Wort zum Sonntag: Menschen des Heiligen Geistes

Predigt zum Heimattag der Banater Schwaben in Ulm 2026


Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, das Fest des Geburtstags der Kirche, ist immer aber auch das Fest unserer Landsleute, das Fest der Landsmannschaft, bei dem wir uns aus vielen Orten aufmachen und hierher zusammenkommen und miteinander den Heimattag feiern, aber auch das Pfingstfest. Wir Banater Schwaben sind, man könnte so sagen, Menschen des Heiligen Geistes. Er führt uns zusammen im Bewusstsein unserer Vergangenheit, unserer Traditionen, unserer Heimat. Er führt uns zusammen und stärkt uns. Pfingsten sind Menschen – das wollen und dürfen wir sein. Und so möchte ich dann auch fragen: Wessen Geistes Kind seid ihr? Was macht dieser Heilige Geist in jedem von uns ganz persönlich eigentlich aus? 

Hören wir auf das Pfingstereignis, also den Text, den wir in der ersten Lesung gehört haben, so brechen die Jünger mit der Kraft des Heiligen Geistes auf. Sie gehen aus ihrer Abschottung, aus ihrer Einsamkeit, aus ihrem Rückzug hinaus in die Welt und zu den Menschen hin. Der Geist des Aufbruchs ist in ihnen. Und diesen Geist, glaube ich, kennen wir alle nur zu gut. Der Geist des Aufbruchs steckt in uns Banater Schwaben und in uns Christen immer und immer wieder.
Dafür sind wir durch Taufe und Firmung mit dem Heiligen Geist ausgestattet, dass wir die Kraft finden, immer wieder nach neuen Anfängen zu suchen, hinauszugehen und dieser Welt zu begegnen. Und dann ist es auch der Geist der Offenheit: Die Jünger gehen hinaus und begegnen den unterschiedlichsten Menschen mit unterschiedlichster Herkunft. Und sie sprechen zu ihnen in der Sprache des Heiligen Geistes, in der Sprache der Liebe. Sie kommt bei jedem an und sie wird von jedem verstanden. Es ist der Geist der Begegnung, der Neues möglich macht, der im Miteinander etwas Neues schafft, nämlich eine Gemeinschaft, die über Grenzen weit hinausgeht.

Es ist der Geist Gottes, der uns stärkt, der uns für unseren Lebensweg ausrüstet, so wie er die Jünger ausgerüstet hat. Der uns die Möglichkeit gibt, eine neue Welt zu bauen, so wie die Jünger mit der Botschaft Jesu Christi eine neue Welt gebaut haben. Was auf jeden Fall wichtig ist, es ist nicht der Geist des Hasses. Es ist nicht der Geist der Exklusivität. Es ist nicht der Geist, dass die einen besser sind als die anderen, dass die einen fremder sind als die anderen. Es ist der Geist, der uns alle gleich macht, der uns einlädt, uns allen gegenseitig auf Augenhöhe im Miteinander zu begegnen. Es ist der Geist, der uns lebendig macht – eine Lebendigkeit, die wir so wie bei diesem Heimattag feiern. Es ist der Geist Gottes, der uns heilig macht und der uns die Chance gibt, im Miteinander eine bessere Welt zu bauen.

Wenn wir unser Erbe im Herzen mitnehmen, wenn wir uns unsere Traditionen bewahren, wenn wir im Geist der Landsmannschaft vereint bleiben und gemeinsam durch diese Zeit gehen, dann kann uns, unserer Geschichte, unserem Erbe, nichts und niemand irgendetwas anhaben, denn wir werden vom Geist unseres Gottes, der uns in die Zukunft führt, begleitet sein. Er begleitet uns und die Generationen, die mit uns und nach uns kommen werden. Das mag vielleicht alles anders aussehen als es die Alten einmal gekannt haben, aber auch die Welt der Jünger sah anders aus mit dem Pfingstfest und nach dem Pfingstfest als in den Tagen und Wochen und Jahren davor. Es ist nicht die Zeit, uns zurückzuziehen oder zu verschließen, sondern der Zeit, der Zukunft und dem Zeitgeist zu begegnen und mit ihnen zu arbeiten und zu gestalten, im Bewusstsein, dass wir niemals allein sind, sondern im Geist Gottes durch diese Zeit gehen.