Großwardein/Bukarest (ADZ) Während Rumäniens Politiker vergeblich nach einer neuen Mehrheit suchen und das Augenmerk aller in Erwartung des von Präsident Nicușor Dan hinausgezögerten Regierungsauftrags auf Schloss Cotroceni gerichtet ist, tourt der prorussische Ex-Präsidialanwärter Călin Georgescu ebenso fleißig wie ungehindert durchs Land – die Ständige Wahlbehörde AEP scheint es nicht zu stören, dass der strafverfolgte Möchtegern-Politiker außerhalb der regulären Wahlkampfzeit mit Unterstützung der AUR einen offenkundigen Wahlkampf durchzieht. Den ganzen Sommer über besuchte der Rechtsextremist an jedem Wochenende stark frequentierte Standorte – hauptsächlich Märkte und Kirchen, wo ihm die Menschen zumeist zujubelten, zumal die AUR stets darauf achtet, einige Hundert ihrer Anhänger dahin zu karren.
Jüngstes Ziel Georgescus war Großwardein/Oradea, wo der 64-Jährige am Wochenende in einer Luxuslimousine vorstellig wurde und die Einwohner von einem improvisierten Podest wissen ließ, dass Rumänien „nicht arm“ sei, sondern gezielt „verarmt“ werde – die heimische Produktion sei regelrecht „erstickt“ worden, das Land zu einem „Absatzmarkt“ verkommen. Der prorussische Rechtsextremist bestritt dabei ausdrücklich, bereits Wahlkampf zu betreiben – derlei Behauptungen seien „falsch“, er selbst sei und bleibe „Teil eines Werks“, durch das er keineswegs die Macht einfordere, sondern bloß alle daran erinnern wolle, „dass diese stets die eurige ist. Ihr seid das Volk, ihr seid die Macht“, schwadronierte Georgescu. Die anwesenden Großwardeiner begleiteten seine Rede mit Rufen wie „Freiheit“ und „Călin Georgescu IST Präsident“, einzelne Bürger, die ihn ausbuhten, wurden von aggressiven Teilnehmern brüskiert und weggedrängt.




