Duftende Orangen, historische Bauten und kurze Wege

Brindisi in Süditalien ist günstig, leicht zu bereisen und hat trotzdem viel zu bieten

Die Kirche „Santa Maria del Casale“. Was man auf dem Foto nicht sieht, ist, dass links die Flughafenlandebahn und rechts verlassene Militärbauten stehen. | Fotos (3): Valentin Brendler

Eine der römischen Säulen von Brindisi. | Foto: Ruxandra Matei

Solange man nicht in der Tourismussaison in der Stadt ist, ist man auch fast alleine.

Ein abgeschlossener Park, in dem eine Katze lebt. Sie scheint alt zu sein und ihre Ruhe zu genießen. Bei der Mauer des Parks haben Anwohner der Katze reichhaltig Katzenfutter platziert. Es gibt auch einen Krug mit Wasser. Die Katze hat also alles, was sie braucht: Essen, Trinken und einen privaten Park.

Im 15. Jahrhundert vor Christus gab es – worauf Funde hindeuten – wohl eine kleine Siedlung im Hafengebiet des süditalienischen Brindisi. Die Stadt hat in der Bronzezeit offenbar schon lange vor den Römern, oder den antiken, griechischen Stadtstaaten, mit den Mykenern in Griechenland gehandelt. Doch das ist nur der Anfang von Brindisis Geschichte: Eine Hafenstadt, die von Römern, Byzantinern, Kreuzrittern, bis ins moderne Italien unheimlich viele Einflüsse hat, die teilweise auch noch heute zu sehen sind. Das Beste ist zudem, dass eine Reise von Rumänien, insbesondere von Bukarest, kaum günstiger sein könnte. 

Das praktische ist nämlich, dass Brindisi einen kleinen, aber sehr sauberen und ordentlichen Flughafen hat. Dieser wird seit Kurzem von Bukarest aus von einer Billigfluglinie bedient. Kann man Bukarest leicht erreichen, oder lebt in der Stadt, ist es finanziell sehr günstig, einen Flug zu ergattern, der auch nur knapp länger als eine Stunde dauert. 

Die Stadt wirkt dadurch nur einen Katzensprung entfernt: Kurz ins Flugzeug rein, eine Stunde warten und schon steht man vor dem Flughafen von Brindisi, wo das italienische Gras im Frühling fast unnatürlich dunkelgrün strahlt.

Wenn man nur leichtes Gepäck dabei hat, lohnt es sich, einfach in die Altstadt (wo es viele Hotels und Wohnungen zu erschwinglichen Preisen gibt) zu spazieren. Dabei verlässt man das Flughafengelände und erblickt auf einmal eine große, beige Steinkirche: die „Santa Maria del Casale“.

Eine schöne Kirche an einem verlassenem Ort

Doch irgendwie wirkt das Gebäude fehl am Platz. Direkt daneben ist nämlich der Zaun der Flughafenlandebahn und auf der anderen Seite sind alte, verfallende Kasernen. Kein Wohnhaus ist in Sicht. Nur diese Kirche, zwischen Feldern und dunkelgrauen, verfallenden Betonbauten.

Nach einem kurzen Spaziergang über ein Feld gelangt man jedoch schnell zum Gebäude, das bereits im 13. Jahrhundert erbaut wurde und heutzutage gut erhalten ist. Nebenan ist ein Kreuzgang und ein kleines Kloster, das auch noch im Betrieb ist. Mitten in der Peripherie steht dieser Tempel des katholischen Glaubens – faszinierend! Was nur in der Stadt auf einen wartet?

Um dorthin zu gelangen, muss man ungefähr eine Stunde weiter gehen. Zuerst passiert man ein paar Straßen, bis man an zahlreichen teuren, süditalienischen Villen vorbeikommt, die fast aussehen, als wären sie aus Kalifornien. Dann erreicht man den „Bosco Urbano del Tommaseo“. 

Dies ist ein kleiner Park, direkt am Wasser, mit Blick auf die historische Altstadt von Brindisi. Man sieht das „Castello Svevo“ (auch aus dem 13. Jahrhundert, von dort aus wurden wahrscheinlich auch Kreuzzüge gestartet), ein großes, modernes Militärschiff, und die wunderschöne Silhouette der Stadt. 

Man hört die Italiener streiten und fühlt sich angekommen

Hinter einem ist eine Straße, mit Seitenstreifen. Zahlreiche Einheimische parken oft dort, genießen den Ausblick aus ihren Autos oder streiten laut auf Italienisch miteinander. Italien bestätigt manchmal die eigenen Klischees. Das Land scheint fast stolz darauf zu sein. 

