Bukarest/Köln (ADZ/dpa) – Angesichts der anhaltenden Dürre und historischen Tiefststände der Donau, die vor allem in der Energiewirtschaft zu weitreichenden Einschränkungen führen, hat Interims-Regierungchef Ilie Bolojan (PNL) am Montag nach einer Besprechung mit Vertretern von mehr als 80 industriellen Großverbrauchern mitgeteilt, dass viele Unternehmen sich bereit erklärt haben, ihre Produktion zeitweilig auszusetzen oder zumindest zurückzufahren. So würden die Autohersteller Dacia und Ford ihre Produktion bis zum 19. August wegen Wartungsarbeiten freiwillig einstellen, erklärte Bolojan, der des Weiteren warnte, dass renitente Großverbraucher durchaus vom Netz genommen werden könnten. Dem Interims-Premier zufolge importiert Rumänien zurzeit täglich zwischen 2000 und 2500 MW Strom – Gaskraftwerke und fotovoltaische Anlagen im Land seien voll im Einsatz, während Wasserkraftwerke und das AKW Cernavodă indes ihre Produktion wegen der niedrigen Pegelstände gedrosselt hätten.
Bolojan ersuchte daher alle Behörden und Institutionen im Land, Fassaden-, Gebäude- und Straßenbeleuchtung einigermaßen zurückzufahren, um Strom zu sparen – dem Land stünden nämlich zwei äußerst kritische Wochen bevor. Auch die privaten Haushalte seien gebeten, ihren Stromverbrauch vor allem zu abendlichen Spitzenlastzeiten nach Möglichkeiten zu drosseln. Armee und Wasserwirtschaftsamt seien diese Tage bemüht, den Pegelstand der Donau bei Cernavodă nicht weiter drastisch sinken zu lassen – einschließlich durch Sprengungen und Unterwasserbarrieren an einem Donauarm, um den Abfluss in Richtung des Haupt-Donaulaufs zu erhöhen, damit der zweite und letzte Reaktor des AKW Cernavodă mangels ausreichenden Kühlwassers nicht ebenfalls heruntergefahren werden müsse, so Bolojan.
Ford: Legen Produktion in Rumänien wegen Ferien still
Der Autobauer Ford legt seine Produktion in Rumänien aufgrund der Sommerferien vorübergehend still und nicht wegen drohender Stromengpässe. Das stellte ein Firmensprecher in Köln klar. Er sprach mit Blick auf die Aussagen von Rumäniens Ministerpräsident Ilie Bolojan von einem „Missverständnis“. „Fakt ist jedoch, dass aufgrund der regulären und lange im Voraus geplanten Sommerferien vom 1. bis 19. August 2026 derzeit keine Produktion stattfindet“, hieß es aus der Europa-Niederlassung von Ford in Köln. Auch in den Ford-Werken in Deutschland gebe es regelmäßig Werksferien.





