Falsche Liebhaber, Fake-Dienstleister, erfundene Erbschaften: Wie man Online-Betrüge erkennt und vermeidet

Einige wichtige Tipps, um nicht auf die psychologischen Tricks hereinzufallen

Leider erscheint eine Warnung wie diese nicht, wenn man am Handy oder Laptop persönliche Daten eingibt, Geld überweist oder auf einer gefälschten Internetseite einkauft. Deshalb gilt: immer genau prüfen, wer Daten oder Geld verlangt. Das Geld kann mit einem Klick weg sein. | Foto: pixabay.com

Vor einigen Jahren erschien mir in den sozialen Medien immer wieder Werbung für eine bekannte Sportmarke. Es gab gerade ein unschlagbares Angebot. Also legte ich gleich mehrere Paar Wanderschuhe in den Warenkorb – für die ganze Familie. Ein Schnäppchen. Dreimal versuchte ich, die Bestellung per Homebanking zu bezahlen, doch jedes Mal wurde die Zahlung verweigert. Empört rief ich bei meiner Bank an. Erst dort erfuhr ich, dass das Sicherheitssystem die Überweisung blockiert hatte: Die Internetseite war als verdächtig eingestuft worden. Neue Schuhe hatten wir zwar keine, dafür aber unser Geld noch auf dem Konto.

Seither informiere ich mich immer über die Online-Geschäfte, die sehr verlockende Angebote haben. Inzwischen sind Online-Kriminelle aber deutlich raffinierter geworden. Sie fälschen nicht nur täuschend echte Internetseiten, verschicken E-Mails mit angeblichen Millionenerbschaften, die man angeblich bekommt, nachdem man fiktive Gebühren bezahlt. Heutzutage senden sie SMS im Namen von Banken oder Paketdiensten und setzen auch Künstliche Intelligenz ein, um über Persönlichkeiten für fragwürdige Geldanlagen zu werben. Die sozialen Medien sind voller solcher Scams. Das Ziel ist dabei immer dasselbe: Vertrauen gewinnen und so schnell wie möglich an Geld oder persönliche Daten gelangen. Und sie haben damit Erfolg. Die Betrüger sind in transnationalen Unternehmen organisiert, die mit Schwachstellen bei Nutzern sowie in Finanzsystemen weltweit spekulieren. 

Nach Daten der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) ist bereits jeder vierte EU-Bürger mindestens einmal Opfer eines Online-Betrugs geworden. 

Internetbetrug ist längst kein Randphänomen mehr. Die Europäische Polizeibehörde Europol warnt, dass Künstliche Intelligenz und soziale Netzwerke Betrügern neue Möglichkeiten eröffnen, Vertrauen zu erschleichen und ihre Opfer zu manipulieren.

Auch in Amerika ist die Situation alarmierend. Laut dem Internet Crime Complaint Center (IC3) des FBI wurden allein 2023 in den USA mehr als 880.000 Fälle von Internetkriminalität gemeldet, wobei sich der Schaden auf über 12,5 Milliarden US-Dollar belief.

Die häufigsten Betrugsversuchen sind, außer dem Phishing (Datenklau), die Anlagebetrügereien. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt, weil viele Betroffene den Betrug aus Scham gar nicht melden.

Psychologische Tricks

Wer glaubt, auf solche Tricks nicht hereinzufallen, kann sich täuschen. Denn Betrüger scheinen sich gut mit Psychologie auszukennen. Sie spielen mit Zeitdruck sowie mit Angst, Einsamkeit oder Hilfsbereitschaft, gewinnen das Vertrauen der Nutzer und versprechen schnelle Gewinne oder außergewöhnliche Schnäppchen. Das wirkt verführerisch, sodass nicht nur Nutzer, die technisch wenig versiert sind, zum Opfer werden. Auch gut ausgebildete und digital erfahrene Menschen fallen auf solche Betrugsmaschen rein, Professoren, Ärzte, Anwälte – denn es geht um Psychologie, es geht um Emotion.

Das Schnäppchen, das nie ankommt

Gefälschte Online-Shops gehören nach wie vor zu den häufigsten Betrugsmaschen. Wie das Geschäft mit den Schuhen, das ich für echt hielt. Die Internetseiten sehen professionell aus, verwenden Logos bekannter Marken und locken mit Rabatten, die kaum zu glauben sind. Nach der Bezahlung wird entweder gar nichts geliefert oder nur billige Fälschungen. Oft verschwinden die Seiten nach wenigen Wochen wieder aus dem Netz.

