Nach zwei Monaten Schließzeit wegen einer umfassenden Reorganisation Anfang des Jahres hat das Banater Dorfmuseum in Temeswar/Timi{oara seine Tore im Frühling wieder geöffnet – mit Neuerungen und einer aktualisierten Vision. Das Museum versteht sich heute nicht mehr nur als Ort der Vergangenheit, sondern als Erlebnisraum, in dem Tradition durch moderne Konzepte, neue Ausstellungen und interaktive Aktivitäten lebendig gemacht wird – so der neue Leiter des Banater Dorfmuseums Radu Trifan.
Was sich konkret verändert hat, was Besucher heute entdecken können und wie das Museum zu einem lebendigen Treffpunkt für die Gemeinschaft werden soll, darüber hat sich ADZ-Redakteurin Andreea Oance mit dem Leiter des Museums unterhalten.
Das Banater Dorfmuseum wurde Mitte März wiedereröffnet, nachdem es wegen einer Reorganisation geschlossen war. Viele Besucher konnten bereits erste Veränderungen entdecken. Für diejenigen, die seit der Wiedereröffnung noch nicht dort waren: Was hat sich konkret verändert?
Wir wollten keine unrealistischen Erwartungen wecken und behaupten, dass das Museum völlig neu erfunden wurde. Die Zeit war relativ kurz. Die Reorganisation zwischen dem 1. Januar und dem 15. März war im Grunde eine sehr notwendige „Frühjahrsreinigung“. Dabei ging es nicht nur um die Verwaltungsräume und Depots hinter den Kulissen, sondern auch um den gesamten Freilichtbereich des Museums. Gemeinsam mit dem Team haben wir zahlreiche Gebäude gereinigt, restauriert und vor allem wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Viele Häuser und Nebengebäude waren zuvor geschlossen. In einigen Bauernhöfen konnte man nur ein einziges Gebäude besichtigen, während andere Räume verschlossen blieben. Unser Ziel war es, diese Orte wieder zu öffnen und ihre Geschichte den Besucherinnen und Besuchern zu erzählen.
Sie sind seit Herbst vergangenen Jahres Direktor des Museums. Mit welchen Gedanken und Zielen haben Sie diese Aufgabe übernommen?
Heute sind es schon über sechs Monate seit meinem Amtsantritt. Es war und ist eine große Herausforderung. Man hat mir gesagt, dass man mindestens sechs Monate braucht, um eine öffentliche Institution wirklich zu übernehmen – und genau so ist es auch.
Ein großer Teil meiner Zeit floss zunächst in strukturelle Veränderungen innerhalb der Institution. Es gab viele Probleme, Verzögerungen und alte Gewohnheiten, die nicht mehr funktionierten. Veränderungen in einer öffentlichen Einrichtung sind nie einfach umzusetzen. Aber inzwischen sind wir auf einem guten Weg. Jetzt, mit dem Beginn des Frühlings und der neuen Besuchersaison, sehen wir bereits erste positive Ergebnisse. Mit relativ geringen Kosten konnten wir viel verbessern.
Zu den neu zugänglichen Bereichen gehören unter anderem das Nationalhaus aus Babscha/Bab{a und die Bierstube aus Bürna/Bârna. Was bedeuten diese neuen Räume für die Besucher?
Diese Gebäude sind eigentlich nicht neu – sie gehören schon lange zum sogenannten „Zentrum des Dorfes“ innerhalb des Museums. Neu ist, dass sie nun dauerhaft für das Publikum geöffnet sind.
Das Nationalhaus wurde früher nur gelegentlich für Veranstaltungen genutzt, und die Bierstube war in den letzten Jahren komplett geschlossen. Gemeinsam mit dem Team haben wir die Räume gereinigt, alte Lagerbestände entfernt und die Gebäude wieder für Besucher vorbereitet. Das Zentrum mit Schule, Rathaus, Kirche, Nationalhaus und Bierstube ist in Rumänien einzigartig. Kein anderes Freilichtmuseum besitzt ein solches vollständiges Dorfzentrum. Deshalb war es uns wichtig, diese Gebäude wieder zugänglich zu machen.
Wie war das Feedback der Besucher seit der Wiedereröffnung?
Insgesamt sehr positiv. Natürlich gab es auch Kritik – zum Beispiel wegen einzelner beschädigter Treppen oder fehlender Informationstafeln. Aber genau dieses Feedback hilft uns. Wir haben neue Informationstafeln installiert und dort nicht nur historische Daten ergänzt, sondern auch alte Fotografien der Häuser eingefügt. Besucher können jetzt sehen, wie die Gebäude ursprünglich in ihren Heimatdörfern aussahen – oft sogar mit den ehemaligen Bewohnern davor. Das verleiht den Häusern eine emotionale Dimension und macht ihre Geschichte viel greifbarer.
Viele Besucher wissen gar nicht, dass die Gebäude echte historische Bauten sind und keine Nachbildungen.
Die meisten Gebäude sind tatsächlich originale historische Bauwerke, die abgebaut und hier wieder aufgebaut wurden. Insge-samt besitzen wir 36 authentische Objekte. Daneben gibt es aber auch einen Bereich, den wir „Lebendiges Museum“ nennen. Dort stehen rekonstruierte Gebäude, die nicht denkmalgeschützt sind. Dieser Bereich soll künftig stärker genutzt werden – für Workshops, Handwerksvorführungen und interaktive Aktivitäten, besonders für Kinder. Unser Ziel ist es, diesen Teil wirklich zu einem lebendigen Ort zu machen.
