Siebenbürger Erbe im Fokus

Neuer Bildband von Martin Rill vorgestellt

Das 336 Seiten starke Hardcover-Buch ist erhältlich unter www.siebenbuergen-buch.de

 

In seinem über 330 Seiten umfassenden Buch „Das Harbachtal, das Kaltbachtal und der Krautwinkel“ widmet der Historiker Martin Rill diesen Regionen eine detaillierte Chronik und vereint das kulturelle Erbe der Siebenbürger Sachsen in einem präzisen Werk.

Das Buch, das am 11. März im Bukarester Bauernmuseum unter Redebeiträgen von Museumsdirektor Virgil Ni]ulescu sowie den Museologen Ligia Fulga und Ioan Opriș vorgestellt wurde, ist das Ergebnis jahrelanger akribischer Forschung und beleuchtet die Ursprünge, die historische Entwicklung, die Kulturgüter und die Geschichten dieser Orte. Ergänzt wird es durch zahlreiche Fotografien, Karten und Luftaufnahmen, die in der Vergangenheit aus rumänischen Militärhubschraubern von Georg Gerster aufgenommen wurden. Zusammen ergibt sich ein eindrucksvolles Bild der Landschaft der Region und ihrer wechselvollen Geschichte.

Mit Akribie gegen das Vergessen

Martin Rill ist ein Mann, dessen berufliche Reise und Leidenschaft für Geschichte und Kunstgeschichte sich über Jahrzehnte erstrecken. Nach seinem Hochschulabschluss in diesen Disziplinen führte ihn sein Weg als wissenschaftlicher Mitarbeiter ins Brukenthalmuseum in Hermannstadt/Sibiu. In dieser Funktion war Rill mitverantwortlich für die Pflege und Dokumentation des Kulturerbes der Region. Seitdem widmet er sich der Erhaltung und Erforschung von historischen Denkmälern und Kunstwerken, darunter vor allem der Wehr- und Sakralarchitektur Siebenbürgens.

Seine Motivation für die Arbeit, die er heute aus dem Ruhestand ausübt, ist eine tief verwurzelte Überzeugung: Das kulturelle Erbe darf nicht vergessen werden oder verfallen, sondern muss für kommende Generationen erhalten bleiben und verstanden werden. Dabei geht es ihm nicht nur um wissenschaftliche Forschung, sondern auch um den praktischen Beitrag zur Erhaltung und Restaurierung.

Ein Wettlauf gegen den Verfall

Rills Arbeitsweise ist das Resultat jahrelanger akribischer Forschung und Dokumentation. Anfangs erfolgte die Sammlung der Informationen noch klassisch mit Stift und Papier, später wurde die Arbeit durch digitale Methoden und Datenbanken erweitert. In der Praxis begibt sich Rill regelmäßig vor Ort, um den aktuellen Zustand der Denkmäler zu überprüfen und zu dokumentieren. Er erfasst den Ist-Bestand der Gebäude und vergleicht ihn mit historischen Quellen.
Doch die Herausforderungen sind vielfältig: Oft ist die Substanz der Gebäude durch jahrzehntelangen Verfall und unsachgemäße Reparaturen stark beschädigt. Viele der während der kommunistischen Zeit verwendeten Materialien, wie etwa Zementputz, haben sich als ungeeignet erwiesen, da sie die Feuchtigkeit halten und das Mauerwerk weiter beschädigen. In seiner Arbeit nutzt er traditionelle Baumethoden und arbeitet mit Restauratoren, Handwerkern und Kunsthistorikern zusammen, um die Gebäude in ihrem ursprünglichen Zustand wiederherzustellen.

Erfolge gab es viele, doch Rill betont, dass der Prozess langwierig ist und von Rückschlägen begleitet wird. Besonders stolz ist er auf die Restaurierung der Kirchenburgen an Orten wie Schönberg/Dealu Frumos. Dort konnten dank der Kombination aus fachlicher Expertise und der Einbeziehung der lokalen Gemeinschaft zahlreiche Denkmäler gerettet werden.

