern heiß begehrt. Über 1000 Medienleute aus aller Welt, darunter Journalisten der US-amerikanischen Fachblätter „The Hollywood Reporter“ und „Variety“, berichteten über die 75. Edition der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Erstmals 1951 stattgefunden, avancierten sie schnell mit dem Kürzel „Berlinale“ zu einem der größten Publikums-Filmfestivals der Welt. Jedes Jahr elf Tage im Februar zieht sie Zehntausende an. Das ist eine Mischung aus Filmemachern, Film-Fans, Medienleuten, aber auch Kaufleuten, die sich auf dem International Film Market (EFM), Teil der Berlinale, tummeln. Der EFN ist ein „Film-Marktplatz“ für Ankäufe von Filmlizenzen für Aufführungen in Kinos und Fernsehen. Überhaupt fungiert die Berlinale als ein Aushängeschild der Film- und Medienmetropole Berlin, wo Filme wie der Klassiker „Berlin - Sinfonie der Großstadt“ (1927), legendärer experimenteller Stummfilm von Walter Ruttmann, sowie „Die Legende von Paul und Paula“ (1973) von Heiner Carow, einer der erfolgreichsten in der DDR gedrehten Spielfilme, und „Goodbye Lenin“ (2003) von Wolfgang Becker, entstanden.Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Claudia Roth, betonte in ihrem „Welcome to the 75th Berlinale“ den politischen Anspruch der 1951 als „Schaufenster des freien Westens“ gegründeten Berlinale. Dem soll die Berlinale auch heute gerecht werden. „Filme können unterschiedliche Perspektiven einnehmen und unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen lassen. Sie können unseren Horizont erweitern und Gemeinschaft stiften – gerade auch in Zeiten der Polarisierung, von politischen Konflikten und Kriegen“, so ihr Grundtenor.
Berlinale 2025 entstaubt und mit Neuerungen
Der Auftakt der Eröffnung 75. Berlinale fand mit der Eröffnungsgala im Berlinale Palast am 12. Februar statt – und vermittelte auf Anhieb den Eindruck: Frischer Berlinale-Wind. Den braucht die in die Jahre gekommene Berlinale in der Tat! Ganz anders als das vorjährige Intendanten-Duo der Berlinale, die Niederländerin Mariette Rissenbeek und der Italiener Carlo Chatrian, die immer etwas steif und unglücklich wirkten, als hätte man sie ungefragt auf die Bühne gestellt, wirbelte die frisch zur Intendantin gekürte US-Amerikanerin Tricia Tuttle (54) wie ein Wirbelwind durch die Eröffnungszeremonie. Oft Beifall! Diesmal gab es keine politischen Reden. Das wäre in Anbetracht der bevorstehenden Bundestagswahl, 23. Februar, ohnehin „politically incorrect“ gewesen. Die überdrüssigen, langweilenden Sonntagsreden, strapaziert im Überfluss in den Vorjahren von Politikern, die ihre Botschaften vom Blatt oder Teleprompter ablasen, wurden ersatzlos gestrichen. Basta! Das soll auch so bleiben, versicherte die neue Berlinale-Chefin. Ein Novum und ebenfalls ein Pluspunkt der 2025 neuausgerichteten Berlinale: Die erstmalige Liveübertragung der Eröffnungsgala und des Eröffnungsfilms „Das Licht“ des Regisseurs Tom Tykwer bundesweit auf die Kinoleinwände in sieben Städten, darunter Leipzig, München, Stuttgart sowie Frankfurt am Main und Köln. Damit hatte Tricia Tuttle ihr Credo in die Tat umgesetzt, nämlich das Festival mit dem Publikum über die Grenzen Berlins hinaus zu teilen.
Lady Dracula im Berliner Elektro-Werk
Die Aufführungen der 240 ausgewählten Filme waren aufgesplittet in acht Sektionen, darunter die Hauptsektion „Wettbewerb“, Herzstück der Berlinale, mit 19 Produktionen etwa mit „Kontinental´25“ von Radu Jude, und der Kurzfilmwettbewerb „Berlinale Shorts“, quasi ein Seismograph der Gegenwart, der mit Mitteln der Filmkunst das Hier und Heute reflektiert. Der Neuling im Sektionen-Ensemble, der „Perspectives“-Wettbewerb, punktete gleich mit 14 Spielfilmdebüts aus 19 Produktionsländern.
Die 15 für die Sektion „Retro-spektive 2025“ ausgewählten Oldies liefen unter dem Motto „Wild, schräg, blutig – Deutsche Genrefilme der 70er Jahre in Ost- und Westdeutschland“. Top-Favorit, besonders lange in meinem Gedächtnis zu verweilen, ist die unglaublich witzige Filmklamotte „Lady Dracula“ von 1978 des westdeutschen Regisseurs Franz Josef Gottlieb. Diese äußerst gelungene Mischung aus Dracula-Kultigem und Grellem mit Thrill, Action und Drastik strapazierte die Lachmuskeln der Zuschauer im proppenvollen Kinosaal im ehemaligen Elektro-Werk in Berlin Mitte.
Preise und Resümee
Der norwegische Film „Drømmer“ („Dreams Sex Love“) von Dag Johan Haugerud über Konflikte einer Schülerin, deren intime Tagebuchaufzeichnungen zufällig in die Hände ihrer Familie gelangen und heftige Irritationen auslösen: Der Film sei eine Meditation über die Liebe, sagte Jury-Präsident Todd Haynes bei der Preisverleihung am 22. Februar.
Mit dem Silbernen Berliner Bären für das beste Drehbuch wurde Radu Jude für seinen Film „Kontinental`25“ geehrt. In seinem neuesten Werk, eine Mischform aus Drama und Komödie, seziert der Film messerscharf Themen wie Wohnungsnot, postsozialistische Wirtschaft, Nationalismus und die Macht der Sprache zur Aufrechterhaltung des sozialen Status. Sein Film handelt in Klausenburg/Cluj-Napoca. Im Mittelpunkt steht die Gerichtsvollzieherin Orsolya (Eszter Tompa),die sogar Obdachlose aus ihrer armseligen Bleibe vertreiben muss, Schuldgefühle bekommt, schließ-lich selbst in eine Lebenskrise gerät. Die Botschaft von „Kontinental`25“ ist universell, nicht nur auf Rumänien bezogen. Vielmehr zeichnet der Film treffend ein Übel wider, das typisch für unsere Zeit ist und vor dem nur wenige von uns gefeit sind...
„Wir sind mit der Bilanz der 75. Jubiläumsausgabe sehr zufrieden. Wir haben eine positive Resonanz auf die Entscheidungen unserer Jurys und großartiges Feedback zu den Verbesserungen unserer Infrastruktur und auch zum Film- und Branchenangebot erhalten. Mit diesem Elan gehen wir nun in die Planung für 2026“, so das Resümee der neuen Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle.