Dr. Raluca Teodorescu hatte bereits ab Mai 2025 die interimistische Leitung des Hermannstädter Brukenthalmuseums inne. Seit 1. März dieses Jahres ist sie nun die neue Leiterin des Museums. Aurelia Brecht und Roger Pârvu von der ADZ haben mit ihr über Herausforderungen, ihre Ziele und über die besondere Persönlichkeit Samuel von Brukenthals gesprochen.
Wie ist es, als erste Frau das Brukenthalmuseum zu leiten?
Für jeden Menschen, der dieses Amt bekleidet, stellt das eine große Verantwortung dar. Ich habe immer gesagt, dass das Brukenthalmuseum das wichtigste Museum im Land ist – nicht nur wegen des Wertes, sondern auch wegen der Vielfalt an Exponaten. Von Kunst bis hin zu Archäologie, Geschichte, Wissenschaft, Technik, Pharmazie- oder Jagdgeschichte ist alles vorhanden. Eigentlich sind das in sich mehrere kleine Museen. Die Entscheidung, die Leitung zu übernehmen, ist mir nicht leicht gefallen. Aber durch meine 20-jährige Erfahrung in der Museumsarbeit, in der ich alle Entwicklungsstufen von der Sammlungsverwaltung bis hin zu archäologischen Aufgaben, einer Führungsposition im Geschichtsmuseum und anschließend im Naturkundemuseum durchlaufen habe, wurde ich vom Kulturministerium zunächst angesprochen, die Position als Interimsdirektorin zu bekleiden.
Was war für Sie neu?
Ich erfuhr am Anfang viel über den Bereich der Museumsorganisation und die Verbindungen zwischen den Abteilungen, die mir zuvor in meiner Funktion als Direktorin des Geschichtsmuseums und des Naturhistorischen Museums nicht geläufig waren. Ich freue mich, mit Kollegen zusammenzuarbeiten, die ich schon lange kenne und die mich unterstützen. Außerdem freue ich mich über die Unterstützung derjenigen Kollegen, die im Ruhestand sind und die ehrenamtlich für unser Mentorenprogramm ins Museum zurückgekehrt sind. Sie helfen uns, unsere jüngeren Kolleginnen und Kollegen anzulernen, und bereichern uns auf diesem Weg mit ihrer Expertise.
In welche Richtung soll sich das Museum während Ihrer Amtszeit weiterentwickeln?
Wir denken da in mehrere Richtungen: Am relevantesten erscheint es mir, dass das Museum hinsichtlich des Wertes seines Kulturerbes den Museen außerhalb Rumäniens gleichgestellt wird. Wir möchten im akademischen und wissenschaftlichen Bereich bekannter werden, vor allem außerhalb Rumäniens: denn obwohl der Name Bruken-thal bekannt ist, ist es der Wert der Museumssammlungen auf internationaler Ebene noch nicht in gleichem Maße. Das versuchen wir zu erreichen, indem wir Ausstellungen mit großen internationalen Museen organisieren: Mit der National Gallery in London, dem Prado oder dem Museum der Schönen Künste in Budapest, an die wir Werke ausleihen werden. Wir möchten durch direkte Kontakte zu großen Museen und den Zugriff auf internationale Datenbanken eine Vernetzung unserer Sammlungen herstellen. Wichtig ist mir auch die Bedeutung für das Gemeinwesen: Das Museum soll künftig von den Einheimischen noch positiver wahrgenommen werden. Sie sollen sich in die Entwicklung des Museums aktiv einbringen können.
Verändern soll sich, dass das Museum zu Hause meist das am seltensten besuchte Museum ist…
So sollte es eben nicht sein! Die Stadtgemeinschaft sollte stärker einbezogen werden. Deswegen gibt es bereits den „Donnerstag für Hermannstädter“/„Joia Sibienilor“ – jeden ersten Donnerstag im Monat ist der Eintritt ins Museum für Hermannstädter frei. Viele wissen nicht, dass unsere Ausstellungen wechseln und Informationen mehrmals auf unterschiedliche Weise vermittelt werden können: Laut Umfragen glauben viele Einheimische, alles gesehen zu haben, wenn sie das Museum vor 30 oder 40 Jahren besucht haben. Meiner Beobachtung nach sind die meisten Besucher des Brukenthalmuseums Rumänen aus dem Inland. Deshalb ist es sehr wichtig, Ausstellungen oder Veranstaltungen im Inland zu organisieren – um die Sammlung bekannt zu machen. Ich hoffe, dass die Zahl der Touristen, die die Ausstellungen besuchen, künftig deutlich steigen wird.
