„Wir müssen zuhören und herausfinden, was junge Menschen bewegt“

ADZ-Gespräch mit Benjamin Neurohr, dem Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat

Der Vorsitzende des Deutschen Regionalforums Banat, Benjamin Neurohr, ist in seiner Freizeit gelegentlich auch als Fremdenführer unterwegs. Foto: Zoltán Pázmány


Benjamin Neurohr (56) gehört zu den engagierten Vertretern der deutschen Gemeinschaft im Banat. Seit April dieses Jahres steht der aus Großsanktnikolaus/ Sânnicolau Mare gebürtige Ingenieur als Vorsitzender an der Spitze des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat und setzt sich für die Interessen der deutschen Minderheit in der Region ein. Darüber hinaus ist er Geschäftsführer des Banater Vereins für Internationale Kooperation „Banatia“ sowie im Literaturkreis „Stafette“ aktiv. Seit Jahren engagiert er sich für die Pflege des banatschwäbischen Erbes, die Förderung der deutschen Sprache und die Stärkung der Beziehungen zwischen den Deutschen im Banat und ihren Landsleuten im Ausland. ADZ-Redakteurin Raluca  Nelepcu sprach mit dem neuen Forumsvorsitzenden über aktuelle Herausforderungen, Zukunftsperspektiven und die Bedeutung des Gemeinschaftslebens für die deutsche Minderheit im Banat.

Was hat Sie persönlich motiviert, für den Vorsitz des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat zu kandidieren?

Vor allem der Zuspruch unserer Mitglieder. Es gab sehr viele Personen, die mich angesprochen und sogar versucht haben, mich davon zu überzeugen, für dieses Amt zu kandidieren. Ich bin ja kein Rentner und habe daher weniger Zeit, als ein Rentner hätte. Außerdem gehe ich einem Vollzeitjob nach. Das bedeutet, dass meine Zeit begrenzt ist. Deshalb musste man mich gewissermaßen erst überreden, denn ich selbst war zunächst nicht davon überzeugt, dass ich die notwendige Zeit dafür aufbringen könnte. Darüber bin ich eigentlich froh, denn ich denke, dass man einiges bewegen und viel Gutes für die Gemeinschaft tun kann.

Welche drei Prioritäten möchten Sie in Ihrer Amtszeit als Erstes angehen?

Zunächst möchte ich unsere Gemeinschaft stärker mit dem Forum verbinden. Immer wieder begegnen uns Menschen mit deutschen Wurzeln oder deutschen Namen, über die wir wenig oder gar nichts wissen.
Dabei sind wir als Deutsches Forum nicht nur für unsere Mitglieder zuständig, sondern für die gesamte deutsche Gemeinschaft im Banat. Wir vertreten sie alle. Damit meine ich nicht nur die ethnischen Deutschen, sondern auch jene Menschen, die sich der deutschen Kultur verbunden fühlen, gerne daran teilhaben und sich engagieren möchten. Ich würde ihnen gerne zuhören und erfahren, was sie bewegt. Letztendlich möchte ich auch herausfinden, ob und wie wir als Forum dazu beitragen können, ihr Leben zu verbessern. 
Die zweite Priorität besteht darin, die Zusammenarbeit mit den Banatern im Ausland und ihren Organisationen zu verstärken. Ich denke dabei insbesondere an die Organisationen der Banater Schwaben und der Banater Berglanddeutschen in Deutschland und Österreich. Diese Zusammenarbeit möchte ich intensivieren.

Die dritte Priorität betrifft organisatorische Fragen. Ich glaube, dass in unserem Forum noch sehr viel ungenutztes Potenzial vorhanden ist. Oft liegt das an mangelnder Information oder an unklaren beziehungsweise wenig transparenten Abläufen. Dadurch bleiben Möglichkeiten ungenutzt. Hier können wir noch einiges verbessern – sei es im Informations-, Termin- oder Personalmanagement. Letztlich geht es darum, festzustellen, wer über welche Kompetenzen verfügt, welche Gruppen wo aktiv sind und wie wir diese Potenziale besser nutzen können. Ziel ist es, die vorhandenen Ressourcen effizienter einzusetzen und einen besseren Überblick zu gewinnen.

Wie könnte das Deutsche Forum junge Menschen stärker einbinden und für die Arbeit des Forums begeistern?

