Sämtliche ehemalige Schüler des Johannes-Honterus-Lyzeums sind heute in aller Welt verteilt und gehen den unterschiedlichsten beruflichen Wegen nach. Tiffany Neama, geborene Helm hingegen hat sich bewusst dafür entschieden, in Kronstadt zu bleiben. Hier engagiert sie sich für die Arbeit mit Kindern und trägt durch ihre Tätigkeit in einer kleinen, familiären After-School-Einrichtung zum Erhalt und zur Förderung der deutschen Sprache in Kronstadt bei. Im Interview mit KR-Redakteurin Bernice Krech-Lițoiu spricht sie über ihre Schulzeit, ihren beruflichen Werdegang, ihre Motivation sowie über Herausforderungen und Chancen der pädagogischen Arbeit vor Ort.
Liebe Tiffany, möchtest du dich kurz vorstellen und ein wenig über deinen Werdegang erzählen?
Sehr gerne. Ich heiße Tiffany Neama und bin gerade 28 Jahre alt geworden. Ich wurde in Kronstadt geboren und bin in Neustadt aufgewachsen, wo meine Eltern ein familienähnliches Kinderheim gegründet und geleitet haben. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, eine ganz besondere Kindheit zu erleben, weil ich immer von vielen Kindern und Aktivitäten umgeben war. Ich war Schülerin am Johannes-Honterus-Lyzeum – von der ersten bis zur zwölften Klasse. Nach dem Abitur bin ich in Kronstadt geblieben und habe an der Transilvania-Universität Pädagogik für Vorschul- und Grundschulbildung studiert. Im Jahr 2020 habe ich meinen Ehemann Raul geheiratet, und zwei Jahre später wurde unser erster Sohn geboren. Heute habe ich zwei Söhne, bin Vollzeitmutter und leite zusätzlich ein kleines After-School-Programm, das ich ebenfalls 2020 gegründet habe.
Wie kam es dazu, dass du bereits als Kind Deutsch gelernt hast?
Meine Mutter ist ebenfalls ehemalige Honterus-Schülerin und hat mir schon als Kind Deutsch beigebracht. Außerdem war ich vier Jahre in einem deutschen Kindergarten.
Wie erinnerst du dich an deine Zeit am Johannes-Honterus-Lyzeum?
Die Erinnerungen an meine Zeit an der Honterusschule werden mich immer begleiten – angefangen vom Aufnahmetest im A-Gebäude am ersten Tag, über meine liebe Lehrerin Monica und meinen Klassenlehrer Herrn Fugaru bis hin zu all den schönen Traditionen wie Fasching oder das Honterusfest. Besonders die letzten vier Jahre haben mich stark fürs Leben geprägt. Ich erinnere mich sogar an den Geruch der Sporthalle oder der Chemie- und Informatiklabore. Es war eine wunderschöne Zeit, und ich hoffe, dass meine Kinder einmal ebenso schöne Erinnerungen sammeln werden.
Nach deinem Studium hast du die After-School gegründet. Wie kam es dazu?
Die Idee kam daher, dass meine Mutter ebenfalls eine After-School geleitet hat und ich ihr mehrere Jahre dabei geholfen habe. Ich liebe Kinder und den ganzen Lehr- und Lernprozess und so habe ich die After-School „Sterntaler“ gegründet. Zuerst habe ich einen Raum im Deutschen Kulturzentrum gemietet, später einen neben der Honterusschule, in der Synagoge. Als ich schwanger war, hat mein Mann dann bei uns im Garten ein kleines Haus dafür gebaut.
Mir war es immer wichtig, dass sich alles wie eine Familie anfühlt – mit einer gemütlichen und eben familiären Atmosphäre. Das ist bis heute so, denn aktuell sind nur zwölf Kinder eingeschrieben.
Was bietet deine After-School genau an?
Wir bieten die Abholung von der Schule, Mittagessen, Unterstützung bei den Hausaufgaben, ständige Betreuung sowie eine sichere und freundliche Umgebung. In der Freizeit und in den Sommerferien organisieren wir ein Sommerprogramm mit vielen Aktivitäten im Freien, Wanderungen, kreativen Workshops und Kochkursen – alles auf Deutsch.
Die Kinder werden um 12:45 Uhr abgeholt, spielen zunächst im Garten, essen gemeinsam zu Mittag und beginnen dann mit den Hausaufgaben. Wir ermutigen sie, möglichst selbstständig zu arbeiten und nur dann Hilfe zu holen, wenn sie etwas nicht verstehen. Danach haben sie Freizeit zum Spielen oder bereiten sich auf den nächsten Tag vor. Es gibt auch Zusatzblätter – aber sie sind dann schon oft müde und brauchen einfach Zeit zum Spielen. Um 17 Uhr werden sie abgeholt. Wir versuchen, so viel wie möglich Deutsch mit ihnen zu sprechen. Dabei unterstützt mich auch eine Mitarbeiterin.