Wie wollen Sie das fördern?
Wir planen mit Reiseveranstaltern zusammenzuarbeiten: In Konferenzen und Workshops möchten wir ihnen präsentieren, was das Museum ausmacht und was wir ihnen bieten können. Wir können thematische Führungen für Touristen aus allen Teilen der Welt bereitstellen – denn im Brukenthalmuseum lassen sich Verbindungen zu jedem Land der Welt finden. Im Rahmen unserer angedachten Kooperation mit dem Flughafen Hermannstadt haben wir eine Liste von Verknüpfungen zu anderen Ländern erstellt: Abgesehen davon, dass wir erwartungsgemäß ganz Europa abdecken, stellten wir fest, dass wir auch repräsentative Exponate für Laos, Vietnam und weiter entfernte Länder besitzen. Jeder Tourist, der das Brukenthalmuseum besucht, kann also nicht nur lokale Geschichte, sondern auch Gemeinsamkeiten erleben – ganz im Sinne des immer mehr in Mode kommenden globalen Konzepts, das uns in allen Kulturen gemeinsame Elemente entdecken lässt.
Was fehlt Ihrer Meinung nach derzeit im Museum?
Ich glaube nicht, dass dem Museum etwas fehlt. Aktuell möchten wir den Bereich Marketing weiter ausbauen. Was mögli-cherweise fehlt – aber das ist eine Frage, die wir auf nationaler und internationaler Ebene betrachten müssen – ist das Personal. Während wir 2010 noch 168 Mitarbeiter hatten – was schon damals nicht ausreichte –, ist die Zahl der Ausstellungen nach 2010 stark gestiegen. Zugleich ist die Zahl der Mitarbeiter auf 101 gesunken. Das bedeutet, dass einige meiner Kollegen zusätzlich zu ihren regulären Aufgaben noch mindestens eine weitere Funktion übernehmen müssen: Damit steigt der Druck im Alltag. Für einige Bereiche, die für die Museumsarbeit sehr wichtig sind, haben wir keine Mitarbeiter – so auch keinen fest angestellten Museumspädagogen. Das bedeutet, dass unsere Kuratoren die pädagogischen Aktivitäten übernehmen müssen. Bisher bestand die Lösung darin, dass wir Kontakt zu externen Experten oder Museumspädagogen aufgenommen haben, die die entsprechenden Aktivitäten organisiert haben, während wir diese lediglich koordiniert haben.
Brukenthal versuchte Bildung und Wissen einem mög-lichst breiten Publikum zugänglich zu machen. Wie sehen Sie den Bildungsauftrag des Museums?
Aus meiner Sicht ist die pädagogische Komponente sehr wichtig. Ich habe bereits zu Beginn meiner Amtszeit als Interimsdirektorin gesagt, dass ich nicht damit einverstanden sein werde, Konzerte oder andere Arten von Veranstaltungen zu organisieren, die nicht im Einklang mit dem Auftrag des Museums stehen – nämlich dem Schutz und der Erhaltung des Kulturerbes sowie der Bildung. Im Bereich der Bildungsangebote sowohl für Kinder als auch für Erwachsene hat das Museum enormes Potenzial: In diesem Jahr möchten wir uns zur Weiterbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Erasmus-Programme akkreditieren. Gleichzeitig möchten wir uns an die lokale Bevölkerung, an Touristen und an diejenigen, die uns online besuchen, und an die junge, technikaffine Generation unter 25 Jahren richten. Auf sie wollen wir mit Projekten oder Anwendungen zugehen, die ihnen helfen, uns besser zu verstehen. Deswegen führen wir derzeit Gespräche mit einem IT-Unternehmen, um einen Audioguide mit KI-Komponente zu entwickeln. Die Software wird es uns ermöglichen, nachzuvollziehen, wie lange ein Besucher vor einem Gemälde verweilt und welche Fragen er der KI stellt. Zugleich achten wir darauf, den Zugriff der KI auf ausgewählte Websites zu beschränken. So können wir herausfinden, wo die Interessen des Publikums liegen.
Geschichte wird oft instrumentalisiert. Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die Rolle des Museums?
