Auf zwei Rädern durch Kulturen und über Grenzen hinweg

Fünfte Bartók-Radtour verzeichnete Teilnehmerrekord / Bence Bozsik gewann beide Wertungsetappen

Die lokale Kulturtanzgruppe der serbischen Gemeinschaft in Großsanktpeter bot im kühlen Kulturheim auch einen richtigen Augenschmaus für die Radfahrer.

Die Siegerehrung fand in Băile Călacea am Sonntagnachmittag statt.

Die „Lustigen Lenauschüler“ boten zum Start der Radtour eine Tanzvorführung auf dem Domplatz.

Auch bei der Rückfahrt am Sonntag waren Groß und Klein dabei, hier in Polizeibegleitung von Szeged nach Kübekhausen, und ganz vorne dabei auch Peter Tamas (rechts).

Für den multikulturellen Charakter der Tour stand auch, dass Redakteure des rumänischen (Ștefan Both), ungarischen (Bartha Csaba), deutschen (Astrid Weisz) und bulgarischen (Nicoleta Ciocani) Programms von Radio Temeswar dabei waren. Fotos: Astrid Weisz, Ștefan Both

Mehr als 200 Radfahrerinnen und Radfahrer aus Rumänien und Ungarn sind am letzten Mai-Wochenende vom Temeswarer Domplatz/Piața Unirii zur fünften Auflage der Bartók-Radtour Temeswar–Szeged aufgebrochen. Es war die bisher teilnehmerstärkste Ausgabe der grenzüberschreitenden Veranstaltung, an der sowohl geübte Sportler als auch Freizeitfahrer teilnahmen. Für den Radsport, der in Rumänien weiterhin eher eine Nischendisziplin bleibt, ist diese Zahl beachtlich. Vor allem aber zeigte die Tour, dass immer mehr Menschen bereit sind, sich auf eine körperliche Herausforderung einzulassen, den eigenen Alltag hinter sich zu lassen und sich, Kilometer um Kilometer, selbst zu erproben.

Schon am Start war der besondere Charakter der Tour zu spüren. Deutsche und ungarische Tanzgruppen sorgten für Bewegung, noch bevor die ersten Pedale getreten wurden. Seitens des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat hielt der Vorsitzende Benjamin Neurohr eine kurze Ansprache, bevor die Kindertanzgruppe „Die lustigen Lenauschüler“ unter der Leitung der Lehrerin Daniela Malanciuc mehrere Tänze aufführte. 

Bei der Radtour selbst standen Kinder ab acht Jahren neben erfahrenen Rennfahrern, Amateure – darun-ter auch Senioren von über 70 Jahren – neben ambitionierten Vereinsfahrern. Manche Teilnehmer nahmen sich nur 20, 40 oder 60 Kilometer vor, andere wollten bis nach Szeged durchhalten. Wer unterwegs nicht mehr weiterfahren konnte, durfte in den von den Organisatoren bereitgestellten Bus steigen. Zurückgelassen wurde niemand.

Die rund 130 Kilometer lange Strecke führte über Sanktandres/Sânandrei, Mercydorf/Carani, Băile Călacea, Periamosch/Periam, Großsanktpeter/Sânpetru Mare, Altbeschenowa/Dudeștii Vechi und Altbeba/Beba Veche zur Grenze bei Triplex Confinium und weiter über Kübekhausen/Kübekháza nach Szeged. Damit wurde die Fahrt auch zu einer Reise durch die kulturelle Vielfalt des Banats. Rumänische, deutsche, serbische, bulgarische und ungarische Ortschaften lagen auf dem Weg. In Großsanktpeter und Altbeschenowa empfingen die serbische beziehungsweise die bulgarische Gemeinschaft die Radfahrer mit Musik, Tanz und guter Laune. Für die Fahrer gab es da zudem einen „Boxenstopp“ mit Wasser, herzhaften und süßen Stärkungen oder Obst.

