Wort zum Sonntag: Die positive Kraft des Wortes


Wer von Ihnen hat zu Hause einen Garten? Haben Sie schon überlegt, was Sie aussäen werden? Dieses Jahr hatten Sie wahrscheinlich noch kein Samenkorn in der Hand. Es ist ganz klein und sieht nicht viel anders aus als ein kleines Steinchen. Aber in seinem Innern steckt alles, was nötig ist, damit auch große Pflanzen daraus wachsen können. Wir versuchen unseren Beitrag zu leisten, dass es eine gute Ernte wird. Wir gießen und halten Unkraut fern. Aber ohne das, was im Samenkorn schon steckt, können wir so viel vorbereiten und arbeiten, wie wir wollen, es wird nichts wachsen.

In der Bibel taucht das Samenkorn als Vergleich auf – es ist ein Bild dafür, dass im Verborgenen schon etwas Großes angelegt ist. Wir sehen es zwar noch nicht, aber es hat große Kraft und es wird nach und nach wachsen. Im Alten und im Neuen Testament wird der Samen als Bild für das Wort Gottes benutzt. Auch Jesus benutzt dieses Bild. Im Markusevangelium im 4. Kapitel sagt er zum Beispiel: „Der Bauer sät das Wort Gottes aus. (...) Ein Teil wird auf guten Boden gesät. Er steht für die Menschen, die das Wort Gottes hören und aufnehmen. Bei ihnen bringt es viel Ertrag: Manche Pflanzen bringen 30 andere 60 andere sogar 100 Körner.“

Worte können in uns Menschen gepflanzt werden und sie wachsen und bringen Frucht. Auch ein, zwei Sätze können große positive oder auch negative Auswirkungen haben, zum Beispiel, wenn jemand zu mir sagt: „Es freut mich, dass du da bist.“ Oder: „Die letzte Predigt hat mir gut getan“, dann verändern diese Worte mich. Ich bekomme neuen Schwung. Bei Kindern merkt man besonders deutlich, welche Worte sie oft zu hören bekommen. Wenn sie Lob hören, dann können sie sich gut entwickeln. Ihr Selbstvertrauen wächst und auch die Liebe zu ihren Mitmenschen.

Leider kennen wir auch die andere Seite, dass Worte benutzt werden, die verletzen und unsere Motivation oder Freude vertrocknen und verkümmern lassen. Gottes Worte sind Samen, die Gutes in uns wachsen lassen. Gott sagt zu uns: „Du bist mein geliebtes Kind.“ „Du bist wunderbar geschaffen.“ Wenn wir etwas falsch gemacht haben, sagt Gott zu uns: „Ich vergebe dir. Komm, fange noch mal von vorne an.“ Wenn wir Angst haben, sagt er: „Fürchte dich nicht! Ich begleite dich durchs finstere Tal.“

Was passiert, wenn solche Worte in uns auf fruchtbaren Boden fallen? Aus solchen Worten der Liebe wachsen erst einmal in uns wunderbare, positive Kräfte wie Selbstvertrauen und Selbstliebe – so wie in unseren Kindern, wenn wir sie loben. Und diese Kräfte bringen dann in unserer Umgebung Frucht. Wir wünschen uns, dass es auch unseren Nächsten gut geht. Und wir haben die Überzeugung und die Energie, uns für das Gute einzusetzen: Für Frieden und Gerechtigkeit, gegen Armut und Ausgrenzung. Wir möchten, dass auch andere Menschen von der Liebe hören, die uns angesprochen hat. Dass unsere Mitmenschen etwas von der Liebe erleben, die wir gespürt haben.

Jesus vergleicht nicht nur das Wort Gottes mit Samenkörnern, sondern auch das Reich Gottes. Aus dem Guten, das in uns auf guten Boden fällt, wächst Gutes in der Welt. Der Samen des Wortes Gottes geht in uns auf. Wir bringen Frucht und so wird der Samen auch in andere gepflanzt und Liebe, Friede und Gerechtigkeit breiten sich aus.

Samen sind klein und es braucht Geduld, bis sie aufgehen und Frucht bringen. Die Samen können auch ohne unsere Hilfe wachsen, aber es schadet nicht, wenn wir sie unterstützen. Dazu passt folgende Geschichte: Eines Nachts träumte mir, ich sei in einen Laden gegangen. Hinter der Theke stand ein Engel. Ich frage ihn: „Was verkaufen Sie?“ Der Engel antwortet freundlich: „Alles, was Sie wollen.“ Da begann ich aufzuzählen: „Dann hätte ich gern das Ende aller Kriege, Brot für die Hungrigen, Heilung für die Kranken, Trost für die Trauernden, Arbeit für die Arbeitslosen, mehr Liebe in der Welt.“ Da schüttelt der Engel bedauernd den Kopf: „Entschuldigen Sie, ich habe mich wohl falsch ausgedrückt. Bei mir gibt es keine Früchte, bei mir gibt es nur die Samen.“
AMEN