Die Stadt Temeswar/Timișoara beteiligte sich Mitte Januar an der ersten großen Tourismusmesse des Jahres. Laut Bericht der Organisation für Reisezielmanagement (OMD) Temeswar haben über 71.000 Menschen den gemeinsamen Stand der rumänischen Städte Temeswar, Großwardein/Oradea und Hermannstadt/Sibiu in den Tagen der Ferien-Messe in Wien besucht. Österreicher unterschiedlicher Alters wollten wissen, wie man in die Bega-Stadt kommt, was man vor Ort machen kann, wie das Essen ist, wie die Menschen sind. Nach dem Kulturhauptstadtjahr 2023 soll die Stadt Temeswar weiterhin im Scheinwerferlicht stehen, neue Stadtbesucher aus dem In- und Ausland, Geschäftsleute und Investoren heranziehen. Was sich die OMD Temeswar in dieser Hinsicht vornimmt hat die Managerin Laura Boldovici innerhalb eines Gesprächs mit der ADZ-Redakteurin Andreea Oance verraten.
Mitte 2023 wurde entschieden, den Verein zur Förderung der Stadt Temeswar in einer Organisation für Reisezielmanagement (OMD) umzuwandeln. Ende des Jahres 2023 haben Sie dann die Leitung derselben übernommen. Was ist Ihre Aufgabe und wie funktioniert diese Organisation?
Die OMD ist ein positives Beispiel für eine öffentlich-private Partnerschaft und die offizielle Institution, die für die Tourismusförderung der Stadt zuständig ist. Die auf Initiative des Bürgermeisteramts von Temeswar gegründete OMD entwickelt und implementiert gemeinsam mit privaten Partnern aus dem Tourismussektor die lokale Strategie zur Entwicklung des Tourismus vor Ort. Außerdem arbeiten wir eng mit den Spezialisten aus der Gewerbeindustrie (HoReCa) zusammen, um das Serviceangebot für Besucher zu verbessern. Mit all diesen Initiativen wollen wir Temeswar nicht nur als attraktives Reiseziel, sondern auch als wichtiges Kultur-, Wirtschafts- und Investitionszentrum positionieren. Aber unsere Rolle ist viel mehr als das, sie besteht auch darin, die lokale, nationale und internationale Gemeinschaft auf die Stärken unserer Stadt aufmerksam zu machen. Temeswar ist nicht nur eine Stadt, in der man Urlaub oder eine Städtereise machen kann, sondern auch eine hervorragende Stadt, um zu studieren, um sich niederzulassen oder um ein Unternehmen zu gründen.
Was sind Ihre persönliche Ziele als Managerin der Organisation?
Zunächst einmal wollte ich ein starkes Team aufbauen, das aus leidenschaftlichen und engagierten Menschen besteht, mit denen ich an der Verbesserung des Images von Temeswar arbeiten kann. Bei der Förderung einer Stadt geht es nicht nur um Marketingkampagnen, sondern auch um die Schaffung einer kohärenten Identität und die Entwicklung von Projekten, die einen echten Einfluss da-rauf haben, wie die Stadt von Touristen und Einwohnern sowie von Menschen aus dem In- und Ausland wahrgenommen wird.
2023, das Jahr der europäischen Kulturhauptstadt Temeswar , war das Jahr, in dem die ganze Welt auf die Stadt an der Bega aufmerksam wurde. Wie schafft es die OMD, das Interesse an Temeswar aufrecht zu erhalten? Wie war das Jahr 2024 im Vergleich zu 2023?
Die Werbung für Temeswar wurde zu lange vernachlässigt, so war 2023 ein wichtiger Wendepunkt. Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene wurde Temeswar zu einem immer attraktiveren Reiseziel. Im Jahr 2024 gab es zwar keine Veranstaltungen mehr in der Größenordnung des Kulturhauptstadtjahres, aber die Zahl der Touristen stieg weiter an, was bestätigt, dass unsere Werbestrategie funktioniert. Wir konzentrieren uns darauf, die Sichtbarkeit der Stadt durch On-line-Kampagnen, die Teilnahme an Tourismusmessen und die Entwicklung touristischer Produkte zu stärken, die den Besuchern einen Grund zum Wiederkommen geben. So haben wir allein im vergangenen Jahr an sieben internationalen Tourismusmessen teilgenommen, von Barcelona bis Mailand oder Stuttgart bis London. Darüber hinaus haben wir Online-Kampagnen in mehreren Ländern durchgeführt, aus denen Touristen gewöhnlich nach Temeswar kommen. Das Ergebnis sahen wir in den letzten Monaten des letzten Jahres, als uns jeder sagte, dass die Stadt voller Touristen sei und man überall Leute in allen unterschiedlichen Sprachen reden hörte. Und ja, wir hatten auch viele glückliche Hoteliers. Das heißt aber nicht, dass wir die rumänischen Touristen vernachlässigen, ganz im Gegenteil.
