Die „Zukunft der Wälder gestohlen“

Die Forstwacht Temeswar stellte in Baumschulen des Berglands das Fehlen von über 250.000 Setzlingen fest

Der Abgeordnete der USR im Banater Bergland, Andrei Plujar (USR) moniert, die Forste des Banater Berglands seien von der Forstdirektion Karasch-Severin lange als ein „Vermögen, das wir unter uns aufteilen“ betrachtet worden. „Nie wertete man sie als ein wertvolles nationales Vermögen, das um jeden Preis zu schützen und zu bewahren ist.“ Im Bild: Naturschutzgebiet in der Schlucht bei Eftimie Murgu

Wald mit touristischem Wert: im Nera-Nationalpark nahe des weltberühmten Bigar-Wasserfalls Fotos: George Dumitriu

Im Banater Bergland gibt es zahlreiche Baumschulen, in denen Setzlinge für Aufforstungen gezogen werden. Das Saatgut und die genetische Qualität der Buchen, Linden, Steineichen, des Bergahorns und der Eschen, aber auch der diversen Nadelholzarten haben dazu geführt, dass die Setzlinge aus dem Banater Bergland gesucht sind. Dass sie oft Mangelware sind, ist jedoch nicht immer eine Folge ihrer Begehrtheit zum Aufforsten. Der Fall, den Interims-Umweltministerin Diana Buzoianu jüngst aufwarf, lässt den Gedanken an Diebstahl in großem Stil und nach unterschiedlichen „Methoden“ aufkommen.

Die Forstwacht Temeswar (Garda Forestier²) hat in diesem Frühjahr 55 Baumschulen der Forstamtsbezirke des Banater Berglands kontrolliert und festgestellt, dass zwischen der auf dem Papier festgeschriebenen Übersicht und der Realität draußen, in den Baumschulen, ein Unterschied von rund 250.000 Setzlingen existiert. Die waren einfach nicht auffindbar. Nun ist ihr Buchhaltungswert nicht gerade umwerfend hoch – auf geschätzt 77.000 Lei gab die Forstgarde den Schaden an – aber der Verdacht lautet eben Diebstahl, ob er nun reell passiert ist oder ob einfach auf dem Papier, in der Buchhaltung, getrickst wurde. Um Letzteres juristisch festzustellen und zu ahnden, ist der Fall der Staatsanwaltschaft von der Forstwacht zur Untersuchung anvertraut worden, die daraus ein Anklagedossier schmieden soll. Wenn sie flagrante Gesetzesübertretungen feststellen sollte.

Die Ministerin benachrichtigt die Öffentlichkeit

Ministerin Diana Buzoianu auf Facebook: „In den vergangenen Monaten entdeckte die Forstwacht – und ahndete prompt mit Geldstrafen – dutzende Holzdiebstähle direkt aus den Forsten. Doch frappierend ist ein anderer von der Forstwacht aufgedeckter Fall: im Rahmen der Forstdirektion Karasch-Severin sind 55 Baumschulen kontrolliert worden – also jene Orte, wo die Zukunft unserer Forste herangezüchtet wird. Die Schlussfolgerung der Forstwacht? Zwischen der auf Papier festgeschriebenen Inventur und dem Realstand in der Plantage gab es einen Unterschied von rund 250.000 Pflanzen. So viele haben gefehlt. So stiehlt man wohl die Wälder der Zukunft! Der Schaden beträgt etwa 77.000 Lei.“ Die Forstwacht habe jetzt die Staatsanwaltschaft mit der Untersuchung des Falles beauftragt. Sie soll eventuelle Verantwortliche identifizieren, aber auch feststellen, ob und in welchem Maß eine Straftat vorliegt und welcher Natur diese ist.

Ministerin Diana Buzoianu: „Interessant ist, dass das Forstpersonal der betreffenden Baumschulen wusste, wie die Dinge stehen, dass Bäumchen fehlen – hat aber zeitgleich in den Papieren weiterhin deren Existenz festgeschrieben. In einigen Fällen ließ sich das Forstpersonal sogar ‘Arbeiten’ verrechnen, die es angeblich in den nicht existierenden Pflanzungen durchgeführt hat. Ganz offensichtlich gab es zwei Realitäten, eine auf dem Papier und in der Buchhaltung, eine ganz andere draußen, in der Baumschule. Mal sehen, wie die Staatsanwaltschaft diese Doppelrealität einschätzt.“ 

Disziplinar- und Geldstrafen erteilt

Die Forstdirektion Karasch-Severin, die seit geraumer Zeit einen neuen, jungen Leiter hat, reagierte prompt, allerdings nicht mit der erwarteten Härte: nur mit Disziplinarstrafen, Lohnverminderungen, schriftlichen Verwarnungen. Sowohl des direkt in den Baumschulen tätigen Personals, als auch der Chefs der zuständigen Forstamtsdistrikte. Ministerin Buzoianu meinte dazu: „Die Geldstrafen waren viel zu gering, alle Strafen zu nachsichtig.“ 

Ein paar zehnprozentige Lohnkürzungen auf Zeit könne jeder leicht verkraften, meinte sie, und Verwarnungen der Leiter der Forstamtsbezirke seien das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind. „Einfach empörend!“, so Diana Buzoianu.

