Wer glaubt, dass es der DIICOT („eine Struktur des Öffentlichen Ministeriums, spezialisiert auf die Bekämpfung und Untersuchung von Gesetzes-übertretungen im Bereich organisierter Kriminalität und des Terrorismus, (...), mit dem Ziel, organisiertes Verbrechen (...) zu zerschlagen“) in der die Nation erregenden Causa der illegalen Altenheime im Landeskreis Bihor um moralische/juristische Feinheiten geht, der dürfte auf dem Holzweg sein.
Einerseits: ja, der „gute Samariter“ Viorel Pașca aus dem Landeskreis Bihor hat für tausende Mitbürger, mit denen keiner mehr etwas zu tun haben wollte (oder konnte) besten Wissens und Gewissens erträgliche Lebens- (und implizite: Sterbe-)Bedingungen geschaffen in seiner Sozialsiedlung, die er ohne Staatshilfe aufgebaut und betrieben hat. Aber auch ohne jede bürokratische Genehmigung, etwa nach dem Prinzip: Wer Gutes tut, dem kann das nicht als Fehler angekreidet werden. Zum Strick gedreht schon.
Pa{ca hat dem Staat einen Riesendienst erwiesen, indem er jeden aufnahm, mit dem die staatlichen Betreuungseinrichtungen nichts mehr anzufangen wussten/wollten. Ihm die Hilfsbedürftigen einfach vor die Tür setzten. Das ist eindeutig ein Scheitern der einschlägigen staatlichen Betreuungseinrichtungen, die für tausende Hilflose der Hilflosesten da sein müssten.
Ist gelebte Menschlichkeit also ein Verbrechen? Ist die von Pașca in seinen nicht allzu durchdachten öffentlichen Erklärungen gezeigte Empathie ein Strick, den man ihm dreht? Schuld?
Der an dieser Stelle schon öfter zitierte Schriftsteller und Philosoph Andrei Cornea zitiert im Bezug auf den Fall Pa{ca eine Legende, die sich um die beiden Gold-Cherubim auf der Deckplatte der Bundestruhe dreht, die seit der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar 587/586 vor Christus verschollen ist. Zwei Cherubim sollen den „Gnadenstuhl“ (Luther) der Deckplatte der Bundeslade, die laut Bibel etwa 130x80x80 cm groß, aus Akazienholz und goldbeschlagen war, beidseitig mit ihren Flügeln beschützt haben, da in der Mitte des Deckels die Herrlichkeit/„Einwohnung“ Gottes dargestellt war, die Schechina. Ein Cherubim stellte das Gesetz dar, sein Gegenüber das Mitleid, die Empathie. Solange die beiden Cherubim einander von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, geht alles gut in der Welt. Wendet sich einer ab, egal ob „Gesetz“ oder „Mitleid“, gerät die Welt aus den Fugen. Leider geraten die beiden Cherubim auf dem Deckel der Bundeslade ab und an in fâché. Dann wird das Gesetz mechanisch, nach Wortlaut, nicht nach Wortsinn, angewandt und das Mit-Leid wird übergangen. Aber auch wenn das Mitleid (in welcher Form auch immer ...) sich unbefugterweise in Gesetzesangelegenheiten einmischt, kracht´s im Weltenlauf.
Was tut Rumänien nun mit seinem „guten Samariter“, der in die Krallen der DIICOT geraten ist? (Zu fragen ist vorher aber, wer DIICOT gerade auf diesem „Samariter“ – zum zweiten Mal in zwei Jahren! – „gehetzt“ hat, denn man nimmt an, dass es mehrere „Samariter“ dieser Art in Rumänien gibt, der, Zufall oder eher nicht, aus demselben Landeskreis kommt, von wo auch Interim-Regierungschef Ilie Bolojan nach Bukarest gelangte, der Buhmann der unter Grindeanu immer zweilichtiger werdenden PSD ... Pașca nahm jeden auf, der ihm vor die Tür seiner Sozialsiedlung gesetzt wurde, unterstützt von vielen Freiwilligen (die für ihn Zeugnis ablegen), brachte die Leute unter, ernährte sie, stellte (viele freiwillige) Ärzte zur Verfügung, versuchte, ihnen ein halbwegs lebenswertes Leben zu sichern. Dass das auch was kostete ... wo gibt´s was gratis? Dass er auf deren geringe Einkünfte zurückgriff – von wo sonst, außer Spenden?
Der Philosoph Cornea, vorsichtig, weil auch ihm die Klarsicht in dieser Causa nicht ganz gegeben ist: Das „Gesetz“ wurde „umgangen“, zugunsten des „Mitleids“. Wo liegt´s Verbrechen?





