Es war irgendwo in einem Flughafen-Souvenirladen, als ich einen Spielzeug-Walfisch sah, der aus einer Jeanstasche angefertigt war. Gleich dachte ich daran, dass ich zu Hause in meinem Schrank vielleicht 10 oder 12 Jeans habe, die ich nicht mehr trage. Und dass sie eigentlich ein zweites Leben verdienen würden. Für den Müll ist der robuste Baumwollstoff viel zu Schade. Die Jeans lassen sich vielfältig upcyclen. Auf kreative Weise kann man aus dem Stoff ganz viele nützliche Dinge zaubern – ob hübsche Kosmetiktaschen, praktische Picknickdecken, lustige Stofftiere, Weihnachtsdeko, Blumentöpfe oder Hausschuhe – aus alten Jeans lassen sich Sachen herstellen, die Phantasie kennt keine Grenzen.
Denim ist einfach das perfekte Material für kreative Projekte. Der Stoff ist dick, franst vergleichsweise langsam aus und lässt sich sauber mit einer normalen Haushaltsschere schneiden. Selbst wer keine Nähmaschine besitzt, kann mit wenigen Stichen von Hand oder sogar ganz ohne Nähen neue Dinge herstellen. Deshalb lohnt es sich immer, alte Jeans aufzuheben – beson-ders, wenn sie Löcher oder Flecken an ungünstigen Stellen haben, denn die Beinpartien und Taschenbereiche lassen sich oft noch wunderbar verwerten. Dabei hilft man der Umwelt. Denn hinter dem Denim-Stoff steckt ein enormer Aufwand. Für die Produktion eines einzigen Exemplars fließen Schätzungen zufolge bis zu 10.000 Liter Wasser – vom Baumwollanbau bis zum Färben und Waschen. Wer ein durchgescheuertes Modell einfach entsorgt, wirft also nicht nur Textil, sondern auch Wasser und Energie weg.
Hier (nur) fünf Ideen, wie man seiner alten Jeanshose ein neues Leben schenken kann.
Wand-Organizer aus Jeanstaschen
Die markanten Gesäßtaschen sind fast zu schade, um im Müll zu landen. Mit ein paar Handgriffen werden sie zu einem Organizer für Schreibtisch, Flur oder Kinderzimmer.
So geht es Schritt für Schritt:
1. Die beiden hinteren Taschen großzügig ausschneiden, rund 1 Zentimeter Stoffrand stehen lassen.
2. Einen Kork- oder Holzrahmen nehmen – alternativ ein altes Brett.
3. Die Taschen mit Textilkleber aufkleben oder mit Reißzwecken befestigen.
4. Trocknen lassen und dann befüllen: Stifte, Briefe, Schere, Sonnenbrille, Ladekabel.
Auf diese Weise entsteht in wenigen Minuten ein individuelles Ordnungssystem. Wer mag, kann mehrere Hosen kombinieren, unterschiedliche Blautöne mischen oder die Taschen mit Stoffresten verzieren. Gerade im Homeoffice oder im Kinderzimmer bringt so ein Jeans-Board schnell Struktur in das Chaos auf dem Tisch.
Modische Jeanstasche
Eine Denim-Tasche, die selbst angefertigt wurde, ist der echte Hingucker – ob auf Konzerten, Sommerfesten oder im Büro – je nach Anlass kann man die Tasche gestalten, wie man es sich wünscht. So geht’s:
1. Ein Hosenbein oder die Gesäßpartie einer alten Jeans auswählen. Ein ca. 30 x 20 cm großes Rechteck aus dem Bein herausschneiden.
2. Für die Tasche braucht man zwei gleich große Stücke: Vorder- und Rückseite. Beide kann man schlicht halten oder auf eine Seite eine Gesäßtasche aufnähen – das ergibt ein dekoratives Extra-Fach.
3. Innenfutter hinzufügen – das gibt Stabilität und sieht besonders sauber verarbeitet aus. Dafür zwei Stoffstücke in derselben Größe aus einem Baumwollstoff zurechtschneiden.
4. Reißverschluss annähen: Zuerst jeweils ein Jeansstück rechts auf rechts auf den Reißverschluss legen, feststecken und mit einem Reißverschlussfüßchen entlang der Kante nähen. Darauf achten, dass der Zipper in der Mitte bleibt.
5. Die beiden Rechtecke rechts auf rechts aufeinanderlegen (mit Reißverschluss oben in der Mitte geschlossen!) und die drei offenen Seiten rundherum zusammennähen.
6. Tasche durch den geöffneten Reißverschluss wenden und Ecken gut ausformen.
7. Gurtband oder Gürtelreste an den Seiten annähen – dafür einfach Gurtenden unter die Nahtzugabe schieben und festnähen (mehrfach sichern!).
Jeans als Pflanzgefäß für den Garten
Man kann alten Jeans ein zweites Leben schenken, indem man sie in ein Gefäß für Pflanzen verwandelt. Das gibt dem Garten ein gewisses Etwas. Man braucht zusätzlich ein paar Stiefel, zwei Flaschen Bau-Schaum, einen Spanngurt, einen schweren Stein und einen Gürtel oder ein Tuch. Zuerst sollte man sich überlegen, wie und wohin man die Jeans platzieren möchte. Am häufigsten wird wohl die Sitz-Variante gewählt.
1. Zunächst werden die Stiefel mit etwas Zeitungspapier ausgestopft und die Hosenbeine der Jeans hi-neingesteckt. Jetzt füllt man die Jeans mit dem Bau-Schaum auf und zwar ganz hinauf bis zum Gesäß. Allerdings am Ende nur sparsam, da ja noch die Blumenschale hinein soll.
