Die rumänische Eisenbahngesellschaft unternimmt derzeit über die Infrastruktursparte der Rumänischen Eisenbahnen CFR Infrastructur˛ Temeswar/Timișoara wichtige Infrastrukturarbeiten in der Region sowie in der Bega-Stadt: Die Modernisierungsarbeiten am Temeswarer Nordbahnhof schreiten voran und sollen noch in diesem Sommer abgeschlossen werden, wobei auch das Großprojekt zur Erneuerung der Bahnstrecke zwischen Karansebesch und Arad via Temeswar auf jeweiligen Abschnitten im vollem Gange ist.
Im Jahr 1897 wurde nach Entwurf des ungarischen Architekten Ferenc Pfaff der Bahnhof von Temeswar gebaut – ein monumentales Gebäude, das damals viele Bahnhöfe in Westeuropa übertraf. Durch die Bombardierung während des Zweiten Weltkriegs wurde der Bahnhof 1944 fast vollständig zerstört. Nach dem Krieg wurde der Bahnhof teilweise wiederaufgebaut. In den 70er Jahren wurde die Architektur des Bahnhofs grundlegend verändert und in seine heutige Form gebracht. Nun soll die Ansicht des Hauptbahnhofs von Temeswar von Neuem geändert, moderner und funktionsfähiger umgestaltet werden.
Nach einem erfolglosen Sanierungsversuch im ersten Jahrzehnt der 2000er Jahre wurde das Sanierungsprojekt im Jahr 2020 wieder aufgenommen. 2023 begannen schließlich die Sanierungsarbeiten, die für die Infrastruktur des Gebäudes und für die Umwandlung des Bahnhofs in ein modernes europäisches Konzept so notwendig waren. Die Baufirma, die das Projekt nach der Ausschreibung gewonnen hat, ist ein Joint-Venture unter der Leitung von CONSTRUCTIM SA. Die Ausführungsdauer der Arbeiten beträgt 18 Monate, wobei die Finanzierung von 21,5 Mio. Lei aus eigenen Mitteln der rumänischen Eisenbahn CFR erfolgt. „Ziel der Sanierung ist es, optimale Bedingungen für die Ausübung von Tätigkeiten im Gebäude zu gewährleisten und das Gebäude auf die von der geltenden Gesetzgebung geforderten Qualitätsstandards zu bringen“, so die Vertreter von CFR Infrastructur˛ Temeswar.
Der Temeswarer Nordbahnhof besteht aus fünf Gebäuden. Die Arbeiten begannen mit der Wärmedämmung aller Fassaden, um die Gebäude thermoenergetisch effizient zu machen, gefolgt von der Verkleidung mit dekorativen Fliesen und Glaspaneelen. „Auf dem Gebäudekörper C1 wurde eine Reihe von monokristallinen Fotovoltaikpaneelen (116 Stück - 500 W) installiert, um einen Teil des Energiebedarfs für den Eigenverbrauch des Bahnhofs zu decken. Wir können sagen, dass der Nordbahnhof Temeswar der erste Bahnhof in Rumänien ist, der grüne Energie aus seinen eigenen Sonnenkollektoren erzeugt und nutzt“, sagte Miruna Coandă seitens CFR Infrastructur˛ Temeswar der ADZ gegenüber.
Die gesamte Renovierung des Nordbahnhofs umfasst eine Fläche von etwa 7000 Quadratmetern. Arbeiten wurden bisher an allen Gebäudefassaden, am Fußgängertunnel und an den Bahnsteigen des Bahnhofs unternommen. Neue Beleuchtungssysteme, Uhren und ein Überwachungssystem wurden installiert sowie eine neue Informationstafel angebracht. Auch der Bahnhofsvorplatz wurde komplett neu gestaltet. Die Pflasterung wurde durch Granit und kubische Steinplatten ersetzt, neue Bänke und eine Grünfläche eingerichtet sowie ein Springbrunnen mit Lichteffekten installiert.
Die Arbeiten an der C4-Fassade, der stadtseitigen Seite, an der auch die Haupt-Bahnhofsuhr angebracht werden soll, werden derzeit abgeschlossen. Allein beim Gebäude C3 gibt es Verzögerungen. „Hier gab es einige Probleme mit der Aufschüttung des Materials, die eine Verkleidung der Fassaden mit Travertinfliesen nicht zuließen. Daher werden zunächst Arbeiten zur Verstärkung der Fassaden des C3-Körpers durchgeführt. Diese zusätzlichen Arbeiten verlängern die Laufzeit des Vertrags ein wenig, aber das ist unumgänglich“, so Miruna Coandă. Laut der Vertreterin der Eisenbahngesellschaft sei der Stand der Modernisierungsarbeiten am Nordbahnhof etwa um 85 Prozent abgeschlossen: „Am Ende des Projekts werden wir einen modernen Bahnhof haben, der europäischen Standards entspricht. Das Projekt wird jedoch mit anderen Arbeiten fortgesetzt, die aus europäischen Mitteln finanziert werden“.