„Es war eine Strecke, die von Multikulturalität spricht“,  sagte Peter Tamas, Vorsitzender des Vereins Bastion – Várbástya und ungarischer Honorarkonsul in Temeswar, der die Veranstaltung organisierte. Die Vorbereitung sei aufwendig gewesen, erklärte er: Neben Verpflegungspunkten, Streckensicherung und Begleitfahrzeugen seien auch spezialisierte Motorradfahrer nötig gewesen, die den Tross begleiteten und abschnittsweise den Verkehr sicherten. Ohne die Unterstützung der Partner wäre die Tour nicht möglich gewesen. Dass heuer ein neuer Teilnehmerrekord erzielt wurde, wertete Tamas als Zeichen dafür, „dass wir das Richtige tun“. Ein Wermutstropfen begleitete jedoch die Veranstalter, da auf der Website des Temeswarer Projektezentrums gerade bekannt gegeben wurde, dass die Radtour die angepeilte Förderung von knapp 100.000 Lei nicht erhalten würde.

Für die ambitioniertesten Teilnehmer gab es zwei Wertungsetappen. Die erste wurde am Samstag über 109 Kilometer in Richtung Kübekhausen ausgetragen, die zweite am Sonntag über 84 Kilometer von Kübekhausen nach Băile Călacea. Nach Abschluss der ersten Etappe fuhren die Teilnehmer gemeinsam, von Polizeiteams begleitet, weiter bis nach Szeged. Ziel war ein Campingplatz am Theißufer, wo Gulasch und die Feststimmung der ungarischen Partnerstadt auf sie warteten. In Szeged fanden an jenem Wochenende das Stadtfest sowie das Weinfestival statt, das als eines der größten Ereignisse dieser Art in Ungarn gilt.

Rund 80 Radfahrer blieben über Nacht in Szeged und machten sich am Sonntagmorgen wieder auf den Weg nach Rumänien. In Kübekhausen trafen sie auf jene Teilnehmer, die dort auf den Start der zweiten Wertungsetappe warteten. Die Rückkehr endete in Băile Călacea mit einer wohlverdienten gemeinsamen Mahlzeit.

Sportlich dominierte der ungarische Fahrer Bence Bozsik das Rennen. Der 34-Jährige vom Szeged Kerékpár Sport Club gewann in der Eliteklasse der Männer beide Etappen: die erste in 2:33:43 Stunden, die zweite in 1:40:47 Stunden. Bozsik nahm zum ersten Mal an der Bartók-Tour teil und lobte anschließend ausdrücklich die Organisation. Der starke Rückenwind habe das Rennen früh geprägt, zugleich habe seitlicher Wind das Feld auseinandergerissen. Am Ende erreichte er das Ziel allein.

Besonders beeindruckend war seine Durchschnittsgeschwindigkeit von 48 Stundenkilometern.

Bei den Frauen war Natalia Mănescu vom Sportclub der Temeswarer West-Universität (CSUVT – Clubul Sportiv al Universit²]ii de Vest din Timi{oara) die beste Elitefahrerin. Sie beendete die erste Etappe in 2:41:49 Stunden und die zweite in 1:54:58 Stunden.

Die Bartók-Radtour ist mehr als ein Sportereignis. Sie verbindet Temeswar und Szeged, zwei Partnerstädte, tatsächlich auf der Straße miteinander. Wer am Ende erschöpft, sonnenverbrannt oder mit schmerzenden Beinen ankam, hatte nicht nur Kilometer gesammelt, sondern auch Begegnungen. Genau darin liegt der Reiz dieser Tour: Sie macht aus einer sportlichen Strecke einen gemeinsamen Weg durch eine vielsprachige, vielgestaltige Region, deren Multikulturalität nicht nur in der Vergangenheit angesiedelt ist. Gerade in einer Grenzregion wie dem Banat sei es wichtig, gemeinsame europäische Projekte sichtbar zu machen und Begegnungen zu fördern, um die vor mehr als 100 Jahren formal gezogenen Grenzen in den Köpfen der Bewohner abzubauen, so Peter Tamas.