Danach sind es nur noch ein paar Straßen durch Brindisi bis in die historische Altstadt. Jedoch, insbesondere im Frühling, gibt es genau auf dieser Strecke einen Geheimtipp. In der „Via Osanna“ (wie womöglich auch in anderen, dem Autor unbekannten Straßen) stehen zahlreiche Orangenbäume am Straßenrand. Wenn diese reif sind, duftet die komplette Straße besser als jedes künstliche Parfüm der Welt. Am Boden liegen zumeist ein paar alte Orangen und es lohnt sich fast, sich zu ihnen hinunterzubeugen und an ihren zu riechen, so gut duften sie; es ist unglaublich!

Nun, nach all dem, ist es vielleicht Zeit, im Hotel oder in der Wohnung einzuchecken. Abhängig von der Uhrzeit sollte man schlafen gehen, oder einen italienischen Kaffee, also Espresso, genießen. Am nächsten Tag steht ebenfalls viel an. 

Kultur, Geschichte und Essen in einer kleinen Altstadt

Hat man gut geschlafen, könnte ein perfekter Tag in Brindisi ungefähr so aussehen: Zuerst schläft man aus, wacht auf, macht sich frisch und geht raus, in die Stadt. Ini einem Café isst man ein Rustico Leccese (Blätterteiggebäck mit Käse und Tomate) und trinkt einen Kaffee. Dann geht es rein in die Geschichte!

Brindisi war, wie natürlich ganz Italien, lange ein Teil des römischen Reiches. Dafür gibt es heute noch Zeugen, die im Hafengebiet leicht zu finden sind: zwei römische Säulen (von einer ist nur die Basis erhalten) und die Scalinata Virgiliana, eine Treppe, die zum Haus des römischen Dichters Vergil geführt hat, die im Hafengebiet leicht zu finden sind. Streift man noch etwas länger am Wasser entlang und es wird langsam Mittag, kann man auch die lokalen Fischrestaurants der Stadt besuchen, die weitere italienische Spezialitäten auftischen können.

Nach dem Mittagessen in die Stadt

Daraufhin sollte man das Wasser plätschern lassen und in das Zentrum der Altstadt gehen. Wunderschöne, auch modern renovierte Straßen, kleine Läden und Cafés warten auf einen, während man zur Piazza Duomo, wo die Kathedrale von Brindisi aus dem 11. Jahrhundert ist, spaziert. An der Kathedrale sollen sich auch viele Kreuzritter zum Gebet versammelten haben, bevor sie ins Heilige Land aufgebrochen sind.

Dreht man sich auf dem Platz um, sieht man schon die nächste schöne Straße, das nächste einladende Café und die nächste Kirche und geht weiter. Solange man nicht in der Tourismussaison in der Stadt ist, ist man dabei auch fast alleine. Man trifft meistens nur die Rumänen, die mit einem auch im Flugzeug gesessen sind, Einheimische und ein paar deutsche Touristen (deutsche Touristen sind immer überall).

Erschöpft, aber glücklich

Womöglich ist man danach auch etwas erschöpft. Es ist schließlich heiß und der ganze Kaffee hält einen auch nicht mehr wach, sondern macht eher müde. Dann sollte man am besten in einer der vielen Trattorien etwas essen, ein Gläschen Wein trinken und dann entweder nach Hause zum Bett spazieren oder in eine Bar gehen, wo man – ob man will oder nicht – mit Italienern ins Gespräch kommen wird.

Nun, ehrlich gesagt, war es das schon ziemlich mit Brindisi. Es ist eine kleine Stadt, die zwar noch einige Museen und eine (meistens geschlossene) Festung am Meer zu bieten hat (das Castello Alfonsino di Brindisi im Hafen), ansonsten aber gerne verschlafen in der Sonne liegt.

In der Nähe gibt es jedoch noch viele weitere Städte zu entdecken, die nur eine Zugfahrt entfernt sind: Bari, Lecce und viele weitere, kleine, schöne Orte. Außerdem könnte man einfach in den Cafés sitzen, die frische Meeresluft einatmen und entspannen. Oder, was natürlich auch möglich ist: Man geht am nächsten Tag wieder zum Flughafen und fliegt zurück nach Bukarest. Dann war der Urlaub zwar kurz, aber intensiv.