Angespanntes Warten auf Vergabe des Regierungsauftrags

Mehrheit der Rumänen will keine Technokraten-Regierung

Bukarest (ADZ) – Einen Monat nach dem Sturz des Kabinetts unter Interims-Premierminister Ilie Bolojan (PNL) zeichnet sich nach wie vor keine Parlamentsmehrheit außer der von Staatspräsident Nicușor Dan abgelehnten De-facto-Mehrheit bestehend aus PSD und der rechtspopulistischen AUR ab. Nichtsdestotrotz wird allgemein damit gerechnet, dass das Staatsoberhaupt den Regierungsauftrag noch in diesen Tagen vergeben wird, wobei sein ehrenamtlicher Berater Eugen Tomac weiter als Favorit für das Amt gilt – nach dem Dauerzoff zwischen den ehemaligen Koalitionspartnern scheint Nicușor Dan die allseits gesträubten Gefieder durch die Nominierung eines Regierungschefs, der keiner der großen Parlamentsparteien angehört, glätten zu wollen. Unklar bleibt dafür weiter, welche Mehrheit der 44-jährige Europaabgeordnete Tomac hinter sich bringen könnte und ob er einer Technokraten-Regierung oder einem politisch besetzten Kabinett vorstehen soll.

Mehr Klarheit gibt es derweil bei den Präferenzen der Bürger in puncto künftiger Regierung: Den Ergebnissen einer Ende Mai durchgeführten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Avangarde zufolge spricht sich die Mehrheit der Befragten sowohl gegen ein Technokraten-Kabinett als auch gegen einen technokratischen Regierungschef an der Spitze eines politisch besetzten Kabinetts aus: So erachteten 53 Prozent der von den Avangarde-Demoskopen Befragten, dass ein politisch besetztes Kabinett mit einem technokratischen oder parteifreien Premierminister keine gute Lösung wäre, während sich 52,7 Prozent dezidiert gegen eine technokratische Regierung aussprachen. 56,4 Prozent der  Befragten gaben des Weiteren an, angesichts der aktuellen Patt-Situation vorgezogene Neuwahlen vorzuziehen, die indes von 37,9 Prozent abgelehnt werden.