„Fake News Busters“ – über 50 Schulen mit Projekt erreicht

Interview mit Univ.-Lekt. Dr. Alexandru Jădăneanț, dem Dekan der Fakultät für Governance und Kommunikationswissenschaften an der West-Universität Temeswar

Foto: Zoltán Pázmány

Heutzutage kommt man nicht umhin, über Fake News zu sprechen und jeder von uns muss und kann etwas dagegen tun; das fängt mit der Verbesserung der eigenen Medienkompetenzen an. Warum Fake News ein bisschen wie Steinobst sind, was man dagegen tun kann und vor allem über das Projekt „Fake News Busters“ (Anm. d. Red. Fake-News-Entlarver), das von der Fakultät für Governance und Kommunikationswissenschaften an der West-Universität Temeswar angekurbelt wurde, spricht deren Dekan Univ.-Lekt. Dr. Alexandru Jădăneanț in einem von der BZ-Redakteurin Ștefana Ciortea-Neamțiu geführten Interview.

Was sind Fake News heute?

Im 21. Jahrhundert gibt es sehr viele Fake News; die Mehrheit der Bevölkerung hat Zugang zu den Medien, auch zu den Sozialmedien hat und man versucht es einfach. Es gibt politische Akteure, aber nicht nur politische Akteure, die versuchen, die Bevölkerung der Länder durch Nachrichten, die wahre Teile haben, zu manipulieren. Es werden sehr viele falsche Informationen weitergeleitet.

Welches ist der jüngste Fall von Fake News, den Sie im Medienraum entdeckt haben?

Es tut mir leid, aber ich muss das so sagen: In den rumänischen Medien und auch in den Sozialmedien gibt es sehr viele Fake News. Das können wir täglich beobachten. Der jüngste Fall: Ein Hacker hat auf die Dateien einer rumänischen Behörde zugegriffen (Anm. d. Red. das Rumänische Grundbuchamt); jetzt sind im Internet viele Fake News, wie zum Beispiel, jeder könne morgen dein Haus gegen deinen Willen beim Notar verkaufen. So einfach geht das nicht. Wenn man einen Verkaufsvertrag schließen möchte, prüft der Notar nicht nur diese Dateien, sondern auch, wer der Eigentümer bist. Aber die Bevölkerung ist jetzt von diesen Fake News bombardiert: Du könntest sehr einfach dein Haus verlieren; du könntest ohne das Geld auf deinem Konto bleiben. Es gibt sehr viel Desinformation, sehr viele Falschmeldungen in den Medien. Und ich glaube, hier haben wir ein Problem mit den Medien, weil sie die Informationen nicht filtern.

Also wird die Regel, dass man aus drei selbstständigen Quellen die Information verifiziert, nicht mehr eingehalten?

Nein, weil es nicht mehr die klassischen Medien oder nicht nur die Journalisten gibt, die eine Fakultät absolviert haben und die wissen, dass sie nicht geradeaus veröffentlichen können, was sie aus einer Quelle gehört haben. Journalisten wissen, dass sie die Information überprüfen, müssen; nur dann dürfen sie diese veröffentlichen. In den sozialen Medien, auf Facebook, Instagram oder TikTok, werden die Nachrichten meist nicht von Journalisten weitergeleitet, sondern von einfachen Menschen, die dann auch ihre Meinung äußern. Leider haben die Rezipienten keine Kultur der Information, also wissen sie nicht, dass sie auch selbst prüfen müssen, ob eine Information richtig ist oder nicht.

Sind eher die Senioren von Fake News betroffen oder jüngere Menschen?

Die Senioren unter den Stadtbewohnern, die immer wieder Zeitungen gelesen haben, die schon eine Kultur der Information haben, können auch in den sozialen Netzwerken unterscheiden, was wahr und was falsch ist; sie haben auch diese Kapazität, Fake News zu entdecken. Die ältere Generation aus dem ländlichen Raum, die nicht so viele Nachrichten gelesen hat, wird jetzt von Falschmeldungen in den sozialen Netzwerken, insbesondere TikTok, bombardiert; sie haben diese Kultur der Informationsfilterung nicht. Wenn jemand auf TikTok behauptet, dass sie morgen keine Rente bekommen, glauben sie das.

Auch bei den Jugendlichen gibt es verschiedene Kategorien. Es gibt Jugendliche, die zwischen wahren und falschen Nachrichten unterscheiden, aber es gibt auch sehr viele Jugendliche, die diese Filter nicht benutzen können. Die Verfasser von Fake News wissen ganz genau, wer die Personen sind, die sie erreichen müssen: Sie schneidern Fake News für Jugendliche, Fake News für ältere Leute.

Wie hat die KI die Fake News jetzt noch einmal aufgebauscht?

Die KI wurde erschaffen, um uns Menschen zu helfen, aber wir sehen, dass die KI sehr schnell lernt und sie lernt auch, Fake News zu produzieren. Aber es sind immer noch Menschen, die mithilfe der KI die Fake News produzieren. Die KI raffiniert sie sehr gut. In einer Schweizer Publikation habe ich über eine Studie gelesen: Bei vielen Fake News, die im Schweizerischen Raum kursieren, kann man von einer „pflaumenartigen Nachricht“ sprechen. Im Kern steckt ein bisschen Wahrheit, aber die „schöne Pflaume“ oder die „schöne Aprikose“, ist voller Fake News, also falschen Informationen. Wenn wir eine Studie machen, wenn wir filtern, dann sehen wir, dass das „schöne Obst“ eigentlich nicht so schön und die Nachricht unwahr ist.