Ein herausragendes Beispiel ist die Kirchenburg in Schönberg, die auch das Cover des Bandes ziert und zwischen 2010 und 2014 mit EU-Mitteln umfassend restauriert wurde. Bereits seit 2007 dient sie zudem als Ausbildungsort für Architekturstudenten, die hier praktische Erfahrungen sammeln können. Doch nicht nur sie profitieren von diesem historischen Bauwerk: Die Heimatortsgemeinschaft Schönberg setzt sich engagiert für den Erhalt und die Pflege der Kirchenburg ein, um sie als identitätsstiftenden Ort für die Gemeinschaft zu bewahren.

Die Wirkung auf die Region und ihre Menschen

Rills Arbeit hat nicht nur architektonischen Wert, sondern auch tiefgreifende soziale und kulturelle Auswirkungen. Die lokale Gemeinschaft profitiert auf vielfache Weise von den Restaurierungsprojekten. Besonders bemerkenswert ist, wie die Menschen vor Ort zunehmend das kulturelle Erbe als Teil ihrer Identität und ihres Lebensraums begreifen. In einigen Regionen übernehmen die Dorfgemeinschaften sogar die Verantwortung für die Pflege der Kirchen und Denkmäler, was zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls beiträgt.

Darüber hinaus ist die Arbeit von Rill ein Anstoß für den Tourismus, der in einigen abgelegenen Dörfern ein beachtliches Wachstum erlebt hat. In Schönberg, einer der restaurierten Gemeinden, wurden im letzten Jahr über 14.000 zahlende Besucher gezählt. Das hat nicht nur der Wirtschaft einen Schub gegeben, sondern auch das kulturelle Erbe zu einem lebendigen Teil der Region gemacht.

Die finanzielle Seite

Die Restaurierung von Denkmälern ist eine kostenintensive Angelegenheit und Rill hat sich auf verschiedenen Wegen um die Finanzierung dieser Projekte bemüht. Ein großer Teil der Gelder kommt aus der Europäischen Union, da viele Projekte als Teil des europäischen Kultur- und Erbeprogramms gefördert werden. Darüber hinaus gibt es staatliche Förderungen vom rumänischen Nationalen Denkmalinstitut (INP), das die Erhaltung des kulturellen Erbes unterstützt.
Rill hebt jedoch hervor, dass trotz der finanziellen Unterstützung durch öffentliche und private Stiftungen, darunter die Deutsche Kulturstiftung und die Stiftung Kirchenburgen in Hermannstadt, die Mittel oft nicht ausreichen, um den enormen Aufwand und die Kosten für eine vollständige Restaurierung zu decken. Die Herausforderungen der Finanzierung werden durch die unsachgemäßen Restaurierungen der kommunistischen Ära verstärkt, die den Denkmälern zusätzliches, teures Reparaturpotenzial verleihen.

Zusätzlich ist es für Rill von entscheidender Bedeutung, dass lokale Gemeinschaften und Heimatortsgemeinschaften, also ehemalige Dorfbewohner, die inzwischen im Ausland leben, sich aktiv an der Restaurierung und Pflege ihrer historischen Stätten beteiligen. Diese Vernetzung und das gesellschaftliche Engagement haben es vielen Projekten ermöglicht, über die Jahre hinweg fortbestehen zu können. Rill betont jedoch, dass ein nachhaltiger Erhalt weiterhin von einer kontinuierlichen Finanzierung abhängt, um die Denkmäler langfristig zu schützen.

Insgesamt zeigt sich, dass Rills Arbeit nicht nur den Erhalt von Gebäuden sicherstellt, sondern auch zu einer stärkeren Verbindung der Menschen mit ihrem kulturellen Erbe beiträgt und gleichzeitig zur Wiederbelebung von Regionen führt, die durch Abwanderung und Verfall in Vergessenheit geraten sind.
Mit diesem Buch hat Rill einen bedeutenden Dienst an der Geschichtsschreibung der Region geleistet. Es dient nicht nur als wertvolles Nachschlagewerk für die lokale Geschichte, sondern auch als Zeugnis des kulturellen Erbes der Siebenbürger Sachsen. Ein Werk, das die Geschichte einer Region lebendig hält und auch für zukünftige Generationen zugänglich macht.