Ein Museum darf keine Politik betreiben und sich nicht auf politisierte Konzepte und Prinzipien einlassen. Wir freuen uns, Kollegen zu haben, die Forschungsbereiche auf Gebieten erschlossen haben, die zuvor im Museum noch nicht behandelt wurden: zum Beispiel die Geschichte des Kommunismus oder die ersten nationalen Wahlen. Es ist sehr wichtig, dass das Museum kontinuierlich Kulturgüter sammelt. Wir haben eine neue Sammlung im Bereich „Zeitgenössische Geschichte“ angelegt, bei der es interne Auseinandersetzungen unter den wissenschaftlichen Mitarbeitern gab, weil viele die Objekte, die wir inventarisieren wollten, nicht für relevant hielten. Aber der Punkt ist: wenn wir jetzt keine Objekte aus der Zeit des Kommunismus sammeln, werden diese verschwinden, und diejenigen, die in 100 Jahren diese Informationen der Öffentlichkeit präsentieren wollen – ganz gleich, in welcher Form – werden kein Kulturerbe mehr haben.
Warum kämpfen Sie dafür?
Im 19. Jahrhundert sammelten die Museumskuratoren zeitgenössische Objekte, die wir heute nutzen, um Ausstellungen über die Geschichte der Sachsen und über das Alltagsleben zu präsentieren. Nach 1989 wollten sich die Menschen vom Kommunismus abgrenzen und zerstörten Gegenstände aus der kommunistischen Zeit. Deshalb haben wir sehr oft an die Einheimischen und darüber hinaus appelliert, die Gegenstände, die sie noch in ihren persönlichen Sammlungen oder irgendwo auf Dachböden liegen haben, ins Museum zu bringen. Das ist relevant, um später einen Diskurs über diese Zeit führen zu können. Eine Zeit, die in unserer Geschichte sehr düster war, die wir aber zunächst einmal annehmen müssen, damit wir dann ihre Geschichte erzählen können. Wenn es uns nicht gelingt, die Objekte zu sammeln, die wir für spätere Diskussionen auf öffentlicher, lokaler, nationaler Ebene bewahren sollen, dann versagen wir in der Aufgabe des Museums – das Leben dieser Zeit zu dokumentieren.
Welche Rolle spielt der multiethnische Kontext, in dem Sie in Siebenbürgen tätig sind?
Hermannstadt ist als multiethnisch und multikonfessionell anerkannt. Die Sammlungen des Brukenthalmuseums umfassen Kulturgüter aller in Siebenbürgen ansässigen Völker vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Als siebenbürgisches Museum fügen wir uns ganz natürlich in dieses Konzept ein. Ich freue mich, dass unsere Sammlungen wachsen und dass das Publikum, unabhängig von seiner ethnischen Zugehörigkeit, die Bedeutung und Relevanz des Museums im lokalen, nationalen und internationalen Kontext versteht. Es ist also eine Freude für uns, dass sowohl Museen als auch Sammler aus Siebenbürgen auf uns zukommen, um Exponate zu spenden oder gemeinsam mit uns Ausstellungen zu organisieren. Eine der jüngsten Wechselausstellungen, die genau diesen multiethnischen und multikonfessionellen Charakter Siebenbürgens zeigt, ist die dem Kunstzentrum von Baia Mare gewidmete Ausstellung. Sie ist bis Ende April bei uns zu sehen und veranschaulicht, wie sich bildende Künstler aus ganz Siebenbürgen und Europa gemeinsam weiterentwickelt und seit Ende des 19. Jahrhunderts im Kunstzentrum in Baia Mare voneinander gelernt haben. Wir sind sehr offen für solche Kooperationen, besuchen selbst verschiedene Museen in Siebenbürgen und versuchen, die Zusammenarbeit auf Westeuropa auszuweiten: um diesen multiethnischen Charakter zu zeigen, der eine tragende Rolle bei der Prägung Siebenbürgens gespielt hat.
Sind Sie in diesem Zusammenhang der Ansicht, dass das Museum eine besondere Verantwortung gegen-über der deutschen Minderheit trägt?