2. Nachdem die Blumenschale in den Bund gesetzt wurde, setzt man die Jeans in die gewünschte Position auf einen Stuhl und legt einen schweren Stein in die Blumenschale. Es empfiehlt sich, mit einem Spanngurt um die Taille herum die Jeans festzubinden.
3. Bau-Schaum ist flexibel, und nur so bleibt die Jeans in der gewünschten Position. Während der Trocknungszeit von ca. 48 Stunden sollte man regelmäßig die Jeans kontrollieren, falls sich der Gurt löst, der Stein verrutscht oder dergleichen. Nur so ist garantiert, dass die Jeans ihre Form behält. Durch diese Art der Füllung darf die Jeans das ganze Jahr draußen bleiben, ohne dass es zu unliebsamen Überraschungen kommt. Natürlich kann man Stroh oder Erde in Müllsäcken als Füllung verwenden, allerdings kann es hier über die Zeit zu Schimmelbildung kommen.
4. Nach der Trocknungszeit werden Stein und Spanngurt entfernt. Und schon darf die Jeans in den Garten, wo die Pflanzschale in den Bund platziert wird. Durch die Gürtelschlaufen kann man einen alten Gürtel oder ein Tuch durchziehen, wodurch die Abdrücke des Spanngurtes verdeckt werden. Zusätzlich wirkt es etwas authentischer. Wer mag, kann weitere Dekorationen an der Jeans anbringen.
Weihnachtsdeko
Innerhalb weniger Minuten kann man eine alte Jeanshose in traumhafte Weihnachtsdeko verwandeln. Und obwohl bis Weihnachten noch sehr lange Zeit ist, kann man auch im Sommer mit dem Basteln anfangen. So geht´s:
1. Aus Papier einen Kegel formen. Damit das Papier nicht wieder auseinander rollt, kann man es mit einem Stück Klebeband fixieren.
2. Mit einer Schere das überflüssige Papier so abschneiden, dass ein Papierkegel stehen kann.
3. Alte Hose am Hosenbein aufschneiden und gleichgroße Stofffetzen zurechtschneiden.
4. Die Stofffetzen mit einer Heißklebepistole senkrecht am Papierkegel festkleben. Am besten unten anfangen. In Reihen vorgehen und darauf achten, dass keine Lücken entstehen und die Stoffstücke übereinander lappen. So bekommt der
Papierkegel den typischen Tannen-Look.
Picknickdecke
Mehrere kleine Jeansstücke zusammengenäht, ergeben eine schöne Tagesdecke oder Picknickdecke. Füge dazu die in Quadrate oder Rechtecke geschnittenen Stoffstücke zunächst zu langen Streifen zusammen und nähe anschließend die Streifen aneinander. Mit einer zusätzlichen Stofflage auf der Unterseite wird die Decke dicker; heraus kommt eine praktische Wendedecke.
Was tun mit Reststücken und noch tragbaren Jeans?
Bevor die Schere ansetzt, lohnt ein kurzer Check: Ist die Jeans nur an manchen Stellen dünn, lässt sich reparieren oder kürzen? Kleine Risse können mit Flicken oder dekorativen Patches überdeckt werden. Wenn der Schnitt noch modern ist und der Stoff insgesamt in Ordnung, passt ein Verkauf oder eine Spende an soziale Einrichtungen.
Erst stark abgenutzte Modelle landen im Upcycling-Stapel. Aus größeren, flachen Stücken lassen sich zum Beispiel:
* Untersetzer für Gläser und Tassen
* Waschpads zum Abschminken oder Lappen
* kleine Beutel für Kabel, Spielzeug oder Reiseutensilien
* Haargummis, indem man Denimstreifen um ein Gummiband näht
Ganz kleine Reste dienen als Füllung für Türstopper, Nadelkissen oder Kuscheltiere. So schrumpft der Restemüll deutlich. Wer regelmäßig näht, legt sich eine Kiste mit Stoffresten an – Jeansreste sorgen darin für Stabilität, etwa beim Auspolstern von Taschen oder Sitzkissen.
Warum sind Jeans blau?
Der Hosenklassiker war früher die Arbeitskleidung von Goldgräbern. Denim besteht in seiner traditionellen Form aus reinster Baumwolle und war somit weiß. Für Arbeiter eine eher ungünstige Farbe. Um den Stoff zu färben, wurden Indigoblätter verwendet. Das Dunkelblau kaschierte den Schmutz beim Goldgraben und ist bis heute das Markenzeichen der Jeans.
Denim, Jeans und Strauß
Auch wenn die Jeans ursprünglich aus den USA kommt, war ihr Erfinder ein deutscher Auswanderer namens Löb Strauß – später bekannt geworden als Levi Strauß. Heute kommt der Jeansstoff überwiegend aus Ägypten, Indien oder den USA.
Früher kam das Material zur Jeansherstellung hauptsächlich aus der französischen Stadt Nîmes. Aus „Serge de Nîmes“, also Gewebe aus Nîmes, wurde die amerikanisch verkürzte Form Denim. Das Wort Jeans leitet sich hingegen von „Gęnes“, französisch für Genua, ab. Die italienische Stadt war im 19. Jahrhundert für ihre robusten Baumwollhosen bekannt. So wurden aus „de Nîmes“ und „Gęnes“, Denim und Jeans.







