Stipendien, Jobbörse, Workshops und Debatten

Erstes Poli International Fest fördert interkulturelle Kommunikation, bietet Industriekontakte und Orientierung

Flaggenparade | Foto: die Verfasserin

Am 5. und 6. März hat sich der Campus der Politehnica-Universität in Bukarest in eine internationale Arena für diplomatische Vertretungen und Kulturinstitute, Industrieführer, multinationale Unternehmen, internationale Organisationen und begeisterte Jugendliche verwandelt, die ihre Kräfte bündeln, um eine bessere Zukunft für alle zu gestalten. Die erste Ausgabe des Poli International Fests war dem Ingenieurwesen in Fremdsprachen gewidmet und wurde dreisprachig gestaltet – auf Französisch, Englisch und Deutsch. Im Vordergrund standen die zwischenmenschliche Einigung durch Bildung und kulturelle Vielfalt sowie die Förderung interkultureller Austausche und internationaler Partnerschaften.

Eröffnet wurde das Event in der übervollen Aula Magna der Politehnica mit einem Aufmarsch der Studierenden mit internationalen Fahnen auf die Bühne, der Begrüßung des Universitätsrektors, der Dekanin der FILS und den Reden der diesjährigen Ehrengäste, der französischen diplomatischen, akademischen und wirtschaftlichen Partner der Politehnica, darunter der französische Botschafter Nicolas Warnery, Hassan Abouyoub, Botschafter des Königreichs Marokko und Präsident der Gruppe Frankofoner Botschaften, Eric Poppe, Vertreter der Organisation Internationale de la Fracophonie pour l’Europe Centrale et Orientale (OIF), Laure Castin, Leiterin der Agence Universitaire de la Francophonie Europe Centrale et Orientale (AUF), Adriana Record, Geschäftsführerin der Französischen Wirtschafts-, Industrie- und Landwirtschaftskammer in Rumänien (CCIFER), sowie der deutsche Botschafter Dr. Peer Gebauer und Iuliana Surugiu, Geschäftsführerin des multinationalen Unternehmens SII Rumänien.

Dynamischer Kulturhub und tausend Stipendien

In seiner Eröffnungsrede erläuterte Rektor Dr. Mihnea Costoiu einige Errungenschaften der von ihm geleiteten Bildungsanstalt. Mit ihren 40.000 Studierenden aus Rumänien und weiteren aus fast einhundert Ländern weltweit sei die Politehnica die größte technische Universität auf Regionalebene. Diese vergibt jährlich eintausend Stipendien an ausländische Studierende, die sich in Rumänien ausbilden lassen wollen.

Im Laufe des letzten Jahrzehnts habe man sich bemüht, die Bildungsanstalt als einladenden, flexiblen und dynamischen Kulturhub zu etablieren. Dazu hat die Politehnica mithilfe ihrer Partner einige der spannendsten  Events organisiert, die Tausende Besucher aus dem In- und Ausland auf ihren Campus lockten.

Mehrfache Jubiläen

Heuer begeht Rumänien 145 Jahre seit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen sowohl mit Frankreich als auch mit Deutschland. Seit 30 Jahren arbeiten die Organisation Universitaire de la Francophonie (OUF) und die Agence Universitaire de la Francophonie – Europe Centrale et Orientale (AUF) mit rumänischen Bildungseinrichtungen zusammen. An der Politehnica geht die erste Vorlesung auf Französisch mehr als 150 Jahre zurück und die ersten Kurse auf Deutsch mehr als ein halbes Jahrhundert.

