Bukarest (ADZ) – Bei dem Absturz einer sprengstoffbeladenen russischen Drohne auf einen Wohnblock in Galatz, bei dem vier Menschen zu Schaden kamen, handelt es sich um einen Präzendenzfall, der eine „entschlossene, angemessene, koordinierte Reaktion auf nationalem, alliiertem und internationalem Niveau“ erfordert, motivierte Präsident Nicușor Dan die Entscheidung. Es sei für Rumänien der „schwerwiegendste Vorfall“ seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Verteidigungsminister Radu Miruță stellte jedoch in einer Pressekonferenz am Freitagmorgen klar: Es handele sich nicht um einen Angriff, sondern eine Nebenwirkung des Ukraine-Kriegs. Interimspremier Ilie Bolojan sprach vor der CSAT-Sitzung laut Mediafax von Sanktionen gegen russische Diplomaten. Außerdem wolle er den Transfer von Drohnenabwehrsystemen von NATO-Partnern nach Rumänien vorschlagen.
Außenministerin Oana Țoiu forderte „höheren Druck auf Russland und eine entschlossene diplomatische Antwort“ und erklärte, die rumänischen Behörden hätten umgehend den NATO-Generalsekretär informiert. Der NATO-Sprecher verurteilte in einer ersten Reaktion auf X die „Fahrlässigkeit Russlands“.
Auch internationale Reaktionen ließen nicht auf sich warten: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einer „roten Linie“, die Russland überschritten hätte, und kündigte das 21. Sanktionspaket der EU gegen Russland an. Solidaritätsbekundungen kamen bisher auch aus zahlreichen NATO-, Nachbar- und EU-Ländern.
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag war eine mit Sprengstoff beladene russische Drohne vom Typ Geran 2 auf einen Wohnblock in Galatz gestürzt und explodiert. Zwei Menschen wurden verletzt und ins Krankenhaus transportiert, zwei weitere erlitten Panikattacken. Obwohl die Piloten der beiden von der Militärbasis Fetești aufgestiegenen F-16 Kampfflieger, unterstützt von einem Kampfhubschrauber, die Erlaubnis zum Abschuss hatten, wurde über dem dichtbewohnten Gebiet davon abgesehen, um „nicht noch größeren Schaden anzurichten, als vielleicht abgewendet würde“, so der Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die Drohne war nach einem massiven russischen Luftangriff auf die Hafeninfrastruktur der nördlichen Donau in der Ukraine um 2 Uhr bei Reni in rumänisches Gebiet vorgedrungen.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wurden laut Verteidigungsminister Miruță 47 Vorfälle mit abgestürzten Drohnen oder Drohnenteilen auf rumänischem Gebiet verzeichnet, davon 12 in diesem Jahr.