Ich glaube, dass Nachwuchs- und Jugendarbeit ein Problem ist, mit dem heute nahezu jeder Verein in diesem digitalen Zeitalter konfrontiert ist. In den 1990er Jahren war vieles einfacher – auch für uns –, weil es mehr Mitglieder gab. Das galt jedoch generell für Vereine. Heute haben Jugendliche deutlich mehr Möglichkeiten, ihre Freizeit zu gestalten, insbesondere im digitalen Bereich. Gleichzeitig führt das digitale Zeitalter dazu, dass viele Menschen eher für sich allein sind – mit ihrem Handy oder Computer – und weniger physische Gemeinschaft erleben. Dieses Problem betrifft auch uns.

Ich denke, dass hier das gilt, was ich bereits zuvor gesagt habe: Wir müssen zuhören und herausfinden, was junge Menschen bewegt und welchen Wert Gemeinschaft für sie hat.

Wir wissen grundsätzlich, was Gemeinschaft bewirken kann. Doch in einer Zeit, in der sich alles sehr schnell verändert, fällt es gerade den älteren Generationen oft schwer, Schritt zu halten. Deshalb müssen wir uns ständig informieren und weiterentwickeln. Ich denke, dass ein besseres Informationsmanagement ebenfalls dazu beitragen könnte, Jugendliche stärker anzusprechen und sie auch digital besser zu erreichen. Gleichzeitig kann uns die Digitalisierung helfen, Gemeinschaft zu fördern.Das wäre ein wichtiger erster Schritt. 

Gemeinschaft ist aus meiner Sicht entscheidend. Die größere Herausforderung besteht aller-dings darin, sie entstehen zu lassen. Ich erinnere mich noch an die Tanzgruppe „Rosmarein“ in den 1990er Jahren. Damals war das Gemeinschaftsgefühl der wichtigste Antrieb für viele Jugendliche: gemeinsam zu tanzen, gemeinsam aufzutreten und gemeinsam zu reisen.

Heute kann man vieles auch allein erleben. Reisen ist beispielsweise deutlich einfacher geworden als noch vor dreißig Jahren. Umso wichtiger ist die Frage, wie wir Gemeinschaftsgefühl schaffen können, wenn es nicht von selbst entsteht. Wir müssen herausfinden, wie wir den Anstoß dazu geben und die Voraussetzungen schaffen können, damit sich dieses Gefühl entwickelt. Das ist vielleicht die schwierigste Aufgabe, vor der wir stehen.

Zu Ihren Prioritäten haben Sie auch die Beziehungen zu den ausgewanderten Banater Schwaben erwähnt. Wie wollen Sie diese Kontakte pflegen oder intensivieren?

Ich denke, dafür gibt es ein bewährtes Mittel: gemeinsam feiern und einander unterstützen, wenn Hilfe benötigt wird – ganz ähnlich wie in einer Familie.

Wir sind eine Gemeinschaft, auch wenn ein Teil unserer Mitglieder hier lebt und ein anderer Teil in Deutschland, Österreich oder anderen Ländern. Man kann das durchaus mit einer Familie vergleichen. Ich selbst habe Familie in Deutschland, und wir besuchen und treffen uns regelmäßig. Genauso sollten wir es auch innerhalb unserer Gemeinschaft handhaben.

Hinzu kommt ein weiteres Phänomen, das mit der heutigen Mobilität zusammenhängt und das wir der Mitgliedschaft in der Europäischen Union verdanken. Meiner Ansicht nach ist das eine positive Entwicklung. Es gibt Rückkehrer, aber auch Banater Schwaben und Banater Berglanddeutsche, die einen Teil des Jahres in Deutschland oder Österreich und den anderen Teil im Banat verbringen. Sie bewegen sich zwischen zwei Welten und bilden ein wichtiges Bindeglied, das wir nicht übersehen sollten.

Diese Menschen stärker einzubeziehen, wäre ebenfalls eine Möglichkeit, die Beziehungen auf persönlicher Ebene zu intensivieren. Auf institutioneller Ebene funktioniert die Zusammenarbeit bereits gut, doch die zwischenmenschlichen Kontakte sind ebenso wichtig.

Welche bewährten Projekte des Deutschen Forums möchten Sie weiterführen? Gibt es darüber hinaus neue Ansätze oder Ideen?

Grundsätzlich möchten wir alle bewährten Projekte fortführen, denn letztlich setzen sich jene Projekte durch, die sich in der Praxis bewährt haben.