Künftig, so hofft nun die Ministerin, die von der USR gestellt wurde, könnten sich Fälle dieser Art schwerlich wiederholen: „Die gute Nachricht für uns und die schlechte für das Leitungspersonal der staatlichen Forstwirtschaft, vor allem für die Direktoren von Romsilva und die Oberförster der Forstamtsbezirke, ist, dass mittelfristig die in meinem Mandat eingeleiteten Maßnahmen zu strikt formulierten Mandatsverträgen mit dem Leitungspersonal der Forstdirektionen und Forstamtsbezirke führen werden. Klare und schwerlich miss- und umdeutbare Leistungskriterien werden eingeführt. In diesem Jahr gibt es bereits Evaluierungen. Ab 2027 werden denjenigen, die die Leistungskriterien nicht erfüllen, die Arbeitsverträge gekündigt. Es wird Schluss sein mit Verwarnungen!“

Die Lage beruht auf früheren Vorgängen

Der USR-Abgeordnete des Banater Berglands, Andrei Plujar, kam seiner Parteigenossin zu Hilfe: „Wir müssen im Klartext reden, die Wahrheit sagen: die meisten Illegalitäten der vergangenen Jahre geschahen während des Mandats des früheren, inzwischen pensionierten Leiters der Forstdirektion Karasch-Severin, Ion Tabugan. Zu seiner Zeit sind die Mechanismen geschaffen worden, die Komplizitäten und administrativen Negativreflexe, aufgrund derer die Forste des Banater Berglands als ein ‘Vermögen, das wir unter uns aufteilen’ betrachtet wurden. Nie wertete man sie als ein wertvolles nationales Vermögen, das um jeden Preis zu schützen und zu bewahren ist. Das zu weiten Teilen per Gesetz unter Schutz gestellt ist. Immerhin gibt es, trotz allem, in den Forsten des Banater Berglands die meisten Naturschutzgebiete Rumäniens, die meisten gesetzlich geschützten Areale. Heute sehen wir die Folgen jener Haltung der noch vor Kurzem waltenden Spitze der Verwaltung der Staatsforste im waldreichsten Raum des Banats: hunderttausende Baumsetzlinge, die „verschwunden“ sind. Gefälschte Übersichtsdokumente. ‘Forstarbeiten’ in fiktiven Baumschulen. Zerstörung der wertvollsten Teile der Forste des Banater Berglands.“

Romsilva Karasch-Severin beschwichtigt

Die Vertreter der Forstbehörde des Banater Berglands, Romsilva SA Karasch-Severin, reagierten leicht zeitverzögert auf die Feststellungen der Forstwacht Temeswar und die Bekanntmachungen der Interim-Umweltministerin. Grundaussage: die Differenz zwischen Papier- und Ist-Lage in den Baumschulen der Forstämter des Banater Berglands ist eigentlich normal und könnte durchwegs als „technologische Verluste“ betrachtet werden. So die Hauptaussage ihrer Erklärung/Rechtfertigung. 

Mittels eines Kommuniqués präzisiert Romsilva Karasch-Severin, dass die Kontrollen der Forstwacht im letzten Trimester des Jahres 2025 durchgeführt wurden. Kontrolliert worden seien alle 17 Forstamtsbezirke des Banater Berglands, die von der Forstdirektion in Reschitza koordiniert werden. Festgestellt worden sei ein zusammengerechneter Fehlbestand von insgesamt 272.742 Setzlingen. Nach den in Rumänien geltenden Kriterien für Baumschulen für Forstpflanzgut sei dieser Fehlbestand durchaus als „zulässiger technologischer Verlust, der nicht unbedingt registriert werden muss“, einzustufen. Und bei einem durchschnittlichen Inventurwert eines Setzlings, der bei 0,37 Lei das Stück angesetzt ist, die Mehrwertsteuer inklusive, betrage der Gesamtverlust 97.757 Lei. Das dafür verantwortliche Forstpersonal sei infolge dieser Feststellung mit 18 Disziplinarstrafen belegt worden, wegen Nichteinhaltung der Dienstverpflichtungen. Dazu kommen die von der Forstwacht verfügten Maßnahmen zur Begleichung des Verlusts. Diese seien am 28. Januar 2026 den Schuldtragenden mitgeteilt worden.

Im Kommuniqué versichert Romsilva SA Karasch-Severin die Öffentlichkeit, dass die Verwaltung der Staatsforste des Banater Berglands „keinerlei Gesetzesübertretungen duldet und dulden wird“, aber gleichzeitig auch, dass der festgestellte Schaden durch die fehlenden Baumsetzlinge bloß einen geringen Prozentsatz der Jahres-Gesamtproduktion der Baumschulen der staatlichen Forstverwaltung Romsilva ausmacht. „Romsilva produziert jährlich in seinen 514 Baumschulen über 30 Millionen Baumsetzlinge, von denen etwa 23 Millionen in den zwei Aufforstungskampagnen des Jahreslaufs, im Frühjahr und im Herbst, gepflanzt werden. Der festgestellte Fehlbestand liegt folglich bei 0,9 Prozent der Jahresproduktion an Baumsetzlingen des Regiebetriebs Romsilva SA. Und es gilt nach wie vor: Gesetzes-Rabatte oder Vernachlässigung der Dienstverpflichtungen werden bei Romsilva nicht toleriert! Auch keine Trickserei in der Buchhaltung, in offiziellen Dokumenten. Sämtliche gesetzlich vorgesehenen Sanktionen kommen widrigenfalls zur Anwendung.“