Jeder halbwegs vernünftige Mensch, der eine durchschnittliche Zeit aufbringt, um anhand der Nachrichten, unabhängig aus welchem Medium diese bezogen werden, die Welt zu erschließen, wird über kurz oder lang dem Gefühl erliegen, dass sich sein Leben in einem kleinen gallischen Dorf, welches von spinnenden römischen Horden umzingelt ist, abspielt.
Und Spinner gibt es heutzutage mehr als genug. Hier eine kurze Liste, die längst nicht den Anspruch hat, komplett zu sein und nur manche Spinner und ihre Ergüsse der letzten Tage umfasst:
1. Călin Georgescu. Guru dako-getischer Abstammung. Nachdem ihm wie erwartet eine erneute Kandidatur sowohl seitens der Zentralen Wahlbehörde, wie auch seitens des Verfassungsgerichts (CCR) nicht genehmigt wurde – zugegeben, dem CCR stand auch keine andere Möglichkeit offen, hätte es die eigenen Beschlüsse nicht aufheben wollen (obwohl dieses in Rumänien auch nicht unbedingt in den Bereich des Unmöglichen gehören würde), hat er sich von der politischen Szene wenigstens für die nächste Zeit sang- und klanglos verabschiedet. So still war sein Abgang, dass er es sogar vergessen hat, einen der beiden Leiter der im Parlament vertretenen „souveränistischen“ Parteien zum Nachfolger zu bestimmen. Also ab die Post in Richtung schwedischer Gardinen und hinter ihm die Sintflut.
2. Diana Șoșoacă. Möchtegern weiblicher weißer Mike Tyson von Rumänien. Ihr Auftritt bei der Einreichung der Unterlagen für ihre Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen (die aus den gleichen Gründen wie bei Punkt 1. beschrieben nicht genehmigt wurde) qualifiziert sie für die Schwergewichtklasse im Spinnen. Mit nur einem Boxhandschuh ausgestattet, ließ sie einen verbalen Angriff auf Ex-Parteikollegen Georgescu los, der vermuten lässt, dass, wenn dieser anwesend gewesen wäre, sie ihm wie anno dazumal Tyson aus Holyfields Ohr gebissen hätte.
3. Remus Pricopie. Angeblicher Politikwissenschaftler und Möchtegern-Präsident Rumäniens. Der Rektor der SNSPA (Nationale Schule für politische und administrative Studien) hat Hand in Hand mit dem Senat der genannten universitären Bildungseinrichtung beschlossen, den spinnenden Blondschopf aus dem Weißen Haus für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen. Die einzige Verbindung zu Nobel, die ich mir vorstellen kann, ist, dass Trumps Verhalten an einen Kobold, der mit Dynamitstäben um sich wirft, erinnert.
4. The Heritage Foundation. Sich als Thinktank bezeichnender Spinnerkonvent aus den Staaten. Nachdem sie mit ihrem Programm 2025 Trump die Basis für sein MAGA-Konzept geliefert haben und da sich dieses mit jedem Tag, der vergeht, als das zukunftsträchtigste Konzept für die Bürger der USA beweist, haben sie anscheinend beschlossen, dass nun auch die Europäische Union nach ihrem Wunschdenken maßgeschneidert werden sollte. So berichtet G4Media, dass mit Unterstützung von zwei renommierten europäischen Einrichtungen, das Mathias-Corvinus- Kollegium in Budapest und Ordo Iuris in Polen, beide für ihr tiefes proeuropäisches Gedankengut bekannt, unter dem Titel: The Great Reset, Wiederherstellung der Souveränität der Mitgliedstaaten im 21. Jahrhundert, an einem Konzept zur Umgestaltung der EU arbeiten. Dabei sollen die EU-Einrichtungen soweit entmachtet werden, dass sie jeder politischen Handlung unfähig wären. Auch sollte die EU, so besagte Online-Publikation, in „Die Europäische Gemeinschaft der Nationen (ECN)“ umbenannt werden, „ein loser Zusammenschluss von Nationalstaaten, der die nationale Souveränität betonen soll“.
5. Die Vlad-Țepeș-Konspiration lässt Punkt 4. irgendwie bekannt klingen.
Die Liste kann leider weitergeführt werden. Wir dürfen nur hoffen, dass Miraculix uns seinen Zaubertrank braut und wir in einer Uderzo&Gosccinny würdigen Weise das ganze demokratisch hinter uns bringen können.