Das Brukenthalmuseum basiert auf der Sammlung des Barons Samuel von Brukenthal. Ich glaube, unsere Verantwortung gilt in erster Linie dem Geist und dem Erbe Brukenthals, so wie es ist. Er war ein genialer Mann, der seiner Zeit weit voraus war. Sein Wirken ging weit über die Lokalebene hinaus. Er war ein außergewöhnlicher Geschäftsmann, ein Wegbereiter in vielen Bereichen. Er war Mäzen für eine ganze Reihe von Forschern – lokal und international. Das bedeutet natürlich auch, dass damit eine größere Verantwortung gegenüber der sächsischen Gemeinschaft in Hermannstadt einhergeht. Gestern habe ich in der Presse einen Artikel darüber gesehen, dass die Zahl der Sachsen in Siebenbürgen gestiegen ist, weil viele, die einst weggezogen sind, hierher zurückgekehrt sind. Das hat mich sehr gefreut. Ich glaube, auch das ist ein gutes Zeichen. Das Museum ist zudem ein Experiment auf nationaler Ebene, weil es sich im gemeinsamen Besitz des rumänischen Staates und der Evangelischen Stadtpfarrgemeinde Hermannstadt befindet. Wir haben sogar eine paritätische Anzahl von Mitgliedern im Verwaltungsrat des Museums. Und wir haben ein sehr gutes Verhältnis zur sächsischen Gemeinschaft, wie es ja auch normal und natürlich ist – ebenso wie zur ungarischen und zur rumänischen Gemeinschaft. Wir beabsichtigen aber, in Zukunft auch Dauer- und Wechselausstellungen zu organisieren, die die Bedeutung des sächsischen Kontexts für die Entwicklung Siebenbürgens vom Mittelalter bis heute aufzeigen.
Welche Projekte planen Sie?
Es geht mir um Projekte, die die Sammlungen Brukenthals, so wie sie ursprünglich zusammengestellt wurden, in den Mittelpunkt rücken. Brukenthal baute seine Sammlung in Wien auf, in einem bestimmten internationalen und lokalen Kontext: Er verfügte über zahlreiche Kontakte, Freunde und Mitarbeiter, die später zwar jeweils in ihre Heimatregionen zurückkehrten, aber alle gemeinsam aus einem bestimmten Umfeld sammelten. Wir wollen versuchen, alles wieder zusammenzuführen. Deswegen streben wir Partnerschaften mit Museen an, die sich in etwa auf der Grundlage von Sammlungen aus derselben Zeit gebildet haben, in der Brukenthal in Wien sammelte. Brukenthal hatte äußerst gute Berater, die ihm beim Aufbau einer sehr soliden Sammlung halfen, sowohl was die Gemäldesammlung als was die numismatische Sammlung und die Bibliothek betrifft. Das ist auch eines unserer Hauptprojekte: die Entwicklung der Bibliothek und ihrer Verbindungen zum deutschen, österreichischen und sächsischen Umfeld. Die Bibliothek ist nicht einmal zu einem Prozent ihres wahren Wertes bekannt. Gemeinsam mit einem Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Museums haben wir in den Beständen der Bibliothek Handschriften aus dem 11. und 12. Jahrhundert entdeckt, die später wiederverwendet wurden, um die Einbände von Werken aus dem 15. und 16. Jahrhundert zu gestalten. Die Bibliothek ist ebenfalls eine der Sammlungen, die gewissermaßen das Stiefkind des Museums war. Aber die Brukenthal-Bibliothek enthält auch ältere Sammlungen, wie die des Evangelischen Gymnasiums aus dem 15. und 16. Jahrhundert, die äußerst wertvoll ist und jeder Universitätssammlung der damaligen Zeit in nichts nachsteht.
Wie haben Sie Ihren Kindern erklärt, dass das Brukenthalmuseum interessant ist?
Ich habe eine 10-jährige Tochter, die eine sehr enge Beziehung zum Museum hat. Sie ist in der Lage, hier Führungen zu geben und sieht das Museum mit eigenen Augen. Viele der Projekte, die ich initiiert habe, sind durch die einzigartige Art und Weise entstanden, wie sie sich zum Museum verhält: viel einfacher als das, was wir als Erwachsene denken und zu konzeptualisieren versuchen. Als sie gemeinsam mit ihren Freunden an einigen Bildungsprojekten teilnahm, die im Geschichtsmuseum organisiert wurden, waren wir überrascht über die sehr positiven Reaktionen. Die Kinder sagten „Wow, wir wussten nicht, dass man im Spiel Geschichte lernen kann!“ Ich glaube, wir können einem älteren Publikum die Rolle und den Kontext des Museums auf theoretischer Ebene gut erklären, aber Kindern müssen wir es tatsächlich durch direkte und praxisorientierte Aktivitäten vermitteln. Glücklicherweise haben wir diesbezüglich eine solide Grundlage, denn das Museum hat 2009 den Europa-Nostra-Preis für Bildung erhalten.