Umfassendes Projekt Teil des TEN-V-Netztes
Umfangreiche Sanierungs- aber auch Ausbauarbeiten werden auch an der Eisenbahnlinie, die Temeswar von einem Ende zum anderen durchquert, unternommen. Der umfassende Modernisierungs- und Sanierungsprozess ist Teil des Gesamtprojekts zur Erneuerung der Bahnstrecke Karansebesch – Temeswar - Arad.
Dieser Eisenbahnabschnitt ist Teil des Korridors Ost/Östliches Mittelmeer, der zu den neun Korridoren des mitteleuropäischen Teilnetzes des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V) gehört. Die neue Verkehrsinfrastrukturpolitik der EU zielt darauf ab, ein starkes europäisches Verkehrsnetz in allen Mitgliedstaaten aufzubauen, um Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Dieses Netz wird Ost und West miteinander verbinden und den derzeitigen Verkehrsbereich durch ein europäisches Netzwerk ersetzen.
Das neue TEN-V-Kernnetz wird durch ein umfassendes Netz regionaler und nationaler Strecken unterstützt. Ziel ist es, dass bis 2050 die meisten europäischen Bürger und Unternehmen nicht mehr als 30 Minuten Fahrzeit von diesem umfassenden Netz entfernt sind. Insgesamt wird das neue Verkehrsnetz die folgenden Vorteile bieten: sicherere und weniger überfüllte sowie reibungslosere und schnellere Fahrten.
Das Projekt zur Erneuerung der Bahnstrecke Karansebesch – Temeswar – Arad ist in vier Abschnitte eingeteilt: Der 1. Abschnitt des Projekts – Karansebesch – Lugosch/Lugoj (39,56 Kilometer) - umfasst sechs Bahnhöfe, zwölf Brücken und 19 Fußgängerbrücken. Dieser Abschnitt befindet sich derzeit in der Baustellenorganisationsphase. Die Arbeiten werden in Kürze mit der Instandsetzung der Leitungen im Bahnhof Karansebesch beginnen. Voraussichtlicher Fertigstellungstermin ist 2027. Der 2. Abschnitt Lugosch - Temeswar Ost ist mit einem Realisierungsgrad von 24 Prozent weiterhin am weitesten fortgeschritten. Die Strecke beträgt 53,91 Kilometer – sieben Bahnhöfe, elf Brücken und eine Überführung. In der letzten Zeit wurden an den Bahnhöfen Lugosch, Belinț, Chizătău, Topolovăț, Rekasch/Reca{ und Remetea Mare Aufbauarbeiten, Zentralisierungs- und Signalisierungsarbeiten, Bauarbeiten, Verlegungsarbeiten der Versorgungseinrichtungen sowie Arbeiten an Böschungen und Bahnsteigen durchgeführt. Auch an den Brücken über die Flüsse Temesch und Bega schreiten die Arbeiten voran. Voraussichtlicher Fertigstellungstermin ist hier das Jahr 2026. Der dritte Abschnitt, Temeswar Ost – Ronatz Triaj (13,86 Kilometer), umfasst fünf Bahnhöfe, drei Brücken, drei Stege, vier Überführungen und fünf Unterführungen. Die Arbeiten liegen bei 14 Prozent. Die voraussichtliche Fertigstellung ist auch hier 2026. Abschnitt 4 - Ronatz Triaj-Arad (51,86 Kilometer) - fünf Bahnhöfe, sechs Brücken, 30 Stege, fünf Überführungen und elf Unterführungen. Auch hier ist die Fertigstellung für 2026 festgelegt worden. Arbeiten an Bahndämmen, Überführungen und Brücken (fortgeschrittene Arbeiten an der Brücke über den Marosch-Fluss), die Verlegung von Versorgungseinrichtungen und der Bau von technischen Straßen im Zusammenhang mit der neuen Bahnstrecke werden durchgeführt. Die Arbeiten liegen bei sieben Prozent.
