Bukarest (ADZ) – Staatspräsident Nicușor Dan ist laut übereinstimmenden Medienberichten mittlerweile bereit, den Regierungsauftrag auch ohne eine erwiesene Mehrheit zu vergeben. Zwar ließ das Staatsoberhaupt den 1. September verstreichen, ohne, wie angekündigt, die Fraktionsspitzen zu formellen oder informellen Konsultationen zu sich zu bitten, doch will Dan das Versäumnis angeblich umgehend nachholen – wie die Presse aus Präsidialamtskreisen erfuhr, sollen neue Konsultationen noch in diesen Tagen stattfinden.
Danach dürfte der Staatschef aller Wahrscheinlichkeit nach endlich auch den Regierungsauftrag vergeben – in den Karten stehen nach wie vor seine beiden Präsidialberater Eugen Tomac und Radu Burnete, der parteifreie Interims-Finanzminister Alexandru Nazare sowie PSD-Chef Sorin Grindeanu als Variante eines Premiers mit politischer Couleur. Keiner der vier hat zurzeit zwar eine Mehrheit hinter sich, doch werden jedem von ihnen nichtsdestotrotz weit bessere Aussichten als ihren Vorgängern Eugen Tomac und Adrian Veștea eingeräumt, die 233-Stimmen-Hürde für eine Investitur zu schaffen, da sie de facto die letzte Chance darstellen, bevor der Präsident das Parlament auflösen und vorgezogene Neuwahlen ansetzen kann. Entsprechend dürften viele Parlamentarier es vorziehen, den von Nicușor Dan designierten Premier und dessen Mehrheits- oder Minderheitsregierung abzusegnen, statt ihr eigenes Mandat einzubüßen.
Zu den vor allem von der rechtspopulistischen AUR angesichts ihrer guten Umfragewerte erhofften Neuwahlen dürfte es indes wohl kaum kommen: Da die AUR beste Chancen haben würde, daraus als stärkste Kraft hervorzugehen, wird Präsident Dan einen derartigen Ausgang zu verhindern wissen, da ansonsten seine Amtsenthebung kaum noch zu verhindern wäre.





