Volle Krise am Energiemarkt: Nach teurem Sprit nun Stromprobleme

Regierung: Bevölkerung und Wirtschaft sollen Energie sparen

Die Wasserdurchflussmenge an der Donau nähert sich dem historischen Tiefststand aus dem Jahr 1985 von 1400 Kubikmetern pro Sekunde beim Landeseintritt bei Baziaș. Wie die Wasserverwaltungsbehörde Apele Române sowie das dieser unterstellte Amt für Hydrologie und Wasserbewirtschaftung (INHGA) mitteilen, führte die Donau Montagvormittag noch 1500 m³/s – deutlich unter dem Durchschnittswert für den Monat August von 3900 m³/s – und es wird kurzfristig ein weiterer Rückgang auf 1450 m³/s prognostiziert. | Foto: Apele Române

Bukarest (ADZ) – Der Staat will große Stromabnehmer in der Industrie überzeugen, ihren Verbrauch zu staffeln, um die ohnehin strapazierten Erzeugungskapazitäten zu schonen. Die Unternehmen sollten den Konsum idealerweise außerhalb der Stoßzeiten verlagern, um den Druck von den Netzen zu nehmen. Besonders ab den Abendstunden ist die Lage problematisch, wenn die Produktion von Solarstrom ausfällt. Sollte es einen besonders ausgeprägten Mangel an verfügbarer Elektrizität geben, gebe es ein Verfahren, um die großen Abnehmer vom Netz zu trennen, sagte Cristian Bușoi, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium vor einer Online-Konferenz mit der Industrie am Montag. Allerdings sei eine freiwillige Umschichtung der Produktion einer erzwungenen Abschaltung vorzuziehen, meine Bușoi.

Doch nicht nur die großen Industriebetriebe werden in Verantwortung genommen – auch die Bürger sollten vor allem zwischen 20 und 23 Uhr sparen, wenn ein Defizit vorliegt, appellierte Premierminister Ilie Bolojan nach einer Regierungssitzung Ende letzter Woche an die Bevölkerung.

Die Regierung hat den Alarmzustand ausgerufen, nachdem das Atomkraftwerk bei Cernavodă, dessen Reaktoren mit Donauwasser gekühlt werden, aufgrund der historischen Tiefstände des Flusses teilweise abgeschaltet werden musste und Gefahr besteht, dass auch der zweite Reaktor herunterzufahren ist. Nun versucht die Regierung, durch die gezielte Platzierung von Schiffen und Gesteinssprengungen, ausreichend Kühlwasser nach Cernavodă umzuleiten. Erste Detonationen über das Wochenende verfehlten jedoch die gewünschte Wirkung.

Bis sich die Lage entspannt, sind Stromimporte die einzige Lösung. Doch auch im Nachbarland Ungarn wurde das AKW in Paks fast komplett abgeschaltet. Vorerst kommt Abhilfe aus dem Osten – die Ukraine will Rumänien mit Stromlieferungen unter die Arme greifen.