Was macht Temeswar für Touristen attraktiv? Was suchen die Einheimischen im Vergleich zu den Touristen aus dem Ausland?
Die rumänischen Touristen werden von den lokalen Besonderheiten angezogen und davon, was Temeswar von anderen Städten in Rumänien unterscheidet. Kürzlich sagte mir jemand aus Bukarest, dass „Temeswar wie der Westen ist, aber mit Menschen, die Rumänisch sprechen“, was ich für eine sehr treffende Beschreibung halte.
Andererseits interessieren sich ausländische Touristen mehr für die Geschichte, das Kulturerbe, die Gastronomie und die kulturellen Erfahrungen der Stadt. Sie sind es, die das Touristen-Infozentrum besuchen, um sich über Führungen, Veranstaltungen und Museen zu informieren. Im Allgemeinen wollen ausländische Touristen eine breitere Erfahrung machen, die es ihnen ermöglicht, die Identität der Stadt besser zu verstehen. Sie werden von der Revolution von ´89 angezogen, und ich freue mich, dass das Bürgermeisteramt mit der Arbeit am Revolutionspfad beginnen wird, von dem ich überzeugt bin, dass er ein großer Gewinn sein wird, um noch mehr Touristen nach Temeswar zu locken.
Wer besucht uns am häufigsten?
Temeswar hat im Vergleich zum nationalen Durchschnitt einen sehr hohen Anteil an ausländischen Touristen – etwa 25 Prozent auf Kreisebene, und der Anteil ist in der Stadt noch höher. Die meisten Touristen kommen aus Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und dem Vereinigten Königreich, aber in den letzten Jahren haben wir einen deutlichen Anstieg der Besucher aus Serbien und Ungarn zu verzeichnen. Früher kamen sie für Tagesausflüge, aber jetzt entscheiden sich immer mehr dafür, ein ganzes Wochenende in Temeswar zu verbringen. Das wollen wir noch mehr fördern.
Für diejenigen, die uns schon einmal besucht haben, warum sollten sie hierher zurückkommen?
Weil Temeswar eine sich ständig verändernde Stadt ist und man nie alles auf einmal sieht. Es gibt immer neue Angebote, neue Attraktionen, neue Orte, die darauf warten, entdeckt zu werden. Es ist das gleiche Prinzip, warum wir Temeswarer immer wieder nach Wien oder Budapest fahren: weil es da immer etwas Neues zu entdecken gibt oder weil wir Orte, die uns fasziniert haben, wieder besuchen wollen. Von Jahr zu Jahr sehen wir renovierte Gebäude, neue Straßen und Fußgängerzonen, modernisierte Parks, wiedereröffnete Kinos, neue kulinarische Verlockungen, attraktive kulturelle Initiativen. Temeswar ist im Frühling und im Sommer ganz anders als im Winter. Beim ersten Besuch geht es darum, die Sehenswürdigkeiten zu entdecken, und bei den folgenden Besuchen geht es darum, sich mit dem Geist des Ortes und den einzigartigen Erfahrungen, die die Stadt bietet, zu verbinden.
Was sind die Stärken der Stadt und wie werden sie genutzt?
Von absolut spektakulärem Essen bis hin zu kulturellen Veranstaltungen auf europäischem Niveau, von architektonisch beeindruckenden Gebäuden bis hin zu großzügigen Grünflächen, hat Temeswar alles zu bieten. Temeswar verfügt über eine gute Infrastruktur mit schnellen Autobahnanschlüssen, einem internationalen Flughafen und einem vielseitigen öffentlichen Verkehrssystem, zu dem auch der öffentliche Schiffsverkehr auf dem Bega-Kanal gehört - einzigartig in Rumänien. Wir sind auch eine multikulturelle Stadt, was uns hilft, Touristen aus der ungarischen, serbischen, deutschen und österreichischen Gemeinschaft anzuziehen. Außerdem verfügen wir über wichtige natürliche Ressourcen wie Thermalwasser, das den Wellnesstourismus fördert, und einen der längsten grenzüberschreitenden Radwege Europas, der Temeswar mit Serbien verbindet.
