Die Pension „Casa Altringen“ im gleichnamigen Dorf Altringen, Gemeinde Bogda, wurde vor kurzem wiedereröffnet. Zu diesem Anlass sprach BZ-Redakteur Bogdan Mihai Dascălu mit der Betreiberin des „Casa Altringen“, Claudia Bîrsete, über den Neustart, aber auch über regionale Gastronomie und die besondere Atmosphäre des Ortes.
Der Sommer ist zurück, und mit ihm die alljährliche Suche nach Orten, an denen man der Hitze der Stadt entkommen kann. Während manche auf die Freibäder in und um Temeswar setzen, zieht es andere für einen Tagesausflug oder ein verlängertes Wochenende aufs Land. Nur rund eine Autostunde von der Stadt entfernt liegt mit „Casa Altringen“ ein Ort, der seit Jahren für Ruhe, Natur und Gastfreundschaft steht. Nach der jüngsten Wiedereröffnung wollten wir wissen, was Gäste heute dort erwartet. Vor Ort trafen wir auf ein vollständig erneuertes Haus, das vieles verändert hat und dennoch seinem ursprünglichen Charakter treu geblieben ist. Zwischen renovierten Räumen, schwäbischer Tradition und ländlicher Atmosphäre versucht „Casa Altringen“, an eine Erfolgsgeschichte anzuknüpfen und zugleich neue Akzente zu setzen. Mit der neuen Betreiberin Claudia Bîrsete sprachen wir über die Zukunft des Hauses, die Besonderheiten der Region und darüber, warum Altringen gerade im Sommer eine attraktive Alternative zum städtischen Alltag sein kann.
Sie haben „Casa Altringen“ vor Kurzem übernommen. Was hat Sie dazu motiviert, gerade dieses Haus und gerade diesen Ort auszuwählen?
Ja, das stimmt. Wir haben „Casa Altringen“ im Januar dieses Jahres übernommen. Dieses Haus hat uns jedoch schon seit seiner Eröffnung im Jahr 2006 fasziniert. Damals waren wir zum ersten Mal in Altringen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Das Haus besitzt etwas ganz Besonderes: Es zieht die Menschen an, vermittelt sofort ein Gefühl von Wohlbefinden und Entspannung. Hier vergisst man augenblicklich die Hektik der Stadt. Nicht zuletzt hat uns auch die lange und geschätzte gastronomische Tradition des Hauses beeindruckt. „Casa Altringen“ basiert auf einem alten Gebäude mit authentischer schwäbischer Architektur und besonderem Charme. Eine Gruppe von Freunden schloss sich einst zusammen, um das ursprüngliche Haus zu renovieren und zu erweitern. Sie verband die Liebe zur Natur und der Wunsch, die Freuden des Landlebens mit anderen zu teilen. „Casa Altringen“ steht auf dem solidesten Fundament überhaupt: der Freundschaft.
Wie würden Sie die Region Altringen beschreiben? Was können Touristen hier und in der Umgebung unternehmen? Was verleiht dieser Region ihren besonderen Reiz?
Die Gegend um Altringen ist eine malerische Oase der Ruhe. Sie ist geprägt von ländlichem Tourismus, sanften Hügeln und der Bewahrung des schwäbischen Kulturerbes. Das Dorf Altringen zählt lediglich 29 Einwohner und liegt eingebettet zwischen Wäldern auf Hügeln, etwa gleich weit von Arad und Temeswar entfernt. Die Region ist ein ideales Erholungsgebiet für Wanderer, die auf gut markierten Wegen die Natur erkunden können. Viele Besucher besichtigen das Schwabenmuseum und das Jagdmuseum in Charlottenburg. Sportlich Aktive schätzen die Umgebung zum Radfahren und Mountainbiken auf den umliegenden Hügeln. Auch Motorradfahrer entdecken die Gegend zunehmend als beliebtes Ausflugsziel. Eine weitere Freizeitaktivität, die bei Gästen immer beliebter wird, ist das Birdwatching (Vogelbeobachtung). Das Beobachten von Vogelarten in ihrem natürlichen Lebensraum eröffnet eine faszinierende Welt, die oft übersehen wird. Für Kinder und Erwachsene werden im Hof der Pension außerdem kreative Art-&-Craft-Workshops organisiert. Gemeinsam mit unserem Partner „La Stejari“ bieten wir Töpferkurse, Modellierarbeiten und die Herstellung handgefertigter Kerzen an. So können Besucher Geschichte und Kultur mit Naturerlebnissen und kulinarischen Genüssen im Raum Altringen verbinden.