Was macht dir besonders Freude an der Arbeit mit Kindern?
Die Arbeit mit Kindern hat mir schon immer Spaß gemacht. Kinder sind ehrlich und lustig, und wenn man ein Herz dafür hat, kann man eine enge Verbindung aufbauen und sie gut verstehen. Mit Kindern ist vieles einfacher – mit den Eltern kann es manchmal herausfordernder sein.
Du gibst auch Skikurse, richtig?
Ja, das läuft parallel, teilweise auch kombiniert. Einige Kinder aus der After-School kommen auch zum Skifahren. Ich habe mit zwei Jahren angefangen und bin seitdem jedes Jahr gefahren – es war für mich später selbstverständlich, auch selbst zu unterrichten. Mit 18 habe ich den Skilehrerkurs gemacht und unterrichte seitdem jeden Winter – allerdings nur Kinder, nicht Erwachsene. Ich organisiere auch Skilager und habe mehrere Jahre Kinder aus der Deutschen Schule Bukarest in Poiana Bra{ov betreut.
Wie schaffst du das alles neben dem Mama-Sein?
Meine Söhne sind zwei und fast vier Jahre alt. Mutter zu sein ist wunderschön, ich habe mir das immer gewünscht – gleichzeitig ist es natürlich auch herausfordernd. Zum Glück habe ich Unterstützung, besonders durch meine Mitarbeiterin bei der Afterschool, sodass ich mich aktuell mehr auf meine Kinder konzentrieren kann. Jetzt, wo die Kinder etwas älter sind, möchte ich mich auch beruflich wieder stärker einbringen. Sie gehen schon in den deutschen Kindergarten der Schwarzen Kirche und wir bringen ihnen auch Deutsch bei.
Findest du es wichtig, dass Kinder in Kronstadt weiterhin Deutsch lernen?
Ja, ich finde es sehr wichtig, dass die deutsche Sprache in Kronstadt weiterhin gelehrt und gelernt wird. Es wird allerdings schwieriger, qualifizierte deutschsprachige Lehrkräfte zu finden, und viele Fächer werden inzwischen auf Rumänisch unterrichtet – auch zu meiner Schuzeit schon – wodurch das Sprachniveau leider sinkt. Trotzdem hoffe ich, dass das Interesse bestehen bleibt, denn Deutsch hilft auch, das kulturelle Erbe der Region zu bewahren.
Wie siehst du die Zukunft deiner After-School? Und hast du weitere Pläne?
Ich wünsche mir, dass sie sich weiterentwickelt, aber nicht unbedingt größer wird. Das wird sich noch zeigen. Qualität ist mir auf jeden Fall wichtiger als Quantität. Seit ich Mutter bin, habe ich viele neue Ideen, aber weniger Zeit. Ich möchte mich auch beruflich weiterentwickeln und eventuell Grundschullehrerin an einer deutschsprachigen Schule werden.
Gibt es eine lustige Situation aus der After-School?
Bei uns geht es immer lebendig und lustig zu. Die Kinder spielen oft im Garten Ball und werfen ihn ständig über den Zaun. Ich habe bestimmt schon mindestens hundertmal gesagt, dass es dann keinen Ball mehr gibt, wenn sie ihn weiterhin über den Zaun werfen – aber irgendwie taucht immer wieder einer auf (lacht).
Welchen Rat würdest du jemandem geben, der mit Kindern arbeiten möchte?
Man muss wirklich dafür gemacht sein. Es ist nicht immer einfach, es kommen ja auch die administrativen Aufgaben und die Kommunikation mit den Eltern dazu. Aber es ist sehr erfüllend.
Wie verbringst du deine Freizeit?
Freizeit als Mutter sieht anders aus – eine Stunde im Fitnessstudio oder ein Kaffee mit einer Freundin ist schon viel. Am liebsten verbringe ich aber meine Zeit mit meinen Kindern und beobachte, wie schön sie aufwachsen und sich täglich entwickeln.
Gibt es eine lustige Anekdote aus deiner Schulzeit?
Ich würde sagen, dass die letzten vier Jahre im Lyzeum besonders lustig waren. Wenn mein Mann und ich heute spazieren gehen und an den B- und C-Gebäuden vorbeikommen, sprechen wir oft darüber. Wir waren nämlich in der neunten Klasse ein Semester lang Banknachbarn – dort hat alles begonnen. Wir waren einige Jahre gute Freunde, haben uns dann verliebt und schließlich geheiratet. Es ist sehr schön, neben jemandem zu leben, der fast die gleiche Kindheit und dieselben Schulerfahrungen hatte.
Und zum Schluss: Was bedeutet Kronstadt für dich?
Kronstadt ist mein Zuhause – der Ort, an dem ich geboren wurde, aufgewachsen bin und meine eigene Familie gegründet habe. Und es ist der Ort, an dem ich bleiben möchte.
Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft!