Ratschlag: Um das zu vermeiden, sollte man immer das Impressum überprüfen – viele falsche Seiten geben keine oder unvollständige Kontaktdaten an, sind also nicht zu finden. 

Wirkt das Angebot unglaubwürdig gut, zu gut um wahr zu sein, kann man den Namen der Internetseite zusammen mit Begriffen wie „Erfahrungen“ oder „Betrug“ im Internet recherchieren und überprüfen, ob sie nicht bereits als verdächtig eingestuft wurde.

Experten empfehlen bei Internetseiten, die man nicht kennt, die Vorkasse auf jeden Fall auszuschließen.

Mugur Isărescu empfiehlt Aktien 

Eine der neuesten Betrugsmaschen setzt auf Künstliche Intelligenz. Beim Scrollen durch soziale Netzwerke erscheinen Persönlichkeiten, die für Online-Investitionsplattformen werben. So warb noch bis Anfang des Jahres Mugur Isărescu, Gouverneur der Rumänischen Nationalbank, für garantierte Gewinne auf einer Investitionsplattform. Man erhielt den Eindruck, das Investitionsprogramm werde von staatlichen Stellen unterstützt und verspreche hohe Gewinne in sicherer Kryptowährung. Tatsächlich handelte es sich aber um ein Deepfake, ein künstlich erzeugtes oder manipuliertes Video. 

Im Februar warnte die Nationalbank vor dem falschen Video und mahnte Nutzer bei Gewinnversprechen, die mit prominenten Persönlichkeiten werben, misstrauisch zu sein.

Nach Angaben des rumänischen Cybersicherheitsunternehmens Bitdefender wurden allein über eine einzige Meta-Seite rund 130 betrügerische Anzeigen verbreitet. Ziel ist es, Nutzer zu einer ersten Einzahlung zu bewegen und persönliche Daten zu sammeln. Anschließend folgen häufig weitere Forderungen wie etwa angebliche Steuern, Freischaltungsgebühren oder Transaktionskosten. Dabei üben sie einen hohen Zeitdruck auf den Nutzer aus, der aus einem Impuls handelt, ohne lange nachzudenken oder zu recherchieren. Die Cyberkriminellen bewegen die Nutzer dazu, freiwillig wichtige Daten und Geldsummen zu geben. So nehmen manche Opfer sogar Kredite auf, um die online verlangten Summen zu begleichen und warten dann aber vergeblich auf den versprochenen Gewinn.

Ratschlag: Wer in Aktien, Kryptowährungen oder andere Finanzprodukte investieren möchte, sollte nicht allein auf Werbung in sozialen Medien vertrauen. Seriöse Finanzdienstleister verfügen über eine Zulassung der zuständigen Finanzaufsicht und versprechen keine schnellen oder garantierten Gewinne. Wer sich unsicher ist, sollte den Anbieter vor einer Überweisung überprüfen. Bekannte und regulierte Börsen gelten als sicherer.

Wer keinerlei Erfahrung mit Aktien oder Kryptowährungen hat, sollte besonders misstrauisch werden, wenn hohe Gewinne ohne Risiko versprochen werden.

Die Masche mit der Liebe

Aber nicht immer geht es Betrügern um schnelle Gewinne. Manchmal investieren sie Wochen oder sogar Monate, um das Vertrauen ihrer Opfer zu gewinnen. Beim sogenannten Romance Scam oder Love Scam geben sich Betrüger in sozialen Netzwerken oder auf Dating-Plattformen als Traumpartner aus. Sie erzählen von ihrem Beruf im Ausland, schicken Fotos, schreiben täglich Nachrichten. Sie machen Komplimente und bauen eine scheinbar enge Beziehung auf. Erst wenn Vertrauen aufgebaut wurde, folgt die Bitte um Geld für angebliche Operation, Flugtickets, eingefrorene Bankkonten oder andere Notlagen.

Studien zeigen, dass Opfer solcher Betrügereien keineswegs leichtgläubiger sind als andere Menschen. Vielmehr nutzen Täter gezielt emotionale Bindungen aus und schaffen Situationen, in denen rationale Entscheidungen zunehmend schwerfallen. 