An erster Stelle steht dabei unsere kulturelle Tätigkeit, die wir nicht nur fortführen, sondern nach Möglichkeit auch ausbauen möchten. Dazu gehören einerseits die Pflege von Brauchtum und Traditionen, ande-rerseits aber auch die Förderung neuer kultureller Aktivitäten und kreativer Entwicklungen.

Das geschieht bereits teilweise durch unseren Literaturkreis „Stafette“. Dort entsteht neue Literatur, und das ist ein wichtiger Beitrag zum kulturellen Leben unserer Gemeinschaft. Ich bin jedoch überzeugt, dass unsere Gemeinschaft noch deutlich mehr Potenzial besitzt und dass es weitere Interessen und Talente gibt, die wir bisher institutionell nicht ausreichend gefördert haben. Für neue Ideen möchten wir deshalb offen bleiben und entsprechende Initiativen unterstützen.
Ein weiteres zentrales Anliegen ist die erfolgreiche Fortführung unseres größten Treffens, der Heimattage der Banater Deutschen. Diese finden alle zwei Jahre statt – abwechselnd in Temeswar und Ulm. Die nächsten Heimattage in Temeswar werden im Jahr 2027 veranstaltet.

Dieses Treffen ist für uns von großer Bedeutung, weil es Menschen aus dem gesamten Banat sowie Banaterinnen und Banater zusammenbringt, die heute in anderen Ländern leben. Es ist ein großes Fest der Begegnung und des Austauschs. Gleichzeitig stellt seine Organisation alle zwei Jahre die größte Herausforderung für das Forum dar. Umso wichtiger ist es, dass uns dieses Projekt auch in Zukunft erfolgreich gelingt.

In den ersten Jahren nach der Gründung des Deutschen Forums war die Beziehung des Forums zur deutschen Nikolaus-Lenau-Schule in Temeswar sehr eng. In anderen Ortschaften gibt es nach wie vor enge Beziehungen zwischen den deutschen Schulen und den jeweiligen Ortsforen. In Temeswar scheint diese Verbindung jedoch etwas eingeschlafen zu sein. Gibt es Ihrerseits Ansätze, diese Beziehung neu zu beleben – vielleicht auch, um die Schüler- und Lehrerschaft stärker für das Forum zu begeistern?

Ich denke, dass unter der Oberfläche bereits mehr geschieht, als man auf den ersten Blick wahrnimmt.

Ich habe bereits die „Stafette“ erwähnt. Auf dieser Ebene funktioniert die Zusammenarbeit durchaus gut. Es gibt zahlreiche Schülerinnen und Schüler der Lenau-Schule, die aktiv an den Projekten der „Stafette“ mitwirken oder an deren Schreibwettbewerben teilnehmen. In bestimmten Bereichen besteht also bereits eine enge Verbindung.

Darüber hinaus steht, soweit ich das einschätze, auch an der Spitze der Lenau-Schule ein Generationswechsel bevor – ähnlich wie er bei uns im Forum bereits stattgefunden hat. Wenn neue Personen mit neuen Ideen und neuer Energie Verantwortung übernehmen, ergeben sich möglicherweise auch auf institutioneller Ebene wieder zusätzliche Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass sich hier in den kommenden Jahren neue Perspektiven eröffnen werden.

Wie möchten Sie die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Ortsforen gestalten? Gibt es auch dort neue Ansätze?

Eigentlich gibt es keine grundlegend neuen Ansätze. Vielmehr geht es darum, bewährte Ansätze wieder stärker mit Leben zu füllen. Dazu gehört vor allem das Zuhören. Es bedeutet, häufiger vor Ort zu sein, häufiger das Gespräch mit den Ortsforen zu suchen und ihre Anliegen und Bedürfnisse besser kennenzulernen.

Vieles ergibt sich dann von selbst. Wenn man weiß, was die Menschen vor Ort brauchen, und wenn man die Bedürfnisse des Gegenübers kennt, lassen sich gemeinsame Interessen und Projekte leicht finden. Oft reicht es schon, miteinander ins Gespräch zu kommen, gemeinsam einen Kaffee zu trinken oder sich in ungezwungener Atmosphäre auszutauschen. Das mag einfach klingen, ist aber von großer Bedeutung, denn genau dadurch entsteht Gemeinschaft.

