Nach dem Brukenthal-Museum in Hermannstadt besitzt das Kronstädter Kunstmuseum die zweitgrößte Sammlung des Landes von Bildnissen sächsischer Patrizier. Die Ausstellung wurde im Januar 2025 mit einem Vortrag des Kurators, Dr. Radu Popica, wieder dem Publikum eröffnet, zeigt nun eine Auswahl der Gemälde, die im Besitz des Kronstädter Kunstmuseums sind, und kann noch bis zum 16. März besichtigt werden.
Die Darstellungen der Kronstädter Führungseliten, die vom 16. Jh. bis 19. Jh. entstanden, sind kleinstädtische, teilweise entferntere Verwandte der Paradebildnisse, deren Maler hier allerdings oft unbekannt geblieben sind. Sie bieten jedoch Einblick in das Walten der politischen Stadtvertreter und setzen die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen am südöstlichen Grenzgebiet der katholischen Welt an einem ihr eigenen Platz auf der Europakarte des Zeitalters.
Eine Frau im Mittelpunkt
Die Ausstellung wurde letztes Mal im Jahr 2013 gezeigt, Anlass, zu dem auch ein Katalog mit Studien zu den Begleiterscheinungen dieser Porträtmalerei veröffentlicht wurde – damals auch in Zusammenarbeit mit wichtigen Besitzern solcher siebenbürgischen Malerei aus dem In- und Ausland. Obwohl auch damals der ganze sozio-politische Rahmen vorgestellt wurde, konzentrierte man sich eher auf die Anfänge dieser Malerei in Siebenbürgen, denn das Zentralgemälde der Ausstellung war das des Stadtrichters Lucas Hirscher III., das aus Hermannstadt gebracht wurde.
Der Ausstellungskurator Dr. Radu Popica, Historiker des Kronstädter Kunstmuseums, Autor mehrerer Studien zum Thema, und Kurator von Ausstellungen, die die Entwicklung der bildenden Kunst in Kronstadt im nationalen und internationalen geschichtlichen Kontext beschreiben, stellte nun, für die diesjährige Ausgabe der Ausstellung, ein Frauenbildnis als Zentralgemälde in den Raum, umgeben von anderen etwa 10 Männerporträts. Die Verewigte lebte im 18. Jh., hieß Sara Elisabeth Herbert von Herbertsheim und ihr Gemälde steht im Mittelpunkt, eben weil es Ausgangspunkt für die Besprechung der sozio-politischen Aspekte sein kann, auf die die jetzige Auflage dieser Ausstellung aufmerksam machen möchte.
Ein angeblich übliches Triptychon
Lucas Seuler der Jüngere und Samuel Herbert von Herbertsheim Senior, als bedeutende Figuren ihres Zeitalters, hatten nicht die Konfession (von Herbertsheim war katholisch geworden) und auch nicht die Mode gemeinsam (Lucas Seuler hing trotz Perücke noch an der evangelisch-lutherischen Mode, die vorläufig die „teutsche“ Wiener Hofmode verachtete), sondern eben Sara Elisabeth – in ihren Rollen als (Stief)Tochter, Stiefschwester und Ehefrau.
Sie war die Tochter von Lucas Seuler dem Jüngeren und Justina (geb. Gottmeister). Ihre Mutter, Justina, heiratete nach dem Tode von Lucas Seuler den Gubernialrat und Stadtrichter Samuel Herbert von Herbertsheim. Weil Sara Elisabeths Stiefvater bereits aus einer anderen Ehe einen Sohn hatte, nämlich Samuel Herbert von Herbertsheim den Jüngeren, den sie schließlich heiratete, wurde Sara die Ehefrau ihres Stiefbruders. Wie ihre Mutter auch, heiratete sie, nachdem ihr erster Mann gestorben war, einen anderen angesehenen Mann.
Und eben weil ihr Leben keine Ausnahme zur Regel der Zeit war, wird Sara Elisabeths Gemälde im Ausstellungsraum links und rechts von den beiden Herberts von Herbertsheim flankiert.
Diese Gemälde müssen zusätzlich im lokalen Kontext der Konfessionalisierung und Gegenreform, der Zwangsumsiedlungen und der Vorspiele auf die Wiener Märzrevolution und auch im Lichte der Einflüsse die aus Europa nach Siebenbürgen kamen (siehe Barock, Pietismus), verstanden werden.
Gesellschaft hatte immer Stufen
Die Herrschaft des bürgerlichen Patriziats wird als Städtearistokratie bezeichnet; Popica erklärte sie auch als Oligarchie, eben ausgehend von dem Hauptgemälde. Die wenigen sächsischen Adelsfamilien (sog. Grafen), die für das 14. und 15. Jh. verzeichnet sind, heiraten in die damals aufschwingenden reichen Handels- Handwerkerfamilien hinein. Das Patriziat kannte seine Blütezeit während des 17. und 18 Jahrhunderts und wurde schließlich, Anfang des 19. Jahrhunderts, wie auch an den neoklassizistischen Porträts der Ausstellung sichtbar, durch Einfügen ins Bürgertum aufgelöst.
Charakteristisch ist, dass sie eine „geschlossene Gesellschaft“ war, die Titel und Vormacht durch verschiedene Mittel nur in ihren Reihen behielt. Unter den Mitteln gelten die Vorschriften und Bedingungen, laut denen man überhaupt in den Reihen der „Ratsfähigen“ gewählt werden konnte. Man musste Hausbesitzer in der Innenstadt sein und dazu waren Herkunft und Genealogie sehr wichtig.
In diesem Kontext war Ehe ein sehr wichtiges Anliegen und Sara Elisabeths Gemälde spricht eben von der Endogamie, die als Mittel zum Erhalt der sozio-politischen Vorrangigkeit benutzt wurde, wobei dieser Statut von der Kunst rechtfertigt wird.