Es gibt ein Kooperationsprojekt mit der Stadtverwaltung, bei dem „die Schule ins Museum“ geht…
„Schule im Museum“ ist nach wie vor ein erfolgreiches Projekt und wird weitergeführt. Die Teilnehmerzahl ist sogar deutlich gestiegen und wir versuchen, mit thematischen Präsentationen auf die Bedürfnisse einzugehen, die auch den Lehrern bei der Gestaltung ihres Unterrichts helfen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Kinder, sobald sie ins Museum kommen und in einem sicheren, freien Rahmen experimentieren dürfen, sich viel leichter entwickeln und das Museum verstehen können – viel besser als wir es ihnen mit Worten erklären.
Nochmal zurück zu Brukenthal. Als Leiterin des Museums kennen Sie die Diskussionen, die ab und an rund um seine Person geführt werden. Wie stehen Sie dazu?
Auch nach 209 Jahren, die das Museum nun existiert, wird über die Person Samuel von Brukenthals gestritten – weil die Menschen ihn nicht kennen. Er wird kritisiert von der kommunistischen Geschichtsschreibung und aus den Reihen der AUR: Hier werden Persönlichkeiten kritisiert, die nicht der „richtigen“ ethnischen Gruppe angehören. Oft wird behauptet, er habe die Bauernführer Horea, Clo{ca und Cri{an hinrichten lassen. Aber nur dank der Portraits, die er damals anfertigen ließ, wissen wir heute, wie die drei aussahen. Das zeigt uns, dass Brukenthal ein genialer und visionärer Mensch war: Er war sich der Tatsache bewusst, dass es irgendwann einmal eine Emanzipationsbewegung der Rumänen geben würde. Es ist kein Zufall, dass ebendiese Gemälde, die Brukenthal bei seinen Malern am Hof des Gouverneurs von Siebenbürgen in Auftrag gab, auch die bekanntesten sind.
Was leitet sich für Sie aus alldem ab?
Ich glaube, dass es genau unsere Aufgabe für die Zukunft ist, die Rolle Brukenthals aufzuzeigen. Denn hätte er keine Werke von Van Eyck gesammelt, könnte sich das heutige Rumänien nicht rühmen, an einer Ausstellung teilzunehmen, die der Retro-spektive von Van Eyck in der National Gallery gewidmet ist: einer Retrospektive, an der das Metropolitan Museum, wir und auf internationaler Ebene kaum jemand sonst noch beteiligt ist. Das ist nur ein Beispiel. Das heißt, wir, die heutigen Rumänen, als Nation, sind Baron Samuel von Brukenthal zu Dank verpflichtet. Denn über die Zeit hinweg, nach so vielen Jahren, können wir dank ihm auf äußerst repräsentative Sammlungen stolz sein, die jedem Museum der Welt zur Ehre gereichen würden. Eben auch jenseits der sächsischen Komponente, jenseits seiner ethnischen Zugehörigkeit, war er eine äußerst relevante Persönlichkeit für alles, was die Geschichte Mittel- und Südosteuropas ausmacht.
Konkret?
Brukenthal baute im 18. Jahrhundert Orangen, Ananas und Zitronen an, während man in anderen Regionen Rumäniens im Schlamm und in Hütten lebte. Das heißt, wir müssen den gesunden Menschenverstand haben, seinen Wert anzuerkennen, auch im Hinblick auf die Forschung, die er betrieben hat. Einige der Innovationen, die er eingeführt hat, haben sich in unserer Region bewährt, andere konnten sich nicht durchsetzen. Es ist sehr wichtig zu würdigen, wie ein Mensch, der Politiker war – aber ein Mensch von „kulturellem Wesen“ – die Initiative ergriff, Dinge zu tun, die für Siebenbürgen weit über dem Niveau der Gesellschaft lagen, in der er lebte. Das Brukenthalpalais war die Perle. Man nannte es die „Perle von Hermannstadt“. Hier fanden Musikabende statt, die denen in den kaiserlichen oder adeligen Salons im Westen in nichts nachstanden. Durch die Stadt ging man auf Straßen, die nicht einmal gepflastert waren. Die Menschen wateten durch den Schlamm, bis sie vor dem Palast ankamen, um die Soireen zu besuchen, die Brukenthal organisierte – nicht, um anzugeben, sondern um das Niveau der Gemeinschaft zu heben, in der er lebte.