Ein großes Thema bleibt auch die abgebrannte Holzkirche aus Topla. Wie ist der aktuelle Stand?
Der Verlust war natürlich schmerzhaft, aber nicht alles ist verloren. Die Außenstruktur aus Holz ist widerstandsfähiger geblieben, als wir zunächst befürchtet hatten.
Seit meinem Amtsantritt haben wir erste Gutachten in Auftrag gegeben. In diesem Jahr wollen wir die vollständige Expertise und das Restaurierungsprojekt abschließen. Es handelt sich um ein Denkmal der höchsten Schutzklasse, daher ist die Restaurierung kompliziert und teuer. Aber wir erhalten Unterstützung vom Temescher Kreisrat und auch von der orthodoxen Kirche. Wir sind optimistisch.
Während der Schließzeit haben Sie auch eine Umfrage durchgeführt. Was wollten die Menschen im Museum sehen?
Interessanterweise nannten viele Besucher zuerst die natürliche Umgebung als Hauptgrund für ihren Besuch – den Park, die Landschaft, den See. Das war für uns gleichzeitig positiv und enttäuschend. Natürlich freut es uns, dass die Umgebung geschätzt wird, aber wir möchten, dass auch unsere Ausstellung selbst stärker wahrgenommen wird. Deshalb wollen wir die Sammlung erweitern. Derzeit fehlen wichtige Regionen des Banats, zum Beispiel die Donauklamm, das Almasch-Tal/Valea Almăjului oder Teile der Banater Heide.
Außerdem möchten wir die multiethnische Geschichte des Banats besser darstellen. Wir haben bereits eine „Allee der Ethnien“, aber einige Gemeinschaften fehlen noch – etwa die Banater Bulgaren.
Sie haben öffentlich dazu aufgerufen, alte Häuser zu spenden, bevor sie abgerissen werden. Gab es Reaktionen?
Sehr viele sogar. Wir haben Angebote aus mehreren Dörfern erhalten. Unsere Kolleginnen und Kollegen haben bereits Häuser besichtigt, die dem Museum gespendet werden sollen. Die Herausforderung besteht darin, solche Gebäude fachgerecht abzubauen und wieder aufzubauen. Das ist technisch kompliziert und teuer, besonders bei großen Gebäuden mit massiven Mauern. Aber genau darin liegt die Zukunft unseres Museums: möglichst viel authentisches Kulturerbe zu bewahren.
Wie sieht heute ein typischer Besuch im Museum aus?
Besucher entdecken traditionelle Bauernhöfe, Werkstätten, öffentliche Gebäude wie das Rathaus oder das Nationalhaus und natürlich die natürliche Umgebung mit unserem kleinen See. Dieser See hat übrigens eine interessante Geschichte. Er entstand ursprünglich als Aushubgrube in der österreichisch-ungarischen Zeit. Heute leben dort Wildenten und sogar zahlreiche Schildkröten. Außerdem organisieren wir regelmäßig kulturelle Veranstaltungen und möchten das Angebot künftig deutlich erweitern.
Sie sprachen von einem „Lebendigen Museum“. Was genau planen Sie in dieser Hinsicht?
Dieser Bereich soll zu einem Ort werden, an dem Menschen traditionelle Handwerke nicht nur ansehen, sondern selbst ausprobieren können. Wir planen Werkstätten für Töpferei, Weberei, Holzarbeit, Brotbacken oder Schmiedekunst. Besonders Kinder sollen dort aktiv mitmachen. Dafür müssen wir zunächst Infrastruktur schaffen – Wasser, Kanalisation und geeignete Räume. Danach möchten wir gemeinsam mit Vereinen und privaten Initiativen regelmäßige Aktivitäten organisieren.
Viele junge Menschen kennen das Museum bisher nur als Veranstaltungsort für Festivals. Wie möchten Sie sie stärker für das eigentliche Museum begeistern?
Wir müssen attraktiver werden – nicht durch oberflächliche PR-Tricks, sondern durch Qualität. Dafür brauchen wir Investitionen, ein vielfältigeres Kulturprogramm und vor allem spezialisiertes Personal. Im April wurde eine neue Organisationsstruktur eingeführt, und wir schreiben demnächst neue Stellen aus, unter anderem im Bereich Marketing und Architektur. Wir suchen junge Menschen mit Leidenschaft für Kulturerbe und traditionelle Architektur.
Sie haben mit Ihrem Team auch das ASTRA-Museum in Hermannstadt besucht. Was konnten Sie von dort lernen?
Das ASTRA-Museum ist für Freilichtmuseen in Rumänien ein Vorbild. Mit über 400 Gebäuden besitzt es eine der bedeutendsten Sammlungen Europas. Uns interessierten vor allem organisatorische Abläufe, Arbeitsmethoden und Restaurierungsverfahren. Wir haben dort viele wertvolle Erfahrungen gesammelt.
Wie sehen Sie die Zukunft des Banater Dorfmuseums?
Ich bin überzeugt, dass wir in den kommenden Jahren große Fortschritte machen werden. Wir wollen die Sammlung erweitern, neue Gebäude ins Museum bringen und die Besucher stärker einbeziehen. Besonders wichtig ist uns, die multiethnische und handwerkliche Tradition des Banats sichtbar zu machen. Das Banat war historisch eine wohlhabende und vielfältige Region mit zahlreichen Handwerken und kulturellen Einflüssen. Genau diese Geschichte möchten wir erzählen.