Welche Maßnahmen treffen Sie, um nicht auf Fake News einzugehen und was würden Sie unseren Lesern an Instrumenten weitergeben?

Es gibt auf der Ebene der Europäischen Union einige sehr gute Webseiten, wo man den Link eines Artikels eingeben kann und diese Webseiten überprüfen sie mit Hilfe von KI und man bekommt eine Antwort: z. B. zu 99% eine falsche Nachricht oder zu 80% eine falsche Nachricht. Man kann diese Webseiten kostenlos nutzen.

Außerdem sollte man die Quellen prüfen. Wenn man eine Nachricht z.B. in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, auf faz.net, liest, dann ist das eine Zeitung, die schon Geschichte gemacht hat. Selbst wenn es sein kann, dass auch sie manchmal Fake News weiterleitet, ist trotzdem die Wahrscheinlichkeit gering.

Wenn man aber eine Nachricht auf der Webseite der Zeitung einer Gemeinde, die niemand kennt, liest; kann es schon sein, dass sie ein Motor ist für die Verbreitung von Fake News in der Gesellschaft ist. Also müsste man eigentlich die Quellen prüfen. Das ist nicht schwierig; aber was ich bei den Jugendlichen merke: Sie haben keine Zeit, um die Information zu überprüfen, nicht diesen Instinkt.

Was außerdem bei uns in den Medien oft vorkommt, sind die Clickbait-Titel, die von Gefährlichem sprechen, aber wenn man die Nachricht liest, ist es eher Harmloses.

In diesem Jahr hat die Fakultät für Governance und Kommunikationswissenschaften ein besonderes Projekt begonnen, „Fake News Busters“, wobei Schüler zu diesem Thema trainiert wurden. Bitte stellen Sie das Projekt vor und nennen Sie uns einige Zahlen!

Unsere Kollegen und Kolleginnen aus der Fakultät wollten dieses Projekt unbedingt ins Leben rufen, weil es für uns sehr wichtig ist, unsere Studienmöglichkeiten den Schülern vorzustellen. Wir wollten das nicht so machen, dass wir an die Schulen gehen und über unser Angebot an Bachelorprogrammen sprechen; wir wollten es anders machen. Die Problematik der Fake News erreicht auch die Jugendlichen. Wir haben über 50 Schulen in den Kreisen Temesch, Arad und Karasch-Severin besucht; es waren um die tausend Schülern, die sich an unserem Projekt beteiligt haben. Es gab ganz gute Gespräche. Es waren nicht unbedingt die Lehrkräfte der Fakultät, die Informationen den Schülern weitergeleitet haben, sondern unsere Studenten aus dem ersten oder zweiten Studienjahr, die den Schülern schon wegen des Alters nahestehen. Es war also keine Vorlesung, sondern sie haben zusammen mit den Schülern Übungen gelöst. Das Interesse war sehr, sehr groß; sicherlich werden wir das auch im nächsten Studienjahr organisieren. Die Schüler haben viele Fragen gestellt.

Auch Professoren waren an Schulen und Sie waren aber auch in einigen Schulen dabei. Welche Fragen sind gestellt worden?

Insbesondere ging es darum, wer ein guter Ansprechpartner ist, wenn die Schüler eine Frage im Bereich der Falschmeldungen haben. Sollen sie den Klassenlehrer fragen oder gibt es einen Professor, der vielleicht in diesem Bereich mehr Informationen hat? Dann habe ich ihnen die Webseiten gezeigt, wo sie eine Nachricht überprüfen können. Und alle waren sehr, sehr begeistert davon. Ich habe ihnen auch gezeigt, dass es in den sozialen Medien, z.B. auf Instagram, auch Seiten gibt, die Nachrichten so schreiben, dass die Jugendlichen sie auch verstehen wie zum Beispiel „Gen, [tiri“ (@genstiri) Das ist eine verifizierte Quelle. Die Art und Weise, wie die Nachrichten dort präsentiert sind, ist für Rentner nicht attraktiv, aber für die Jugendlichen, ja: telegrafisch und einfach erklärt. Viele der Jugendlichen, die am Projekt mitgemacht haben, wussten von solchen Quellen.

Im Rahmen des Projektes wurden auch Beispiele von Videos von TikTok und Instagram gezeigt und analysiert. Die Mehrheit glaubte schon, dass die Meldungen richtig wären, wenn sie von einem Influencer auf TikTok kamen; wir haben ihnen gezeigt, dass dahinter eigentlich ein Fake News steckte.

Sie haben schon gesagt, dass nächstes Jahr das Projekt an Schulen weitergeführt wird. Macht man sich auch Gedanken darüber, es auszuweiten, vielleicht auch andere Zielgruppen anzusprechen?

Für uns ist es ganz wichtig, dass wir die Schüler ansprechen, weil sie in der Zukunft unsere Studenten werden können. Wir haben mit den Zehnt-, Elft- und Zwölftklässlern gearbeitet. Vor zwei Jahren haben wir versucht, auch mit jüngeren Schülern über Fake News zu sprechen, aber es war ein bisschen kompliziert; aber mit den Lyzeumsschülern geht es ganz gut. Diese sind sehr aktiv in den sozialen Netzwerken und wissen, was eine Nachricht ist, was ein Fake News ist. Da werden wir auf jeden Fall weitermachen. Vielleicht könnten wir auch eine Konferenz für das große Publikum in Temeswar organisieren, in der Aula Magna, mit Beispielen über Fake News und wie man Fake News bekämpfen könnte. Oder kurze Videos über die Bekämpfung von Fake News produzieren.