Von Informatik bis Quantencomputing

Studienangebot der HKA in Temeswar vorgestellt

Nach der Präsentation des Studienangebots der HKA unterhielten sich Rebeca Schröder Crespillo und Franz Quint mit den interessierten Lenau-Schülern. Fotos: Die Verfasserin

Nach der Präsentation des Studienangebots der HKA unterhielten sich Rebeca Schröder Crespillo und Franz Quint mit den interessierten Lenau-Schülern. Fotos: Die Verfasserin

Im Festsaal der deutschen Nikolaus-Lenau-Schule in Temeswar/Timișoara liegt am letzten Donnerstag im April eine gespannte, beinahe erwartungsvolle Ruhe in der Luft. Reihenweise sitzen Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen auf den schlichten Holzstühlen, einige mit kleinen Notizblöcken auf den Knien, andere mit ihren Handys, manche mit verschränkten Armen, neugierig, aber noch abwartend. Auf der Bühne leuchtet eine Präsentation an der Wand – sachlich, modern, mit roten Akzenten: Hochschule Karlsruhe (HKA).

Dann tritt ein Mann nach vorne, ruhig, ohne große Geste, und beginnt mit einem Satz, der den Raum sofort verändert: „Mein Name ist Franz Quint und vor 47 Jahren saß ich auch dort. Jetzt bin ich Prorektor der Hochschule Karlsruhe.“ Ein leises Murmeln geht durch die Reihen. Prof. Dr.-Ing. Franz Quint ist kein fremder Gast, sondern einer von ihnen – ein ehemaliger Lenau-Schüler, der seinen Weg gemacht hat. Heute kehrt er zurück, nicht nur als Prorektor, sondern auch als Vorsitzender des Vereins der Freunde der Lenauschule und als Mitglied der großen Lenau-Familie, zu der alle Schüler, Lehrer und Absolventen gehören. 
Er ist angereist, um die Hochschule Karlsruhe vorzustellen und für ein Studium in Deutschland zu werben.  Zu ihm gesellte sich Rebeca Schröder Crespillo, um die HKA den deutschsprachigen Schülern aus Rumänien schmackhaft zu machen. Am Tag zuvor waren sie am Adam-Müller-Guttenbrunn-Lyzeum in Arad, davor noch in Großwardein/ Oradea, wo sie die HKA bei den Schülern des deutschen Friedrich-Schiller-Lyzeums vorgestellt hatten. Die Erfahrung der Vergangenheit hat gezeigt, dass solche Präsentationen tatsächlich Früchte tragen. Drei Absolventinnen aus Rumänien – zwei aus Sathmar/Satu Mare und eine aus Großwardein – ließen sich infolge der erhaltenen Infos an der HKA immatrikulieren. 

Die Hochschule Karlsruhe ist eine der ältesten in Deutschland, 1878 gegründet. Sie bietet 25 Bachelor- und 21 Master-Studiengänge an sechs Fakultäten, besucht wird sie von zirka 7000 Studierenden. Die Folien wechseln, und mit ihnen öffnet sich ein breites Spektrum an Studienmöglichkeiten. Besonders im Fokus stehen die technischen Studiengänge, für die die HKA bekannt ist: Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, Wirtschaftsingenieurwesen. Quint und seine Kollegen betonen die praxisnahe Ausbildung, kleine Jahrgänge von 50-60 Personen und den engen Kontakt zu Professorinnen und Professoren. Auf der Leinwand erscheinen Stichpunkte wie Laborversuche, Projekte und Kooperationen mit der Industrie. Verlockend klingt das Studienangebot auf jeden Fall. 
Ein besonderes Interesse weckt ein vergleichsweise neuer Bereich: Quantencomputing. Noch wirkt das Wort für viele im Saal abstrakt, fast futuristisch. Doch Franz Quint schafft es, das Thema greifbar zu machen: als Schlüsseltechnologie der Zukunft, die neue Karrierewege eröffnet. Man spürt, wie die Aufmerksamkeit im Raum wächst, wie einige Köpfe sich heben, wie Blicke länger auf der Leinwand verweilen. Franz Quint erzählt, dass die Hochschule Karlsruhe gerade dabei ist, einen Quantencomputer zu erwerben, der den Studierenden im Unterricht zu Gute kommen wird. 

Ebenso eindrücklich ist das Modell „Studium plus Ausbildung“. Es verbindet ein klassisches Hochschulstudium mit einer praktischen Berufsausbildung in einem Unternehmen. Der Vorteil: frühzeitige Praxiserfahrung, finanzielle Unterstützung und beste Einstiegschancen in den Beruf. Doch es gibt auch eine klare Bedingung – wer diesen Weg einschlagen will, muss sich früh entscheiden. „Sie müssen sich etwa ein Jahr im Voraus bewerben“, erklärt Rebeca Schröder Crespillo. Für viele im Saal dürfte das ein entscheidender Hinweis sein.

Die Atmosphäre im Festsaal bleibt konzentriert, aber nicht steif. Das Licht fällt weich durch die hohen Fenster, zeichnet helle Streifen auf den Boden. An den Wänden hängen großformatige Bilder, die dem Raum etwas Feierliches verleihen. Lenau-Absolvent Franz Quint lockert die Atmosphäre auf, indem er den Schülern zeigt, dass er sie und ihre Lehrer sehr gut kennt. Diese persönliche Note schafft eine Verbindung, die keine Präsentationsfolie ersetzen kann.
Auch das Thema „Finanzierung“ wird angesprochen. Das Studium ist kostenlos, doch die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und andere Ausgaben sind trotzdem fällig. Mit etwa 700-900 Euro im Monat komme man aber über die Runden. Stipendienprogramme, Unterstützungsmöglichkeiten, internationale Perspektiven – die Botschaft ist klar: Ein Studium in Karlsruhe ist erreichbar, auch für Schülerinnen und Schüler aus Temeswar. Und gerade Lenau-Schülern stünden viele Chancen offen, denn neben den klassischen DAAD-Stipendien gibt es an der Lenau-Schule auch das einzigartige Erich-Pfaff-Stipendium, benannt nach dem langjährigen Schulleiter, das jährlich einem Absolventen zu Gute kommen kann. 

Als der offizielle Teil endet, löst sich die anfängliche Zurückhaltung. Die Reihen lichten sich nicht sofort. Im Gegenteil: viele Schüler treten nach vorne, um sich ein Info-Blatt zu nehmen und zusätzliche Fragen zu stellen. Es bilden sich kleine Gruppen um die Leute aus Karlsruhe. Es werden Fragen gestellt zu Bewerbungsfristen, zu Sprachkenntnissen, zu Wohnmöglichkeiten, zu konkreten Studieninhalten. Franz Quint steht mittendrin, hört zu, antwortet geduldig, ermutigt die Schüler, sich für ein Studium in Karlsruhe zu bewerben. Vielleicht erkennt er sich in dem einen oder anderen wieder – junge Menschen an genau dem Punkt, an dem er vielleicht selbst einmal stand. Am selben Nachmittag gibt es an der Lenau-Schule noch ein Elterntreffen, bei dem auch die Eltern über das Studienangebot informiert werden.

Als sich der Festsaal der Lenau-Schule langsam leert, bleibt der Eindruck einer Veranstaltung, die gleichzeitig auch ein Brückenschlag war: zwischen den beiden Partnerstädten Temeswar und Karlsruhe, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen einem ehemaligen Schüler und einer neuen Generation, die nun vor ihren eigenen Entscheidungen steht.