Der ehemalige polnische Präsident, Symbol des antikommunistischen Kampfes und Friedensnobelpreisträger, vergleicht die Atmosphäre während des Treffens zwischen Selenskyj und Trump mit derjenigen während der Verhöre der ehemaligen kommunistischen Sicherheitskräfte.
Warschau (ADZ) - Der ehemalige polnische Präsident Lech Walesa, der eine Schlüsselrolle beim Fall des eisernen Vorhangs und des Kommunismus spielte, hat einen offenen Brief an Donald Trump geschickt, der von 39 anderen ehemaligen polnischen politischen Gefangenen unterzeichnet ist. Darin bringt er seine Abscheu über die Art und Weise zum Ausdruck, wie der US-Präsident Wolodymyr Selenskyj während seines Besuchs im Weißen Haus behandelt hat.
„Wir haben Ihr Gespräch mit dem Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, mit Entsetzen und Abscheu verfolgt. Wir finden es beleidigend, dass Sie erwarten, dass er Respekt und Dankbarkeit für die materielle Unterstützung zeigt, die die Vereinigten Staaten der Ukraine in ihrem Kampf mit Russland gewährt haben. Dankbarkeit gebührt den heldenhaften ukrainischen Soldaten, die ihr Blut zur Verteidigung der Werte der freien Welt vergossen haben“, schrieb Walesa an Trump. „Wir verstehen nicht, wie der Führer eines Landes, das das Symbol der freien Welt ist, dies nicht sehen kann“, fügte er hinzu.
Atmosphäre wie bei Verhören des kommunistischen Sicherheitsdienstes
Walesa verglich die Atmosphäre während des Gesprächs im Oval Office mit der Atmosphäre “die wir gut kennen - aus Verhören des Sicherheitsdienstes und den Verhandlungskammern der kommunistischen Gerichte. … Wir sind schockiert, dass Präsident Wolodymyr Selenskyj auf die gleiche Weise behandelt wurde”, betont der Nobelpreisträger.
Die Unterzeichnenden hätten sich während des Gesprächs auch an die polnische kommunistische Geheimpolizei erinnert, die immer unterstreichen musste, dass sie „alle Karten“ in der Hand habe.
Walesa erinnerte US-Präsident Trump an die wichtige Rolle der Vereinigten Staaten beim Sturz der Sowjetunion, einem „Bösen Reich“, wie es von Präsident Ronald Reagan beschrieben wurde, ein Land mit „Millionen versklavten Menschen“ und „Tausenden von politischen Gefangenen“. Ebenfalls erinnerte er an die ständige Zusammenarbeit zwischen Europa und den Vereinigten Staaten entlang der Geschichte und unterstrich, dass die Sicherheit der Vereinigten Staaten weit über dessen Grenzen hinausgehen würde und nur in Zusammenarbeit mit anderen Ländern gewährleistet werden könne.
Unterstützung und Sicherheitsgarantien „bedingungslos“ einhalten
Die Unterstützung für ein Land wie die Ukraine, das sich seit Jahren in einem Angriffskrieg wehrt, sollte nicht bedingt werden, sondern sei „selbstverständlich“, erklärten die Unterzeichnenden, ebenso, wie man Menschenleben nicht in Geld messen könne, fügten diese hinzu, in Anspielung auf den von Trump angestrebten Rohstoffdeal als Bedingung für weitere materielle Unterstützung.
Die der Ukraine bereits beim Zusammenbruch der Sowjetunion versprochenen Sicherheitgarantien seien „bedingungslos“ einzuhalten und nicht „als wirtschaftlicher Austausch zu betrachten“, schlussfolgert der offene Brief.