Ratschlag: Fachleute empfehlen, skeptisch zu werden, sobald ein ausschließlich online geführter Kontakt Geld verlangt oder persönliche finanzielle Probleme schildert. Ein Videoanruf oder ein persönliches Treffen können helfen, gefälschte Identitäten frühzeitig zu erkennen.

Wenn Spenden in die falschen Hände geraten

Betrüger nutzen auch Hilfsbereitschaft aus. Nach Naturkatastrophen, Kriegen oder anderen Krisen tauchen regelmäßig gefälschte Spendenaufrufe auf. Sie verbreiten sich über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste oder E-Mails und nutzen erschütternde Bilder sowie emotionale Geschichten, um Menschen zu schnellen Überweisungen zu bewegen.

Ratschlag: Wer spenden möchte, sollte die Internetseite der Organisation selbst aufrufen und das Konto dort überprüfen – nicht auf Links in sozialen Netzwerken vertrauen. 

Schockanrufe von falschen Polizisten

Vor Jahren war in Rumänien die Masche sehr bekannt, dass vor allem ältere Menschen telefonisch über den Unfall eines engen Verwandten benachrichtigt wurden. Für die Rettung des Verletzten sei Geld nötig, das sofort auf ein bestimmtes Konto überwiesen werden müsse. Viele fielen damals darauf ein.

Eine moderne Variante, die auch auf Schock und Zeitdruck setzt, ist ebenfalls ein Telefonat, in dem die Kriminellen sich als Polizisten, Staatsanwälte oder Bankmitarbeiter ausgeben und behaupten, das eigene Geld auf der Bank sei nicht mehr sicher. Die Opfer sollen Bargeld oder Schmuck zur „Sicherung“ übergeben oder Geld auf ein angeblich sicheres Konto überweisen.

Ratschlag: Die Polizei weist seit Jahren darauf hin, dass sie niemals Bargeld oder Wertgegenstände an der Haustür entgegennimmt oder telefonisch dazu auffordert. Genau wie Banken verlangt sie weder PINs noch Passwörter am Telefon.

Wer einen solchen Anruf erhält, sollte das Gespräch beenden und selbst die bekannte Telefonnummer der Polizei oder der Bank wählen. Es ist sehr wichtig, sich nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen, um einen klaren Blick auf die Situation behalten zu können.

Warum funktionieren diese Tricks?

Ob Fake-Shop, Deepfake-Video, Liebesbetrug oder Schockanruf – die Geschichten unterscheiden sich, die Mechanismen kaum. Betrüger setzen fast immer auf dieselben menschlichen Reaktionen: Vertrauen in Autoritäten, Angst, Mitgefühl, Einsamkeit oder die Hoffnung auf einen besonders guten Deal. Hinzu kommt der Zeitdruck. Cybersicherheitsexperten sprechen deshalb von „Social Engineering“. Gemeint ist damit die gezielte Manipulation von Menschen, nicht von Computern. Das erklärt auch, warum technische Schutzprogramme zwar wichtig sind, allein aber nicht ausreichen. Daher gilt immer: Angebote stets überprüfen und eventuell mit Familie, Freunden oder Beamten besprechen. Und unbedingt eine Nacht über jede Entscheidung schlafen – Zeit und Abstand können die Augen öffnen. 


Um Finanzbetrug zu erkennen und zu vermeiden sollte man: 

– misstrauisch gegenüber unbekannten Absendern oder E-Mails bleiben (Rechtschreibfehler und ungewöhnliche Absenderadressen sind ein Warnsignal)

– keine Links von Unbekannten öffnen

– persönliche Daten niemals über unsichere Kanäle weitergeben (SMS, Whatsapp etc.)

– unrealistische Gewinnversprechen kritisch hinterfragen – hohe Gewinne ohne Risiko sind ein Warnsignal

– dringenden Handlungsdruck vermeiden (z. B. „Ihr Konto wird gesperrt“)

– Anbieter auf Lizenzen und regulatorische Zulassungen kontrollieren

– in Kundenbewertungen und Vergleichsplattformen recherchieren

– Impressum überprüfen – es soll vollständig sein

– keine Vorkasse! 

– man sollte sichere Zahlungsmethoden nutzen wie etwa Kreditkarten