Sprachliche Diversität im Ingenieurwesen

Weiter erwähnte Prof. Dr. Maria-Iuliana Dascălu, Dekanin der mitveranstaltenden Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen in Fremdsprachen, dass an jener Fakultät mit Abteilungen in deutscher, französischer und englischer Sprache über 1600 Studierende aus dem In- und Ausland zusammen lernen, arbeiten und für eine bessere Welt innovieren. Sie bot auch einen Überblick über das Programm des Großereignisses. Die anderen Redner erläuterten kurz die Tätigkeit und Zielsetzung der von ihnen vertretenen Institutionen und griffen einige gemeinsame Themen in ihren Reden auf, wie etwa den aktuellen sozial-geopolitischen Kontext mit der allgegenwärtigen Technologie, künstlicher Intelligenz, aber auch Desinformation. Gepriesen wurden dabei nicht nur das vielfältige Programm des Festivals und dessen Bestrebung, Kulturen, Studierende, Wirtschaftsakteure und Bildungsanstalten miteinander in Verbindung zu bringen, sondern auch die kulturelle und sprachliche Diversität und der Geist der Internationalität, des Friedens und Optimismus, die an der Politehnica herrschen. Der Kernpunkt aller Reden richtete sich an die Jugend, welche sich darauf vorbereiten müsse, die Welt in einer Zukunft im Sinne der Verständigung, Zusammengehörigkeit, Zusammenarbeit, Nachhaltigkeit und des Friedens zu führen. Den Studierenden wurde geraten, vorsichtig mit Information umzugehen und auf autorisierte Informationsquellen zurückzugreifen, zudem von Erasmus-Stipendien und akademischen Austauschprogrammen zu profitieren, um somit andere Menschen, Kulturen und Länder kennenzulernen, ihren kritischen Geist zu üben und sich eine eigene Meinung und Weltauffassung zu bilden. In dieser Hinsicht wurde auch über die Rolle der Bildung in der Entwicklung der Bürger und ihres kritischen Denkens für nachhaltige Entwicklung und Frieden diskutiert.

Hotspot Afrika und Chance Frankofonie

Der marokkanische Botschafter, Hassan Abouyoub, forderte alle Beteiligten zusätzlich auf, ihre Aufmerksamkeit auch auf Afrika zu richten, um die enorme Kluft im Umgang mit den afrikanischen Herausforderungen zu schließen, da Studien zufolge im Jahr 2100 Afrika 40 Prozent der Weltbevölkerung darstellen werde und die Sicherheit in der Region von den Investitionen in den Bau einer für den Frieden notwendigen Brücke abhänge.

Außerdem wurden Studierende über die akademischen und beruflichen Vorteile der Frankofonie informiert, zumal Französisch als internationale Sprache von 321 Millionen Menschen weltweit gesprochen werde.

Musik- und Tanzaufführungen von Studierenden und eine Vorschau auf die Filme der 29. Ausgabe des Französischen Filmfestivals, das zwischen dem 20. und 30. März ausgetragen wird, rundeten die Eröffnungsveranstaltung des internationalen Fests ab.

Bildung, Reisen, Kultur & Kulinarik

Die Fahnenparade vom Auftakt des Events wurde im Freien fortgesetzt. Zusammen mit den stolzen Flaggenträgerinnen und -trägern, in Richtung Rektorat einmarschiert, wurden die Besucherinnen und Besucher am Eingangsflur mit Bildungs- und Reiseangeboten, Stipendienprogrammen sowie Kostproben des jeweiligen Kulturerbes und der Esskultur empfangen, die alle an den Ständen der teilnehmenden diplomatischen Vertretungen und Kulturinstitute präsentiert wurden. Anwesend dabei waren die Botschaften der Französischen Republik, der Bundesrepublik Deutschland, der Königreiche Schweden und Marokko, der Demokratischen Republik Kongo, der Sozialistischen Republik Vietnam, der Volksrepublik China, der Arabischen Republik Ägypten, der Republik Tunesien, des Staats Katar und von Turkmenistan, die Institutionen zur Sprach- und Bildungsförderung Institut Français, L’Agence Universitaire de la Francophonie – Europe Centrale et Orientale (AUF), Campus France, Business France, Goethe-Institut, Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD), British Council sowie das chinesische Kulturzentrum und das türkische Kulturzentrum „Yunus Emre “.

Workshops, Kurse, Messe für Praktika und Jobs

Das Programm des Festivals umfasste eine Messe, auf der wichtige Wirtschaftsakteure Studierende über Praktika und Stellenangebote informierten, sowie Technologieausstellungen, Podiumsdiskussionen, Debatten,  praxisorientierte Workshops, Werkstätten für soziale Kompetenzen, 15-minütige Intensivkurse in vier Fremdsprachen, Wettbewerbe für Schüler und Frankofone.