Was sind die Minuspunkte der Stadt? Wie kann das geändert werden?
Zu den größten Herausforderungen gehören die schlechte Bahnanbindung, die begrenzten internationalen Flüge und das Fehlen von 5-Sterne-Hotelketten im Stadtzentrum. Darüber hinaus sind einige wichtige Sehenswürdigkeiten für Besucher noch immer nicht zugänglich. Das sind alles Probleme, an denen wir arbeiten müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt im Tourismus zu steigern.
Im letzten Jahr war die Tätigkeit des OMD in der Stadt und darüber hinaus sehr sichtbar. Sie waren auf verschiedenen Tourismusmessen im In- und Ausland vertreten, Sie haben die Koordination des Touristeninformationszentrums von Temeswar übernommen, Sie haben einen originellen Souvenirshop eröffnet. Wie geht es weiter?
Wir konzentrieren uns darauf, Temeswar auf nationaler und internationaler Ebene durch Online-Kampagnen, Tourismusmessen und Projekte zu fördern, die da-rauf abzielen, Touristen, Investoren und junge Fachleute anzuziehen. Unser Ziel ist es, den Bekanntheitsgrad der Stadt zu erhöhen und die Besuchererfahrung durch einen einfachen Zugang zu Informationen, eine verstärkte Online-Präsenz und die Entwicklung innovativer Tourismusprodukte zu verbessern. Wir arbeiten mit lokalen Partnern zusammen, um Temeswar zu einem Top-Reiseziel sowohl für Touristen als auch für diejenigen zu machen, die hier leben und arbeiten. Ein wichtiges Projekt, an dem wir arbeiten, ist ein interaktives Kindermuseum, ein moderner Raum, der die Attraktivität der Stadt erhöhen wird. Wir wollen auch die örtliche Gemeinschaft einbeziehen, um den Stolz der Temeswarer auf ihr Erbe zu steigern und die Stadt zu einem Ort zu machen, an dem es sich zu leben, zu schaffen und zu investieren lohnt. Temeswar muss eine Stadt sein, in der sich sowohl die Einwohner als auch die Besucher wohlfühlen und für die sie werben. In all diesen Richtungen sorgen wir dafür, dass Temeswar nicht nur eine schöne Stadt ist, die man besuchen kann, sondern auch ein Ort, an dem es sich zu leben, zu schaffen und zu investieren lohnt.
Was ist Ihre langfristige Strategie?
Temeswar ist nicht nur ein Ort mit einem beeindruckenden architektonischen Erbe und einer faszinierenden Geschichte, sondern auch ein lebendiges Kulturzen-trum, ein Zentrum der Innovation und ein Ort, an dem sich Tradition und Moderne harmonisch verbinden. Unser Ziel ist es, Temeswar zu einem unumgänglichen Reiseziel in Rumänien und Europa zu machen. Wir haben alle Voraussetzungen, um Touristen anzuziehen, aber damit die Stadt ihre Position auf dem nationalen und internationalen Tourismusmarkt festigen kann, muss eine kohärente, nachhaltige und langfristige Strategie umgesetzt werden.
Um ein erstklassiges Reiseziel zu werden, muss Temeswar leicht erreichbar sein, sowohl von anderen Städten Rumäniens als auch von den großen europäischen Hauptstädten. Wir machen uns die Tatsache zunutze, dass wir nicht mehr an den Grenzen anstehen müssen, denn dies ist ein wertvolles Argument für diejenigen, die einige Stunden von uns entfernt sind. Eine weitere wichtige strategische Ausrichtung ist die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung in die Entwicklung des Tourismus. Eine einladende und touristenfreundliche Stadt ist eine Stadt, in der die Einwohner selbst stolz auf ihr Erbe und ihre Kultur sind. Sie werden also sehen, dass wir zunehmend in der Gemeinschaft präsent sind, denn unsere Inspiration kommt von den Menschen.