Sie haben bereits die Digitalisierung angesprochen. Gibt es konkrete digitale Projekte oder Kommunikationsstrategien, die Sie verfolgen möchten?

Derzeit verfügen wir noch nicht über eine ausgearbeitete Strategie. Sowohl im Banater Forum als auch im Temeswarer Forum wurden die Vorstände erst kürzlich neu gewählt. Viele Prozesse befinden sich daher noch in der Entwicklungsphase.
Fest steht jedoch, dass die Digitalisierung unsere Kommunikation nach innen und außen zunehmend verändert. Diesem Wandel tragen wir bereits Rechnung. Wir nutzen digitale Kommunikationswege innerhalb unserer Strukturen stärker als bisher und bemühen uns zugleich, auch nach außen moderner und zeitgemäßer zu kommunizieren. In den vergangenen Tagen haben wir unser Team in diesem Bereich bereits neu aufgestellt.

Darüber hinaus beschäftigt mich ein weiteres wichtiges Thema: die digitale Sicherung unseres kulturellen Erbes. Es geht darum, wertvolle Bestände für die Zukunft zu bewahren und sie später im Rahmen digitaler Projekte auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Dafür benötigen wir allerdings eine klare Strategie. Solche Vorhaben sind mit erheblichem Aufwand verbunden. Das eigentliche Problem ist dabei meist nicht der gute Wille, sondern die Frage, wer die Arbeit übernimmt und welche finanziellen und personellen Mittel dafür zur Verfügung stehen.

Aber was könnte man konkret digitalisieren?

Es gibt viele Möglichkeiten. Man könnte Bücher digitalisieren, alte Fotografien archivieren oder Videoaufnahmen von Veranstaltungen sichern. Darauf sind nicht nur Personen zu sehen, sondern oftmals auch Trachten, Bräuche und andere kulturelle Zeugnisse unserer Gemeinschaft.

Wir verfügen über eine lange und vielfältige Geschichte – nicht nur seit der Wende 1989, sondern auch aus den Jahrzehnten davor. Ein großer Teil dieses kulturellen Erbes ist bislang jedoch nicht systematisch digital erfasst und dokumentiert.
Zwar existieren bereits einzelne Filme und Dokumentationen, die auf Plattformen wie „YouTube“ oder „Facebook“ zu finden sind. Sie sind jedoch verstreut und nur schwer zugänglich. Es wäre wünschenswert, eine zusammenhängende digitale Sammlung aufzubauen, die sowohl Außenstehenden als auch Mitgliedern unserer Gemeinschaft einen umfassenderen Einblick in unsere Geschichte ermöglicht.

Ein solches digitales Archiv könnte beispielsweise Dokumente, Gründungsunterlagen, Reden, Fotografien, Filme und viele weitere Materialien umfassen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Das ist im Moment allerdings nur ein erster Ansatz. Wie bereits gesagt, verfügen wir noch nicht über eine konkrete Strategie. Dennoch halte ich es für ein wichtiges Zukunftsprojekt.

Letztlich sind wir Menschen vergänglich. Umso wichtiger ist es, das Wissen, die Erfahrungen und die Zeugnisse unserer Gemeinschaft dauerhaft zu bewahren. Wenn uns das gelingt, könnten diese Materialien künftig auch der wissenschaftlichen Forschung und einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Gibt es eine Frage, die ich Ihnen nicht gestellt habe und die Sie vielleicht erwartet hätten?

Nein, eigentlich nicht. Es gibt so viele Themen, über die man sprechen könnte. Das Forum ist gewissermaßen ein Sammelpunkt für zahlreiche Ideen, Projekte und Tätigkeiten, die auf ganz unterschiedlichen Ebenen stattfinden. Wir könnten noch lange über die verschiedenen Bereiche unserer Arbeit sprechen. Die wichtigsten Themen haben Sie jedoch bereits angesprochen.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Aufgabenfelder. Wir sind die politische Vertretung der deutschen Minderheit und zugleich der deutschen Gemeinschaft im weiteren Sinne. Gleichzeitig sind wir kulturell, gesellschaftlich und auch sozial tätig.