Bahnüberführungen entlang von Temeswar
Die Baumaßnahmen auf dieser wichtigen Bahnstrecke Karansebesch – Arad haben auch Auswirkungen auf den Temeswarer Straßenverkehr: Mehrere Bahnüberführungen werden entstehen; einige bestehende Bahnübergänge werden entfernt. Einer der am häufigsten genutzten Bahnübergänge, jener in der Avram-Imbroane-Straße, wird stillgelegt. „In der Gegend des Jagdwaldes wird die P˛durea-Verde-Allee als einziger Bahnübergang mit Schranken und akustischen Signalen erhalten bleiben. In der Ghe.-Adam-Straße, im Bereich der Continental-Reifenwerke, wird eine neue Überführung gebaut, die sowohl Fahrbahnen als auch separate Wege für Fußgänger und Radfahrer umfassen wird. Der nächste Bahnübergang in der Avram-Imbroane-Straße (bei Amazonia) wird nicht mehr in Betrieb sein, da er sich in unmittelbarer Nähe der neuen Überführung befindet. In der Heinrich-Baader-Straße wird eine weitere Straßenüberführung errichtet, die laut den Plänen des Bauunternehmens auch mit Aufzügen ausgestattet sein wird, um den Zugang für Fußgänger und Radfahrer zu erleichtern“, sagte Adrian Bodaș, Vertreter der Infrastruktursparte der Rumänischen Eisenbahnen, der ADZ gegenüber.
Ein weiterer Bahnübergang, der stillgelegt wird, ist jener in der Rosetti-Straße im Stadtteil Ronatz/Rona]. Er soll durch eine neue Straßenüberführung ersetzt werden, „die die Comorii-Straße mit der Radu-de-la-Afumați-Straße verbinden wird. Zudem wird die derzeitige Bahnkreuzung an der Nationalstraße 6 durch eine neue Straßenüberführung ersetzt, was sowohl den Straßenverkehr als auch die Verkehrssicherheit optimiert“, so Bodaș weiter.
Zusätzliche Modernisierungen betreffen auch bestehende Eisenbahnbrücken über zentrale Straßen der Stadt. Die Auswirkungen dieser Bauarbeiten auf den Straßenverkehr sind jedoch gering und beschränken sich auf punktuelle Sperrungen während der Bauphase. Ein Beispiel dafür ist die Popa-Șapcă-Unterführung, die bereits kurzzeitig gesperrt wurde. Im Eisenbahnsektor wird die Kapazität der bestehenden Bahnstrecke verdoppelt, sodass der Verkehr künftig auf zwei Gleisen statt nur einem Gleis geführt wird.
„Die bestehenden Unterführungen an der Popa-Șapcă-, Alexandru-Ioan-Cuza-, Ghe.-Lazăr-, Brediceanu- und Jiul-Straße bleiben bestehen, werden aber modernisiert. Die gesamte Eisenbahnlinie, die diagonal durch die Stadt verläuft, wird auf zwei Gleise erweitert. Bereits vor wenigen Wochen wurden erste Bauarbeiten an der Popa-Șapcă-Bahnüberführung durchgeführt, wo das erste Tragwerk für das neue Gleis installiert wurde. Da die Bahnplattform verbreitert wird, besteht ausreichend Platz für diese Erweiterung“, betonte Bodaș.
Neue Zwischenstation in der Innenstadt
Der dritte Abschnitt dieses Großprojekts bringt auch eine absolute Neuigkeit mit sich, nämlich eine neue Bahnhaltestelle im Bereich des Botanischen Parks. Es wird eine Zwischenstation sein, die aus Bahnsteigen der beiden Linien besteht, mit Zugangstreppen von der Pictor-Zaicu- und A.I.-Cuza-Straße.
Die wichtigsten Arbeiten befinden sich jedoch im Bereich des Nordbahnhofs, wo die wichtigsten Veränderungen stattfinden werden. Der unterirdische Fußgängerweg, der alle Bahnsteige verbindet, wird aufgrund der neuen Konfiguration der Gleisanlage teilweise abgebaut und ein zentraler Zugangsweg zwischen der Halle des Passagiergebäudes und den geplanten Zwischenbahnsteigen gebaut. „Um die Öffentlichkeit für den Bahnverkehr zu gewinnen, wird gleichzeitig vorgeschlagen, den direkten Zugang zum Personenbahnhof auch vom nördlichen Teil der Stadt aus zu ermöglichen, indem diese Fußgängerbrücke verlängert und gleichzeitig ein neues Bahnhofgebäude gebaut wird“, erklärte Adrian Bodaș der ADZ. Das neue Gebäude soll an der Nera-Straße gegenüber dem CFR-Stadion entstehen. Das neue Bahnhofgebäude wird das bestehende Hauptgebäude ergänzen und sich über zwei Ebenen erstrecken (Erdgeschoss und erstes Stockwerk). Auch eine Tiefgarage ist im Plan.