Diese Gegend wurde früher von Schwaben bewohnt. Berücksichtigen Sie dieses kulturelle Erbe in Ihrem Menü, in der Gestaltung der Pension oder in den Aktivitäten, die Sie anbieten?
Selbstverständlich. Als deutschsprachige Gastgeber bemühen wir uns, die deutsche Kultur und insbesondere die schwäbische Küche zu pflegen und zu fördern. Auf unserer Speisekarte finden sich regelmäßig Gerichte nach schwäbischen, deutschen und österreichischen Rezepten, die wir zeitgemäß interpretieren und die von unseren Gästen sehr geschätzt werden. Darüber hinaus bieten wir jede Woche ein abwechslungsreiches, saisonales Menü an.
Was hat Sie an „Casa Altringen“ mehr fasziniert: das Gebäude selbst, seine Geschichte oder sein Potenzial für die Zukunft?
Ich würde sagen: alles zusammen. Von Anfang an stand Casa Altringen für besondere kulinarische Erlebnisse, und genau das bildet auch heute die Grundlage unseres Konzepts. Im Speisesaal können bis zu 50 Gäste bewirtet werden. Unabhängig vom jeweiligen Tagesmenü legen wir großen Wert auf natürliche und gesunde Zutaten. Viele unserer frischen Produkte stammen direkt von Bauernhöfen aus der Region. „Casa Altringen“ verfügt über Unterkunftsmöglichkeiten für bis zu 22 Gäste in Doppelzimmern und einem Apartment. Die Räume sind im Stil eines traditionellen schwäbischen Hauses eingerichtet. Überall findet man bemalte und kunstvoll verzierte Holzmöbel, die jeder Stube ihren eigenen Charakter verleihen und dennoch ein harmonisches Gesamtbild schaffen. Im Speisesaal dürfen der traditionelle Kredenzschrank, die Eckbank und der Kamin natürlich nicht fehlen.
Viele Menschen investieren heute lieber in Städte. Warum haben Sie sich bewusst für den ländlichen Raum entschieden?
„Casa Altringen“ ist dein Zuhause auf dem Land. Hier angekommen, lässt man die Hektik der Stadt hinter sich. Auch der Hund darf selbstverständlich mitkommen. Einkäufe für das Wochenende und das Kochen entfallen. Hier können Kinder glücklich sein und Eltern zur Ruhe kommen. Nach dem Mittagessen warten Töpfer-, Mal- oder Kerzenworkshops auf die Kinder. Sie werden dabei betreut und angeleitet, sodass die Eltern Zeit für sich haben – mit einem Buch oder einem Glas ihres Lieblingsgetränks auf der Terrasse oder bei einer Partie Schach. „Casa Altringen“ ist ein Ort für gemeinsame Zeit. Am Nachmittag kann die ganze Familie auf unserer großen Wiese aktiv werden. Am Abend kann man statt eines formellen Abendessens eine liebevoll zusammengestellte Platte mit regionalen Spezialitäten und einem Glas Wein im Innenhof genießen. Jedes Familienmitglied findet hier seinen Platz und seine Lieblingsbeschäftigung. Es ist ein Ort der Entschleunigung für alle Generationen.
Welche Zielgruppe möchten Sie mit „Casa Altringen“ ansprechen und welche Gäste wünschen Sie sich langfristig?