Wir pflegen Beziehungen zu zahlreichen Institutionen. Dazu gehört beispielsweise auch die Kirche, insbesondere die Römisch-Katholische Kirche. Es gibt also viele Bereiche, in denen wir aktiv sind und Verantwortung übernehmen.
Deshalb ließe sich über sehr vieles sprechen. Als Verein berühren wir zahlreiche Aspekte des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Wer einen umfassenden Überblick gewinnen möchte, wird schnell feststellen, wie vielfältig unsere Tätigkeit tatsächlich ist.

Ich denke jedoch, dass unser Gespräch bereits viele wichtige Themen abgedeckt hat. Der zeitliche Rahmen erlaubt es naturgemäß nicht, auf alle Aspekte im Detail einzugehen. Ich bin aber sicher, dass wir in den kommenden Monaten und Jahren noch viele Gelegenheiten haben werden, diese Themen weiter zu vertiefen.

Davon bin ich überzeugt. Wobei mir jetzt doch noch etwas einfällt: Seit einigen Jahren hat das Deutsche Forum keinen Vertreter mehr im Temeswarer Kommunalrat. Gibt es diesbezüglich Überlegungen? Besteht die Möglichkeit, künftig wieder jemanden in den Kommunalrat zu entsenden?

Derzeit haben wir keine konkreten Pläne in dieser Richtung. Wir werden beobachten, wie sich die Situation entwickelt. Im Vergleich zu Hermannstadt befinden wir uns in einer anderen Ausgangslage. Hermannstadt hat im Jahr 2000 eine historische Chance erkannt und hervorragend genutzt.

Zugleich haben das Hermannstädter Forum und das Siebenbürgen Forum in den darauffolgenden Jahren gute Arbeit geleistet, sodass das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler gerechtfertigt wurde. In Temeswar war die Ausgangslage anders. Hier gab es einen Bürgermeister (Anm.: Gheorghe Ciuhandu), der Absolvent der Lenau-Schule war, Deutsch sprach, der viermal wiedergewählt wurde, eine enge Verbindung zur deutschen Gemeinschaft hatte und zudem sehr gute Beziehungen zur deutschen Wirtschaft pflegte. Im Gegensatz zu Hermannstadt konnte man in der Zeit keine Unzufriedenheit der Wähler ausnutzen und dieser Unzufriedenheit die Kompetenz eines Kandidaten des Forums gegenüberstellen. 
Auch heute haben wir in Temeswar wieder einen deutschsprachigen Bürgermeister, der das Thema der deutschen Tradition und Kultur in gewisser Weise repräsentiert. Wenn man jedoch einer kleinen Minderheit angehört, ist es naturgemäß schwieriger, dieses Thema dauerhaft und sichtbar im politischen Raum zu besetzen.

Hinzu kommt, dass wir dies nicht um jeden Preis anstreben. Das Deutsche Forum ist zwar eine politische Vertretung der deutschen Minderheit, versteht sich jedoch nicht als klassische politische Partei. Unser Ziel ist es nicht, möglichst parteipolitisch aufzutreten, sondern durch Kompetenz, Sachlichkeit und konkrete Arbeit zu überzeugen.

In der Vergangenheit gab es vereinzelt Wahlbündnisse mit verschiedenen Parteien. Diese haben teilweise auch positive Ergebnisse gebracht. Allerdings ist ein solches Vorgehen stets ein zweischneidiges Schwert.

Die politischen Parteien in Rumänien genießen derzeit nicht gerade großes Vertrauen. Viele Menschen sind von der Politik enttäuscht. Deshalb muss sehr sorgfältig abgewogen werden, ob ein Wahlbündnis tatsächlich Vorteile bringt oder ob es am Ende mehr Nachteile als Nutzen mit sich bringt.

Wenn wir am Ende Ihrer Amtszeit noch einmal miteinander sprechen: Woran würden Sie persönlich den Erfolg Ihrer Arbeit als Vorsitzender messen?

Entscheidend ist dabei nicht, wie ich selbst meine Amtszeit bewerte. Viel wichtiger ist die Einschätzung unserer Mitglieder und der deutschen Gemeinschaft insgesamt.
Wenn wir am Ende dieser Amtszeit zurückblicken, wird für mich vor allem zählen, welches Feedback wir erhalten. Die entscheidende Frage wird sein, ob die Menschen diese Jahre als eine gute Zeit für die deutsche Gemeinschaft und für das Deutsche Forum in Erinnerung behalten. Daran würde ich den Erfolg meiner Arbeit messen.

Vielen Dank für das Gespräch!