Von Fahrzeugbau über Robotik zu VR und KI

An den hauseigenen Ständen wurden Auskünfte über das allgemeine Studienangebot der Politehnica erteilt, insbesondere über jenes der Fakultät für Ingenieurwesen in Fremdsprachen und deren Tochterstelle an der Universität Pite{ti, deren Fakultät für Mechanik und Technologie im Rahmen ihres Departements für Fahrzeuge und Transport ein Masterprogramm auf Englisch zu „Fahrzeugbau für nachhaltige Mobilität“ anbietet. Außerdem stellten ebenda die beiden Robotik-Clubs der Universität, Robo Forgers (im Rahmen der FILS) und RoboBadgers sich und ihre jeweiligen Leistungen vor.

In Kurssälen und im Senat-Raum fanden am ersten Veranstaltungstag Schülerworkshops zur virtuellen und erweiterten Realität (VR, AR), Arduino-Programmierung, Elektronik und Sensoren, Erweiterung der Kommunikationsfähigkeiten, Studien- und Karriereorientierung, zu IT-Karrieren in einer von künstlicher Intelligenz (KI) geprägten Welt, die Präsentation von internationalen Stipendien und Studienangebote für frankofone Studierende, eine Feedback-Runde der teilnehmenden Unternehmen und eine Gala der FILS-Alumni statt. Außerdem wurden die Besucher auf eine Führung durch die Forschungszentren der FILS eingeladen.

Am zweiten Veranstaltungstag stellte man die Erasmus+ und DAAD-Austausch- und Doppelstudienprogramme vor und hielt Podiumsdiskussionen zur Änderung der Welt durch künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit in der Gegenwart und zu Fakten und Mythen im Unternehmensumfeld.

Sprachkurse und Wettbewerbe

Parallel dazu liefen an beiden Tagen alle 15 Minuten Intensivkurse mit der jeweiligen Dauer einer Viertelstunde, die in bequemen Sitzsäcken hockende Interessenten in die französische, deutsche, spanische und japanische Sprache einführten. Außerdem wurden zwei Wettbewerbe ausgetragen: der regionale Wettbewerb für wissenschaftliche Plakate in französischer Sprache und der nationale Schülerwettbewerb für die Entwicklung von Handyapps „Hardcore Entrepreneur 5.0“.

Diplomatie, Antike oder Naturwissenschaft?

Im Laufe der beiden Festivaltage konnten darüber hinaus fünf spannende Ausstellungen besucht werden: Die wissenschaftlichen Plakate auf Französisch im Rahmen des erwähnten Wettbewerbs; die Ausstellung zur Jahrhundertfeier des Institut Français in Rumänien, welche die langfristige rumänisch-französische Zusammenarbeit durch historische Dokumente, Kunst und Multimedia, die Frankreichs Werte der Diplomatie und des Wissens widerspiegeln, illustriert; außerdem jene der Botschaft des Königreichs Schweden, betitelt „Forschung und Innovation“, welche Entdeckungen und Innovationen präsentiert, die Schwedens Engagement für Kreativität, Nachhaltigkeit und Fortschritt zeigt; „Bilder in der Wissenschaft“, eine farbenfrohe Fotoausstellung der deutschen Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften und des Goethe-Instituts, welche einen Einblick in die verborgene Schönheit der Welt unter dem Mikroskop gewährt und dabei deutsche Werte der Genauigkeit, Innovation und Neugierde promoviert; und nicht zuletzt eine von den Geschichts-, Kunst-, Theologie- und Philologiehochschulen und dem Verein Historia Renascita gestaltete Archäologie-Ausstellung „Antike kulturelle Schnittpunkte in den Karpaten und an der Niederen Donau“ mit nachgebildeten Artefakten der während der Antike in der Region ansässigen Stämme und Völker.

Das gut besuchte Poli International Fest erwies sich als großer Erfolg schon bei der ersten Ausgabe. Organisatoren der Großveranstaltung waren die Nationale Universität für Wissenschaft und Technologie „Politehnica“ Bukarest, die Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen in Fremdsprachen (FILS), die Botschaft der Französischen Republik, die Europäische Bildungs-, Innovations- und Wissenschaftsallianz (EELISA), der Verband der Studierenden und Absolventen der Frankofonen Abteilung (ASAFF) und zahlreiche Freiwilligen unter den Studierenden. Als Partner des Ereignisses fungierten der Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure und der Europäischen Studierenden des Wirtschaftsingenieurwesens (VWI-ESTIEM), der Club der frankofonen Studierenden der Politehnica-Uni (Franco-Poly) und weitere.