So wie in den vergangenen Jahren erreichen mich auch heuer immer wieder Fragen nach dem Befinden der Störche. Die vielen Storchenfreunde sollen darauf auch eine Antwort erhalten: Es ist nach dem Störungsjahr 2025 heuer wieder ein gutes Storchenjahr! Das können wir jetzt nach der im Zeitraum 22. bis 28. Juni durchgeführten Storchzählung und deren Aufarbeitung melden.
Wir, das sind meine treuen Storchenfreunde aus Brandenburg, Anselm und Matthias Ewert, die nun seit mehr als 20 Jahren für eine ganze Woche zur Storchzählung nach Hermannstadt/Sibiu kommen, dazu ihr Freund Sven Jonas. Mit ihrem Kleinbus konnten wir dann unsere schon zur Tradition gewordenen Sternfahrten in unseren Kreis durchführen und die Störche in 120 Ortschaften zählen. Dazu kam auch wieder der Achtklässler Andreas Zeck aus Reutlingen, der den dritten Fehltag aus seinem Gymnasium vom Direktor bewilligt bekam. Mit großem Interesse hat uns aber an dem längsten Zählungstag auch die deutsche Konsulin in Hermannstadt, Wiebke Oeser, in alle Dörfer des Oberen Harbachtales begleitet. Auf der Rundfahrt in das Hochland von Törnen/Păuca und die umliegenden Dörfer begleitete uns Gerti Henle, die darüber auch berichtet.
Da besonders gegen Ende dieser Woche die erste Hitzewelle des Jahres schon zu spüren war, hat uns die Klimaanlage im Kleinbus sehr gut geholfen. Wir hatten dabei aber auch den Vorteil, dass die Jungstörche bei Hitze meist stehen und wir sie dadurch leichter zählen konnten. Dort, wo noch ein Altstorch seine Brut im Nest behütete, sahen wir oft, wie dieser seinen Jungen mit ausgebreiteten Flügeln Schatten hielt. Wir dagegen wurden nach den anstrengenden Fahrten liebevoll mit Speis und Trank von Frau Ilse und Tochter Anne erwartet, was wesentlich zur guten Stimmung die ganze Woche über sorgte!
Etwas später hatte ich auch noch die große Hilfe von Bernd Wiserner, mit dem zusammen wir in Großau/Cristian noch alle Nester aufsuchten, die von Miruna Pripoianu (Gritu), der bekannten Storchenbetreuerin, bei ihrer Beringungsaktion nicht gezählt worden waren (Wir zählten in Grossau 50 Nester mit 113 Jungstörchen).
Dass es ein gutes Storchenjahr werden würde, war schon daher anzunehmen, dass es in diesem Jahr nach dem sehr frühen Eintreffen der Störche aus Afrika nicht mehr geschneit hatte. Und noch nie hatten wir in allen drei zu Beginn aufgesuchten Nestern (in Holzmengen/Hosman und Cornățel) je fünf Jungen gezählt!
In der Woche der Storchzählung sahen wir dann noch weitere 20 Fünfer-Bruten und 80 Vierer-Bruten. So ergibt sich für den Kreis Hermannstadt (ohne Großau, von wo wir noch nicht alle Daten erhalten haben) ein durchschnittlicher Bruterfolg der erfolgreich brütenden Paare von 3,25 Jungstörchen. Das ist eines der sehr guten Ergebnisse. Im Vorjahr waren es im Durchschnitt nur 2,25 Jungstörche. In den von uns erfassten 288 besetzten Horsten zählten wir 803 Jungstörche. Die meisten Horste (außer Großau) befinden sich in Orlat (28), Leschkirch/Nocrich (22), Mergeln/Merghindeal (19) und Henndorf/Brădeni (12). Die meisten Jungstörche wuchsen heran in Orlat (76), Leschkirch (57), Mergeln (55), Porumbacu de Jos (31) und Henndorf (30). Wir fanden aber auch in mehreren Dörfern neu errichtete Nester (z. B. in Mergeln, Leschkirch, Henndorf, Burgberg/Vurpăr) oder solche, die wir noch nicht kannten (z. B. in Talmesch/T²lmaciu). Als neue Ortschaft kam Scharosch bei Mediasch hinzu. Alle neuen Horste sind auf Masten gebaut. Dadurch entsteht für die Störche die Gefahr, dass diese Masten durch die Verlegung der Stromleitungen in den Boden ganz verschwinden und durch Beleuchtungsmasten ersetzt werden, auf welche die Störche nicht mehr bauen können. So geschehen in Reußmarkt, wo die Nester laut dortigen Berichten auf andere Masten am Rand der Ortschaft verlegt wurden. Ob der neue Standort von den Störchen aber auch angenommen wird, ist sehr fraglich. Störche stehen unter Naturschutz und ihre Nester dürfen nicht einfach willkürlich verlegt werden! Bei der Bewilligung und Durchführung solcher Projekte sollte das berücksichtigt werden!
In Hermannstadt hatten in diesem Jahr drei der vier brütenden Paare zusammen acht Junge, das Paar auf dem Schlot der Manutan]a blieb ohne Nachwuchs. Leider hat dann eine Windböe bei einem starken Gewitter am 2. Juli das Nest mit zwei Jungstörchen in der Färbergasse zusammen mit einem Teil des Schlotes umgeworfen, wobei die beiden Jungen umkamen. Die Eltern haben aber in den nächsten Tagen in bewundernswertem Einsatz auf der Ruine des Schlotes ihr Nest wieder gebaut! Eventuelle Baumaßnahmen sollten diese Nistmöglichkeit erhalten! (Auf dem daneben befindlichen höheren Schlot, auf dem sich das Nest jahrelang befand, sind die Störche von den Möwen verdrängt worden.)
Immer wieder habe ich mich auf unseren Fahrten an die ersten Jahre meiner Storchzählung erinnert, als ich noch alle Horste suchen musste und zu Fuß durch die Dörfer marschierte. Damals waren die meisten Nester noch auf Scheunen, die man von der Straße aus gar nicht sehen konnte. Ich musste in die Höfe hineingehen oder von den Nachbarhöfen aus auf die Scheunen sehen. Die Nachfrage nach der Anzahl der Jungen blieb oft erfolglos, denn die „Besitzer” des Nestes wussten nicht Bescheid. Geändert hat daran nur, dass heute rund 85% der Horste sich auf Masten befinden, die Nachbarn wissen meist immer noch nicht, wie viele Jungstörche in ihrer Nähe groß werden! Selbst einige wenige Meldungen, die mich erreichen, sind nicht immer zuverlässig. Trotzdem einen herzlichen Dank an alle, die mir mit ihren Beobachtungen und Meldungen geholfen haben, die Storchzählung auch in diesem Jahr erfolgreich durchzuführen! Ganz besonders auch an Max Köber und seine Mutter Doris, die uns mit der Drohnen-Zählung aus Marpod sichere Daten geliefert haben!
Hoffentlich werden nicht auch in weiteren Ortschaften (wie in Reußmarkt) die Stromleitungen ganz in den Boden verlegt, wodurch die Masten verschwinden , und dadurch auch die Nistmöglichkeiten der Störche eingeschränkt würden!








