Es gibt Momente, in denen man regelrecht spürt, dass sich etwas tut – oder sich zumindest so tut, als würde sich etwas tun. Dinge geraten in Bewegung, aber eher wie ein Einkaufswagen: ruckelnd, schief, mit einem Rad, das permanent quietscht. Nein, Rumänien hat noch immer keine neue Regierung. Nein, eine Lösung der politischen Patt-Situation ist weiterhin so unsichtbar wie ein ehrlich gemeintes Wahlversprechen. Da braucht es Geduld und Tabak. Die Verhandlungen stecken fest, das Parlament macht Urlaub, und Präsident a.D. B˛sescu dürfte nicht falsch liegen, wenn er meint, dass wir für die Regierungsbildung den Herbst und seine Früchte abwarten müssen und vielleicht eine Regierung, die wie ein reifer Apfel vom Baum fällt.
Trotzdem: Die Einsichten der letzten Tage, an denen Hinz und Kunz teilhaben durften, machen es unmöglich, die Welt weiterhin so zu verstehen wie früher. Wenn Călin Georgescu tief in die aus den Energien der Erde kommende Weisheit hinabsteigt und der Welt mitteilt: „Das Unmögliche kann unmöglich nicht möglich sein“, dann muss man einsehen: Das Weltverständnis hat sich geändert.
Mitten in der von ihm mitverursachten Regierungskrise hatte Mathematiker Dan gleich mehrere Aha-Momente. Erstens gab er zu, dass er in den Verhandlungen um die Regierungsbildung Fehler gemacht hat. Dass er dabei Konsultation und Mediation – seine eigentlichen Aufgaben – mit Eingreifen und Beeinflussen verwechselt hat, steht auf einem anderen Blatt. Und zwar auf dem gleichen Blatt, laut welchem Dan erklärt, dass Interimspremier Bolojan die alleinige Schuld an der Krise trägt. Denn siehe da: Eins und eins haben nicht die gewünschte Regierung ergeben, sondern zwei verhärtete Fronten. Des Analysierens und der Formelrechnungen müde, hat Dan einfach das Narrativ der Sozialdemokraten übernommen – ein intellektueller Kurzschluss, der aber Einsicht in seine eigentliche politische Positionierung erlaubt.
Die größte Einsicht teilte er dem Donau-Karpatenraum-Volk aus Danzig mit. Wie ein typischer Rumäne blickte er zurück in die eigene Geschichte, um die Gegenwart zu erklären. Und seine von unermüdlichen Kämpfen gezeichnete Vergangenheit zeigt uns nun den Helden: „Ich glaube, 20 Jahre Kampf gegen das System sind eine Gewissheit. Man kann nicht gegen das System kämpfen, wenn man selbst der Chef des Systems ist.“ In Rumänien wird seit den frühen 90ern nur noch vom „System“ geredet. Was oder wer dieses „System“ genau ist, kann niemand sagen. Oder aber die, die es wissen, behalten es für sich. Wenn aber Dan, der laut eigener Aussagen „der bestinformierte Mensch des Landes“ ist, sich selbst als Chef des „Systems“ bezeichnet, wird er schon wissen, was er meint. Hoffentlich.
Eines ist klar: Er wird das „System“ reformieren. Und zwar mit auf der Sorbonne erlernten mathematischen Präzision: „Wenn es um eine Reform geht, ziehe ich zwischen einem Hund, der bellt, und einem Hund, der beißt, den Hund vor, der beißt. Zwischen dem großspurigen Gerede darüber, wie sehr wir das System reformieren werden – denn davon gibt es schon genug –, und der tatsächlichen Verfügbarkeit von Instrumenten, um das System wirklich zu reformieren, hoffe ich immer, so wie ich es auch im Rathaus der Hauptstadt getan habe, mich in die Lage zu versetzen, über die notwendigen Instrumente zur Reform des Systems zu verfügen.“ Man möchte ihm fast ein Halsband in die Hand drücken. Und um es erneut mit den Worten von Guru Georgescu zu sagen: „Das Unmögliche kann unmöglich nicht möglich sein.“
In der Hitzewelle, die das Land zu Boden drückt, stellt sich alles auf kollektiven Stillstand ein. Politik, Verwaltung, Alltag. Und wenn dann jemand fragt „Was machst du?“, kann man mit Georgescus stoischer Sommerlogik antworten: „Da ich weder ein Dieb noch ein Betrüger bin, tue ich gar nichts. Hahaha. Das ist die Antwort.“