Jede Kategorie von Besuchern ist bei uns willkommen. Wir richten uns an Familien, Unternehmen, Naturliebhaber sowie an Menschen, die sich für Bewegung im Freien oder Yoga interessieren.
Was suchen Gäste Ihrer Meinung nach heute wirklich: Erholung, Natur, authentische Begegnungen oder etwas ganz Anderes?
Unsere Gäste suchen vor allem Momente der Ruhe und der inneren Einkehr, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Dieses Gefühl entsteht aus dem Zusammenspiel der unberührten Natur rund um die Pension, der historischen Atmosphäre des Ortes und dem authentischen Geschmack unserer Küche.
Welche Erwartungen haben Besucher aus Deutschland, Österreich oder aus der Schweiz, wenn sie ins Banat kommen?
Deutschsprachige Gäste kommen ins Banat, weil sie hier eine einzigartige Verbindung von unberührter Natur und gemeinsamer Geschichte finden. Sie legen großen Wert auf Qualität, Authentizität und Nachhaltigkeit. Viele interessieren sich für geführte Wanderungen sowie für die Beobachtung von Flora und Fauna in ihrer natürlichen Umgebung. Zahlreiche Besucher haben schwäbische Wurzeln im Banat und kehren gemeinsam mit ihren Familien zurück, um ihren Kindern die Dörfer ihrer Vorfahren oder sogar die Häuser ihrer Großeltern zu zeigen.
Da sie hohe Standards aus Westeuropa gewohnt sind, schätzen sie einen zuverlässigen Service, deutschsprachige Ansprechpartner sowie ein hohes Maß an Sauberkeit und Sicherheit.
Welche Perspektiven sehen Sie für den Tourismus im Banat in den kommenden Jahren?
Der Tourismus im Banat besitzt großes Wachstumspotenzial. Die kulturelle Ausstrahlung Temeswars, die Entwicklung des Ökotourismus und die Wiederbelebung des ländlichen Kulturerbes schaffen günstige Voraussetzungen. Altringen, einst ein schwäbisches Dorf mit rückläufiger Bevölkerung, hat sich zu einem beliebten Wochenendreiseziel entwickelt, das besonders wegen seiner Ruhe, seiner Gastronomie und seines naturnahen Tourismus geschätzt wird.
Was müsste sich ändern, damit mehr junge Menschen den Mut haben, in ländliche Gegenden zu investieren?
Junge Menschen benötigen einen einfacheren Zugang zu Finanzierungen und die Perspektive auf ein modernes Leben auf dem Land. Dazu gehören eine gut ausgebaute digitale und verkehrstechnische Infrastruktur sowie Wohnbedingungen, die mit denen in Städten vergleichbar sind. Schnelles Internet, gute Straßen, Zugang zu Finanzdienstleistungen, medizinischer Versorgung und hochwertiger Bildung sind unverzichtbar. Ohne diese grundlegenden Voraussetzungen werden nur wenige junge Familien den Schritt aufs Land wagen.
Welche Rolle können Unternehmerinnen bei der Entwicklung von Dörfern und ländlichen Gemeinschaften spielen?
Unternehmerinnen sind wichtige Motoren der ländlichen Entwicklung. Sie schaffen Arbeitsplätze, fördern den Agrotourismus und stärken traditionelle Handwerksformen. Damit tragen sie zur Bewahrung lokaler Traditionen und zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls bei.
Durch ihre Projekte ziehen sie Besucher an, fördern die regionale Identität und schaffen neue Einkommensquellen. Gleichzeitig können sie als Vorbilder für die jüngere Generation wirken und zeigen, dass Erfolg auch auf dem Land möglich ist.
Wenn ein Gast nach einem Wochenende im „Casa Altringen“ mit nur einer einzigen Erinnerung abreisen würde, welche sollte diese sein?
„Es war fantastisch. Wir kommen wieder!“





